Der Landschaftsverband Rheinland und Wald und Holz NRW setzen ihre Zusammenarbeit im Freilichtmuseum nach vier Jahren Pause fort.
Waldpädagogikzentrum EifelDas Kommerner Freilichtmuseum hat wieder eine Försterin

Die historische Waldbewirtschaftung wird im Freilichtmuseum durch den Einsatz von Holzrückepferden demonstriert.
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Bekannt ist das Kommerner Freilichtmuseum vor allem für seine zahlreichen Fachwerkgebäude aus der Eifel und dem restlichen Rheinland sowie für viele publikumswirksame Großveranstaltungen. Der „Jahrmarkt anno dazumal“, der in diesem Jahr wieder zahlreiche Gäste ins Museum lockte, ist gerade erst zu Ende gegangen. Geprägt wird das Museum aber auch durch seinen Wald: „Unser Gelände umfasst rund 100 Hektar“, berichtet Museumsleiter Dr. Carsten Vorwig, „60 bis 70 Hektar davon sind Wald.“
Eine große Rolle hat der Wald auch stets für die Menschen gespielt, die in den vergangenen Jahrhunderten im Rheinland lebten. „Ohne den Wald hätten die Menschen früher nicht überleben können“, sagte Vorwig: „Zum Mästen wurden zum Beispiel die Schweine in den Wald getrieben, damit sie sich an den Eicheln und Bucheckern sattfressen konnten. Und auch die Lederverarbeitung wäre ohne die Gewinnung von Gerbsäure aus der Rinde der Eiche nicht möglich gewesen.“
Um diese enge Verbindung zum Thema „Wald“ auch in der pädagogischen Arbeit im Museum widerzuspiegeln, haben der Landschaftsverband Rheinland (LVR) als Träger des Museums und die Landesforstverwaltung bereits vor knapp einem Vierteljahrhundert einen Kooperationsvertrag geschlossen. Das Waldpädagogikzentrum Eifel im Kommerner Freilichtmuseum hat nach seiner Gründung im Jahr 2002 zahlreiche umweltpädagogische Projekte verwirklicht.
Stelle im Kommerner Museum blieb mehrere Jahre unbesetzt
Doch in den vergangenen Jahren geriet die Zusammenarbeit ins Stocken: Seit Ingo Esser, der bisherige Leiter des Waldpädagogikzentrums, 2022 in den Ruhestand ging, war die Stelle unbesetzt. Jetzt gibt es einen Neuanfang – auch personell: Carina Bomers (32), die aus dem Münsterland stammt und zuletzt im Jugendwaldheim Obereimer bei Arnsberg tätig war, hat zum 1. April die Leitung des Waldpädagogikzentrums übernommen.

Die Leitung des Waldpädagogikzentrums hat zum 1. April Carina Bomers (Mitte) übernommen.
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„Damit wird das Angebot im Bereich der Umweltbildung weiterentwickelt und neu ausgerichtet“, freut sich Museumsleiter Vorwig. Ihre Zusammenarbeit haben die beiden Kooperationspartner in einem neu aufgesetzten Vertrag besiegelt, den LVR-Kulturdezernentin Dr. Corinna Franz und Thomas Kämmerling, Leiter des Landesbetriebes Wald und Holz Nordrhein-Westfalen, am Montag in Kommern unterzeichneten.
Wie in der Vergangenheit bringen sich beide Vertragspartner wieder mit unterschiedlichen Anteilen ein: Das Museum stellt die Räumlichkeiten für das Waldpädagogikzentrum zur Verfügung, die Forstverwaltung übernimmt die personelle Ausstattung. „Unsere Kooperation zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn große öffentliche Institutionen ihre Kräfte bündeln“, sagte Kämmerling.
Waldpädagogik nimmt bei der Forstverwaltung hohen Stellenwert ein
Die Waldpädagogik sei für den Landesbetrieb kein Randthema, sondern zentraler Bestandteil seines Auftrags, betonte Kämmerling: „Wir bringen pro Jahr rund 130.000 Kinder und Jugendliche mit dem Thema ‚Wald‘ in Berührung – in den Jugendwaldheimen, bei Exkursionen und bei den Waldjugendspielen.“

