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FreilichtmuseumDer Walporzerheimer Bahnhof bekommt in Kommern auch ein Gleis

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Die bunten kleinen Autos stehen in einer Reihe, Daniel Manner und Carsten Vorwig stehen hinten und halten sich an der Stange des Stromabnehmers fest,  Anne Carl und Margarethe Becker sitzen in zwei Scootern.

Spaß im alten Autoscooter hatten Daniel Manner, Carsten Vorwig (hinten, v.l.) , Margarethe Becker und Anne Carl.

Ein Gleis samt Waggon soll das Ensemble des Walporzheimer Bahnhofs vervollständigen. Und das ist nur eine der guten Nachrichten aus dem Kommerner Freilichtmuseum. 

Es gab gleich mehrere gute Nachrichten zu verkünden in der Gaststätte Watteler. Wie Dr. Carsten Vorwig, Leiter des Freilichtmuseums des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), berichtete, steht die Finanzierung für alle Großfinanzierungen in diesem Jahr. Und: Die Ausstellungspavillons werden saniert. Seit Jahren störten dort Gerüste das Bild. In den Außenbindern der Gebäude war ein Pilz festgestellt worden, der das Holz zersetzt. Die Bauweise sei heute ohnehin nicht mehr erlaubt, so Vorwig: „Jetzt sieht man, warum.“

Die dritte erfreuliche Nachricht war dann, dass Dr. Jürgen Wegner, langjähriger Vorsitzender des Fördervereins des Museums, mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet wird. Am 8. Juni findet die Ehrung im Museum statt. Mit der Stadt Mechernich sei eine Lösung in der Frage der Kommerner Gerichtssäule gefunden worden, sagte Vorwig. Das Original steht im Museum und wird dort auch bleiben. Steinmetzin Ulrike Glaubitz fertigt nun eine Kopie, die Stadt trägt die Materialkosten.

Das Dach des alten Bahnhofs ist mit Schiefer und Ziegeln gedeckt

Am 21. Juni wird Richtfest am Walporzheimer Bahnhof gefeiert, kündigte die Bauhistorikerin Anne Carl an. Bis dahin ist das Dach allerdings bereits gedeckt – auf der einen Seite mit Schiefer, auf der anderen mit Ziegeln.

Das alte Bahnhofshäuschen steht schon auf seinem Sockel, umgeben vor Gerüsten und einem Kran.

Der alte Walporzheimer Bahnhof ist nach Kommern umgezogen. Er bekommt auch noch Gleise und einen Bahnwaggon.

Auf einem Tisch liegt ein Fernrohr, im Hintergrund stehen Schalen mit Teilen.

Das Teleskop aus Hilden ist in Jena restauriert worden. Jetzt wartet es darauf, wieder in die kleine Sternwarte zu ziehen.

Beide Materialien sind authentisch für das Gebäude: In den 50er Jahren war es mit Schiefer eingedeckt, 2023, als es abgebaut wurde und umzog nach Kommern, mit Ziegeln. Auch um die Gestaltung des Geländes um den Bahnhof gibt es Pläne. Er soll nicht nur ein Stück Gleis bekommen, sondern darauf soll auch ein Waggon stehen. Man hat schon einen bestimmten im Blick, der Plätze der ersten, zweiten und dritten Klasse geboten hat. Bis der Innenausbau fertig ist, wird es aber wohl nächstes Jahr.

Eine Attraktion wird sicher die Sternwarte aus Hilden, die nahe der des Mannesmannhauses aufgestellt werden soll. Das Teleskop ist in Jena restauriert worden. „Erstaunlich, was man aus einem alten verrosteten Ding machen kann“, sagt Anne Carl. Das kleine, 15-eckige Gebäude der Sternwarte wird noch in Schuss gebracht.

Erstaunlich, was man aus einem alten verrosteten Ding machen kann.
Anne Carl

Ein Glücksfall für das Museum war, dass es das Inventar eines Hauses übernehmen konnte, das der Bad Münstereifeler Brauerfamilie Hendrichs gehört hatte. Damit wird nun das Mannesmann-Haus eingerichtet, um so zu zeigen, wie das Wirtschaftsbürgertum gelebt hat. Ab Mitte kommenden Jahres sollen beide Etagen der Öffentlichkeit zugänglich sein. Auch der Garten der Villa wird behutsam umgestaltet, wie die Diplom-Ökologin Margarethe Becker erklärte. Der prächtige Rhododendron bleibe, doch ansonsten solle der Garten etwas mehr „Glanz und Glorie“ bekommen.

Bei neuen Pflanzungen müsse man dem Klimawandel Rechnung tragen und überlegen, ob man die Original-Arten wähle oder resistentere, die den gleichen Eindruck vermittelten. Durch eine Kooperation mit dem Landesbetrieb Wald und Holz rückt der Baumbestand auf dem Museumsgelände stärker in den Fokus . Auch Becker hatte erfreuliche Nachrichten. Denn das Museum hat nicht nur Zuwachs an Ausstellungsstücken, sondern auch an Tieren.

Das Kükenprojekt ist neu gestartet, der Brutautomat läuft. Zumindest die kleinen Hühner – Rheinländer und Bergische Schlotterkämme – sollten an Ostern geschlüpft sein. Die Coburger Füchse haben sechs Lämmer bekommen, bei den Ziegen hat es einmal Zwillinge und einmal sogar Drillinge gegeben. Und das Bullenkalb der Glanrinder hat sogar schon einen Namen: Es heißt Yannick. Dass nicht nur alte Haustierrassen, sondern auch andere Tiere im Museum gedeihen, dazu sollen die 30 Fledermauskästen beitragen, die aufgehängt wurden.


Historischer Jahrmarkt und Tag der Ernte

Der historische Jahrmarkt ist traditionell die erste große Veranstaltung des Jahres im Freilichtmuseum. Von Dienstag, 31. März, bis Sonntag, 12. April, können die Besucherinnen und Besucher erleben, wie sich die Menschen in vergangenen Zeiten auf dem Rummel amüsiert haben. An Karfreitag bleibt der Jahrmarkt geschlossen, das Museum ist aber geöffnet und bietet Ostereierfärben an.

Am Donnerstag, 2. April, ist Familientag. Erwachsene müssen den Veranstaltungsaufschlag von zwei Euro an diesem Tag nicht bezahlen. Auch viele der Schausteller bieten Rabatte, um Familien mit Kindern das Vergnügen zu ermöglichen. Bekannt und beliebt sind beispielsweise das Riesenrad, der Schwanenflieger und die Geisterbahn. Die Raupenbahn, die letzte ihrer Art, wird jetzt 100 Jahre alt. Eine neue Attraktion ist ein Holzpfostenautoscooter – auch wenn er vor Jahren schon mal in Kommern zu Gast war.

Im August steht wieder die Zeitblende auf dem Programm, die diesmal in das Jahr 1976 entführt – wie immer mit einem Oldtimerkorso und dem historischen Campingplatz. Zwei Coverbands werden mit Musik von Queen und Boney M. das Lebensgefühl der 70er-Jahre wieder aufleben lassen.

„Nach der Ernte“ heißt es dann im Oktober. Dabei stehen die alten Techniken im Vordergrund. Die Besucher erfahren nicht nur, wie früher gemäht und gedroschen wurde, sondern auch, wie Getreide und Früchte verarbeitet und haltbar gemacht wurden. Dazu passend gibt es auch den Tag des Apfels.