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Neuer Schädling auf dem VormarschEichenprachtkäfer ist im Kreis Euskirchen angekommen

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Förster Heinz Benden im Wald neben einigen gefällten Eichenstämmen, die zu Brennholz verarbeitet werden.

Beim Brennholz ist der Käferbefall nicht weiter schlimm, so Revierförster Heinz Benden. Gut zu erkennen sind die Spechtabschläge an der Eichenrinde, die von den Vögeln bei der Suche nach den nahrhaften Käferlarven verursacht wurden.

Um die weitere Ausbreitung des vom Klimawandel profitierenden Schädlings zu stoppen, setzen Förster auch im Kreis Euskirchen auf den „Sanitärhieb“.

Er ist nur etwa zehn bis dreizehn Millimeter lang, hat aber das Zeug dazu, große Schäden in den heimischen Eichenbeständen zu verursachen: Der Zweipunktige oder Zweigefleckte Eichenprachtkäfer (lat.: Agrilus biguttatus) geht dabei ähnlich vor wie der Borkenkäfer, der vor einigen Jahren zahlreiche große Fichtenbestände in der Region zerstört hat.

„Der metallisch grün bis kupferfarbene Käfer legt seine Eier in den Rindenritzen von Stiel- und Traubeneichen ab“, erklärt Revierförster Heinz Benden. Der Käfer bevorzugt dabei den unteren Stammbereich, macht sich aber auch an Starkästen zu schaffen. „Die geschlüpften Larven bohren sich dann in die Rinde und fressen im Bast- und im Kambialbereich, was dort zu den typischen Fraßgängen führt“, so Benden weiter.

Für den Baum wird es gefährlich, wenn sich die Fraßgänge rund um den ganzen Stamm erstrecken: Dann kann er sich nicht mehr versorgen und stirbt ab.
Hweinz Benden, Revierförster

Einzelne Käferangriffe machten einer soliden Eiche nichts aus. Doch mit zunehmender Schädlingszahl sehe das dann schon anders aus. „Für den Baum wird es gefährlich, wenn sich die Fraßgänge rund um den ganzen Stamm erstrecken“, so Benden: „Dann kann sich der Baum nicht mehr versorgen und stirbt ab.“

Spechte suchen unter der Eichenrinde nach den Käferlarven

Beim Ortstermin im ehemaligen Münstereifeler Gymnasialwald, der sich zwischen Witscheiderhof und Kolvenbach erstreckt, kann der Revierförster bei einigen für den Export bestimmten Eichenstämmen, die bereits auf das Maß eines Seecontainers von maximal 11,50 Metern Länge zurechtgeschnitten sind und zur Abholung am Wegesrand bereitliegen, die typischen Kennzeichen für den Käferbefall ausmachen.

Die Macroaufnahme zeigt einen Zweipunktigen Eichenprachtkäfer, der auf einem Eichenblatt sitzt.

Der Zweipunktige Eichenprachtkäfer breitet sich auch im Kreis Euskirchen, bevorzugt in den warmen und trockenen Lagen, weiter aus.

Ein ausgestreckter Finger deutet auf die Fraßgänge der Eichenprachtkäferlarve.

Unter der Eichenrinde sind die Fraßgänge der Larven zu erkennen.

„Man erkennt gut, wo der Specht nach Käfern oder Larven gesucht hat“, erklärt Benden und zeigt auf die Löcher in der Rinde: „Typisch sind außerdem so genannte Spechtabschläge, wenn die Schicht aus Moosen und Flechten, die den Stamm normalerweise bedeckt, durch das Wirken der Spechte fast ganz weg ist und die Stämme schon von Weitem an ihrer rotbraunen Färbung erkennbar sind.“

Dort, wo die Rinde ganz abgeplatzt ist, sind auch die Fraßgänge der hungrigen Käferlarven zu sehen. Die Eichenstämme aus der Eifel sind für den Weltmarkt bestimmt und lassen sich meist auch dann noch gut verkaufen, wenn sie von den Käfern geschädigt sind.