Dr. Carsten Vorwig (v.l.), LVR-Kulturdezernentin Dr. Corinna Franz und Thomas Kämmerling, Leiter des Landesbetriebes Wald und Holz Nordrhein-Westfalen, bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags.
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Das LVR-Freilichtmuseum mit seinen rund 230.000 Gästen pro Jahr nehme daher einen wichtigen Stellenwert für die Vermittlung der Themen rund um Natur und Nachhaltigkeit ein. „Denn der Bedarf wächst“, so Kämmerling weiter: „Themen wie Klimawandel, Biodiversität und nachhaltige Ressourcennutzung verlangen nach Orten, an denen Wissen nicht nur vermittelt, sondern auch erlebt werden kann.“
Wie wichtig die Angebote des Waldpädagogikzentrums auch für das Museum sind, machte Vorwig deutlich: „Dies ist ein wichtiger Teil unserer Vermittlungsarbeit hier im Museum.“ Durch die Neubesetzung der Koordinationsstelle könne Carina Bomers diese Aufgabe nun fortführen und dabei auch inhaltlich den Blick in Gegenwart und Zukunft der Waldbewirtschaftung richten.
Über einen Umweg zum Försterberuf
Die studierte Försterin ist über den Umweg eines Lehramtsstudiums zum Landesbetrieb Wald und Holz NRW gekommen: „Ich bin einmal auf dem Weg nach Berlin durch diese riesigen Kiefernbestände in Brandenburg gefahren, wobei es bei mir Klick gemacht hat“, berichtet Bomers: „Da ist mir klar geworden, dass ich was mit Holz machen möchte – entweder Tischerlerin oder Försterin.“
Neben der historischen Waldbewirtschaftung, die im Freilichtmuseum zum Beispiel durch den Einsatz von Holzrückepferden demonstriert wird, will die 32-jährige Försterin auch andere Projekte, die noch unter der Leitung ihres Vorgängers entwickelt wurden, fortführen. „Das ist in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich von freien Referenten hier im Museum übernommen worden, und diese Zusammenarbeit möchte ich gerne weiterführen“, so Bomers.
Darüber hinaus plant sie auch neue, zielgruppenorientierte Angebote für alle Altersgruppen, zum Beispiel verschiedene Teambuilding-Maßnahmen. „Außerdem werde ich nicht nur hier im Museum tätig sein, sondern auch aktiv Schulen und andere Kooperationspartner in der Umgebung besuchen“, kündigte die Försterin an.
„Jahrmarkt anno dazumal“ mit mehr als 41.000 Gästen
Eine positive Bilanz des diesjährigen Jahrmarkts anno dazumal hat Museumsleiter Dr. Carsten Vorwig gezogen. „Insgesamt konnten wir an den Veranstaltungstagen rund um Ostern wieder etwas mehr als 41.000 Gäste hier im Museum begrüßen.“
Der am stärksten besuchte Tag sei erneut der Ostermontag gewesen, diesmal mit mehr als 7000 Gästen, so Vorwig weiter. Nicht so gut wie erhofft sei hingegen der Familientag am Gründonnerstag angenommen worden. „Was aber sicher am Wetter gelegen hat, das an diesem Tag nicht so gut war.“ Man wolle jedoch auch beim Jahrmarkt im kommenden Jahr an diesem Tag mit vergünstigten Preisen festhalten, kündigte der Museumsleiter an.
Gut angekommen bei den Besuchern sei auch das neue Platzkonzept am „Marktplatz Rheinland“: „Da hat es viele positive Rückmeldungen gegeben, was mich und das gesamte Museumsteam sehr gefreut hat“, so Vorwig.

