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RathaussturmNach drei Schüssen aus der Möckeflitsch gab der Kaller Bürgermeister auf

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Die Kanone der Prinzengarde qualmt. Zuschauer und Prinzengardisten halten sich die Ohren zu.

Mit der Kanone wurde mehrmals von der Kaller Prinzengarde auf das Rathaus gefeuert.

Der neue Kaller Bürgermeister Emmanuel Kunz wurde von den Jecken in Handschellen abgeführt. Bauhof-Kanone war ein Schuss in den Ofen.

Bei seinem ersten Rathaussturm als Bürgermeister war sich Emmanuel Kunz bis zum Schluss sicher, dass er mit seinen Verwaltungsmitarbeitern den Angriff der Jecken abwehren könnte. „Hier weht jetzt ein anderer Wind. Hier wird heute weitergearbeitet“, sagte Kunz, der sich mit der Verwaltung im alten Postgebäude verschanzt hatte. Am Ende musste er sich aber doch der närrischen Übermacht beugen und wurde in Handschellen aus dem Rathaus geführt.

In einem kleinen Westerndorf im Keller des Postgebäudes hatten sich Kuntz und sein Team verbarrikadiert. Kurz vor dem Angriff schwor er seine Mitstreiter noch einmal ein und verteilte Sessionsorden. Die Abordnung der jecke Krohe aus Wahle waren sehr früh am Postgebäude und bildeten die jecke Vorhut. Gegen den Regen hatten sich viele Narren mit Plastikumhängen und Schirmen geschützt. In einem langen Zug näherten sich dann die Kaller Prinzengarde, die Möhnen und weitere jecke Wiever.

Bürgermeister wurde „schnell und laut“ aus dem Rathaus geholt

Die Wahlener waren am Nachmittag noch beim Zug durch den eigenen Ort gefordert. Wohl auch deshalb meinte Prinzessin Mia I. zum Bürgermeister: „Wir werden dich ganz schnell und laut aus dem Rathaus holen.“ Die Sistiger Prinzessin Heidi I. hatte auch schon eine Verwendung für Kunz parat: „Wir suchen noch einen Tänzer für das Männerballett. Ich habe gehört, dafür könnte man dich brauchen.“ Doch Kunz lehnte ab und verwies auf seinen lädierten Rücken. Das wollte Heidi aber nicht gelten lassen.

Auch die jecke vom Hahnebömsche aus Scheven waren zu dem Rathaussturm gekommen. Die Kaller Regentin Emily I. war sich ebenfalls sicher: „Das wird gleich ganz schnell gehen.“ Kommandant Rico Spilles gab dem Verwaltungschef dann noch eine letzte Chance. Doch Kunz spottete: „Wir sind eine bürgerfreundliche Verwaltung und freuen uns über jeden Besuch. Schön, dass ihr uns heute die fünfte Frühstückspause verschönert habt.“ Doch jetzt werde im Rathaus weiter gearbeitet: „Ihr könnt nach Hause gehen.“

Ein Geburtstagsständchen für den Prinzengarde-Kommandant

Zuvor hatten die Kallbachmücken und die Möhnen für das närrische Publikum getanzt. Kommandant Rico Spilles, der mit einem Ständchen zu seinem 30. Geburtstag geehrt wurde, musste dann aber doch die „Möckeflitsch“, die Kanone der Prinzengarde, in Stellung bringen lassen. „Dann können wir ja die Rechnung für die Feier am Rathaus dem Geburtstagskind schicken“, scherzte der Bürgermeister.

Dreimal gab es dann einen lauten Knall von der „Möckeflitsch“. Die Kanone der Verteidiger, die Mitarbeiter des Bauhofs in Stellung gebracht hatte, gab dagegen nur ein mickriges Tönchen von sich. Der Bürgermeister und seine Unterstützer mussten sich geschlagen geben. Kunz wurde gefangen genommen und in Handschellen aus dem Gebäude geführt.