Befallenes Holz kann nur noch mit Preisabschlag vermarktet werden

„Preislich wirkt sich das dann allerdings direkt durch einen Abschlag von 20 bis 30 Prozent aus“, so der Förster. Keine Einbußen gibt es hingegen beim Brennholzverkauf. „Da machen ein paar Löcher nichts aus.“

In dem Waldstück bei Witscheiderhof wachsen nicht nur Eichen, sondern viele verschiedene Laubbäume. Buche, Esche und Ahorn kommen ebenfalls vor. Alle Baumarten haben ihre individuellen Probleme: „Krankheiten, verschiedene Pilze oder eben der Käferbefall wie bei den Eichen machen den Bäumen zu schaffen“, so Benden: „Verstärkt werden die Probleme jedoch durch den Klimawandel.“

Der Eichenprachtkäfer liebt die Wärme. „Und je wärmer es wird, desto wohler fühlt sich der Käfer“, so der Förster. An der Mosel in Rheinland-Pfalz seien bereits ganze Waldstücke, die komplett mit Eichen bewachsen waren, kahlgeschlagen worden, um die weitere Ausbreitung des Käfers zu stoppen. Auch Benden setzt in seinem Wald auf den „Sanitärhieb“ und lässt die Eichen fällen, die offensichtlich vom Käfer befallen sind. „Das Problem ist: Das ganze Holz, auch das Kronenholz, muss bis spätestens Mitte Mai aus dem Wald abgefahren werden“, so Benden: „Ansonsten fliegen die Käfer wieder aus und suchen sich neue Bäume für die Eiablage – und das Spiel geht von vorne los.“

In den tieferen Lagen ist der Befall stärker als im Nationalpark Eifel

Dass er dem Schädling durch die Entnahme einzelner befallener Bäume indirekt bei der weiteren Ausbreitung hilft, ist Benden dabei bewusst: „Wenn ich einzelne Bäume entferne, bekommen die Bäume in der Nachbarschaft mehr Licht und mehr Wärme – was wiederum dem Käfer gefällt.“ Trotzdem sei dies die einzige Möglichkeit, die dem Förster bleibe, um etwas gegen den Käfer zu tun.

Blick von Roderath im April auf Wiesen, blühende Bäume und Wälder in Richtung Bad Münstereifel.

Der Wald der Zukunft zeichnet sich wohl auch in der Eifel durch eine große Vielfalt an Baumarten aus.

Noch weitaus größer als in den kühleren und niederschlagsreicheren Wäldern der Eifel ist das Problem mit dem Eichenprachtkäfer in den tieferen Lagen: Aus dem Bereich des Hardtwalds und der Zülpicher Börde werden laut Landesbetrieb Wald und Holz NRW derzeit die landesweit größten Schäden gemeldet. Das geht aus Daten der „Dienstanweisung über die Sicherung des Waldes“ für das Jahr 2025 hervor. Im Bereich des Nationalparks Eifel, wo es ebenfalls recht große Eichenvorkommen gibt, gibt es laut Volker Möller, Bezirksleiter Hetzingen/Gemünd, noch keine Auffälligkeiten in Bezug auf den Käfer.

Der „Wald der Zukunft“ zeichnet sich durch Artenreichtum aus

„Besonders betroffen sind vorgeschädigte Bestände, da der Eichenprachtkäfer vor allem geschwächte Bäume befällt“, heißt es in der Mitteilung des Landesbetriebs. Insbesondere diese Bestände sollten daher stets auf den Befall mit Eichenprachtkäfern kontrolliert werden.

Im Jahr 2025 sei zudem aufgefallen, dass in den durch den Käfer geschädigten Beständen zusätzlich ein Befall mit anderen holzbrütenden Insekten an stehenden, absterbenden Bäumen aufgetreten sei, so die Forstbehörde weiter.

Welche Bäume mit den sich durch den Klimawandel ändernden Bedingungen künftig am besten zurecht kommen, könne man heute noch nicht mit Gewissheit sagen, meint Benden. „Umso wichtiger ist es aus meiner Sicht, für einen gesunden, widerstandsfähigen Wald auf eine Vielfalt der Baumarten zu setzen.“ Monokulturen – das habe die Trockenheit und der anschließende Borkenkäferbefall bei der Fichte eindrucksvoll demonstriert – seien jedenfalls keine Lösung für den Wald der Zukunft, so Benden.