Behandlung per FunkTelenotarzt-System seit zwei Jahren im Kreis Euskirchen in Betrieb

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Mit dem „Patienten“ Michael Brüders zeigen Aileen Meyer, Jan Oliver Weber und der Auszubildende Niklas Hackenbroch (hinten) die Möglichkeiten des Telenotarzt-Systems.

Mit dem „Patienten“ Michael Brüders zeigen Aileen Meyer, Jan Oliver Weber und der Auszubildende Niklas Hackenbroch (hinten) die Möglichkeiten des Telenotarzt-Systems.

Kreis Euskirchen – Auf den Tag genau vor zwei Jahren wurde am 15. März 2017 das Telenotarzt-System im Kreis nach seiner Probephase gestartet. Udo Crespin, Kreisbrandmeister und Leiter der Abteilung Gefahrenabwehr beim Kreis, zieht Bilanz: „Es ist eine Erfolgsgeschichte.“ Sowohl Patienten als auch die Mitarbeiter im Rettungsdienst geben positive Rückmeldungen.

Temras hieß in den Anfangstagen das System, einen Notarzt über Funk mit den Rettungswagen zu verbinden. 2011 sei begonnen worden, mit der Uniklinik Aachen über Lösungen für die Zukunft des Notarztsystems nachzudenken. „Der Kreis hat eine Fläche von 1250 Quadratkilometern, da ist die frühzeitige Intervention von Ärzten ein Problem“, so Crespin. Der Kreis Euskirchen sei der erste Landkreis gewesen, der sich dieser Thematik gestellt habe.

Auf der Karte zeigt Kreisbrandmeister Udo Crespin, in welchem Bereich der Telenotarzt vorrangig eingesetzt wird. Die gelben Knöpfe zeigen Standorte der Rettungswagen mit Telenotarzt-Unterstützung.

Auf der Karte zeigt Kreisbrandmeister Udo Crespin, in welchem Bereich der Telenotarzt vorrangig eingesetzt wird. Die gelben Knöpfe zeigen Standorte der Rettungswagen mit Telenotarzt-Unterstützung.

Je einen fahrenden Notarzt gibt es in Schleiden und Mechernich, zwei in Euskirchen, von denen einer nur tagsüber verfügbar ist. Durch die gestiegenen Einsatzzahlen sei es notwendig geworden, die Versorgung im Südkreis zu verbessern. 2012 sei erstmals in der Leitstelle Aachen ein Notarzt eingesetzt worden. Testweise wurde der in Tondorf stationierte Rettungswagen mit dem System ausgestattet.

Zu 99 Prozent eine stabile Verbindung

„Die große Frage war die Topographie“, so Crespin. Würde es bei der teils schlechten Mobilfunk-Abdeckung in der Eifel möglich sein, Daten in Echtzeit zu übertragen? Die Lösung wurde mit einem Gerät gefunden, dass sich vor Ort das beste Netz sucht. „Wir haben mittlerweile zu 99 Prozent eine stabile Verbindung“, so Crespin. Darüber hinaus stand nicht fest, wie Patienten, Krankenhäuser und die Besatzungen der Rettungswagen auf das System reagieren. „Wir haben alle gefragt und nur positive Rückmeldungen bekommen“, fasst Crespin die Reaktionen zusammen.

Einsätze

Rund 800 Einsätze sind seit dem Start im Realbetrieb mit dem Telenotarzt erfolgt. Das entspreche rund elf Prozent der Einsätze, so Jesko Priewe. In drei Prozent aller Einsätze sei es zu einer Nachalarmierung des fahrenden Notarztes gekommen: „Das ist also eher selten.“ Einmal habe es den Fall gegeben, dass in Hellenthal der fahrende Notarzt und der Telenotarzt gemeinsam einen Menschen retten konnten.

Crespin sieht die Umstellung als gelungen an: „Seit wir den Telenotarzt haben, haben wir keine Engpässe mehr bei den Notärzten.“ 1,5 Millionen Euro hätten andernfalls für zwei weitere Notärzte investiert werden müssen. Derzeit sind fünf Rettungswagen, die in Tondorf, Marmagen, Rescheid, Bad Münstereifel und Euskirchen stationiert sind, mit der Technik ausgestattet. Damit wird vor allem den langen Anfahrtszeiten im südlichen Kreisgebiet Rechnung getragen.

Dabei soll das System vor allem eine Ergänzung der Rettungsmittel sein, so Crespin. Vor allem bei Einsätzen, bei denen keine Lebensgefahr bestehe, sei auf der Fahrt ins Krankenhaus eine ärztliche Begleitung gewährleistet, für die bisher ein fahrender Notarzt habe ausrücken müssen.

Unscheinbare Technik

In den Rettungswagen ist die Technik eher unscheinbar. Eine kleine „Käseglocke“ sitzt über der Kamera, die der Telenotarzt von seinem Arbeitsplatz aus steuern kann. Die Sanitäter verfügen über Headsets, über die sie mit ihm kommunizieren. Fotos und ein Livestream können via Mobilfunk nach Aachen gesendet werden. In Echtzeit werden Vitaldaten übermittelt. Für die Personen bleibt der Telearzt unsichtbar, er erscheint nicht auf einem Bildschirm. Bei Unfällen, so Jesko Priewe, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes, wo der Patient außerhalb des RTW versorgt werden müsse, kommen nur fahrende Notärzte zum Einsatz: „Der Telenotarzt sieht nur etwas, wenn der Patient im Wagen ist.“ Für die Rettungsteams sei es von Vorteil, einen Arzt konsultieren zu können, bestätigen die Notfallsanitäter Aileen Meyer und Jan Oliver Weber.

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Auch die Patienten reagierten gut darauf. „Wir informieren sie, wenn wir den Telenotarzt kontaktieren“, so Weber. Der Datenschutz sei gewährleistet, betont Crespin: „Die Aufnahmen werden nicht gespeichert, darauf haben wir Wert gelegt.“

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