Die Führungen im Sternenpark erfreuen sich kontinuierlich wachsender Beliebtheit. 23 weitere Guides sind nun ausgebildet worden.
SternenparkAus der Eifeler Nacht in die unendlichen Weiten des Himmels eintauchen

Pionier der Sternenbeobachtungen in der Eifel ist Harald Bardenhagen, der auch selbst Führungen anbietet. Auch bei der Ausbildung der neuen Sternen-Guides war der Astronom maßgeblich beteiligt.
Copyright: Archivbild/Jennifer Seidel
Der Blick in den Nachthimmel fasziniert die Menschen wie eh und je. Seit Jahrtausenden sind die Sterne ein treuer Begleiter der Menschheit und bieten genug Rätsel, um Generationen von Astronomen anzutreiben, sie zu enthüllen. Doch nur wenige Orte in Deutschland sind tatsächlich nachts dunkel genug, damit die Sterne gut beobachtet werden können. Die Eifel ist einer dieser Orte, an denen man in die Tiefen des Universums schauen kann. Daher ist die Region auch ein von der Dark Sky Association ausgewiesener Sternenpark.
Um so spannender ist es, dass durch die mittlerweile in der Region eingerichteten Beobachtungsorte, die so genannten Sternenblicke, auch das Interesse deutlich gestiegen ist, mehr über die Nacht, die Sterne und den Himmel zu erfahren. Dieses Wissen vermitteln die ausgebildeten Sternen-Guides.
Die Guides können nun Interessenten für den Sternenhimmel begeistern
Bei einem zweiten Ausbildungsgang haben nun 23 weitere Sternen-Guides ihre Zertifikate erlangt. Für die neuen Sternen-Guides endet damit eine Ausbildung, in der sie nicht nur die Befähigung erhalten, Menschen für den Sternenhimmel zu begeistern, sondern auch selbst eine ganz neue Faszination erfahren, wie Michael Lammertz, Leiter des Nationalparks Eifel, berichtet. Er selbst hatte 2021 eigentlich nur die fleißigen Schüler begrüßen wollen, als sich die ersten 30 Aspiranten mit dem Kölner Astronomen Harald Bardenhagen, dem Pionier der Himmelsbeobachtung in der Eifel, mitten in der Corona-Zeit zur Ausbildung per Video-Konferenz trafen. Doch dann sei es ganz anders gekommen: „Herrn Bardenhagen zuzuhören, war für mich mal wieder so interessant, dass ich den Samstag mitgemacht habe, und auch noch den gesamten Sonntag.“
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Die Arbeits- und Ausbildungsmaterialien lassen die Vielfalt und Komplexität des Themas erahnen.
Copyright: Stephan Everling

Die neuen Sternen-Guides erhielten im Naturzentrum in Nettersheim ihre Zertifikate.
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Das, so Lammertz, habe ihn schließlich veranlasst, sich auf den letzten Drücker noch für den Ausbildungsgang zu bewerben. „Ich habe jeden Abend mit dem riesigen Astronomie-Buch im Bett gelegen und die Inhalte verschlungen. In dieser Zeit habe ich wenig Schlaf abbekommen“, erzählte er. Die Ausbildung sei durchaus anspruchsvoll gewesen: Eine Hausarbeit sowie eine Prüfung mit theoretischem und praktischem Teil seien obligatorisch gewesen.
Die SternenGuides sind ein wichtiger Bestandteil des International Dark Sky Parks, eine Auszeichnung, die der Nationalpark Eifel 2014 erhalten hatte. Doch Lammertz bekennt auch, dass er und die anderen Verantwortlichen damals nicht so richtig glücklich gewesen seien: „Meine große Sorge war immer, dass Menschenmassen nachts ungelenkt durch den Nationalpark laufen und dort Schaden anrichten.“ Denn der Nationalpark sei, da er überwiegend aus Wald besteht, doch gar nicht so besonders gut zur Sternenbeobachtung geeignet.
Sternenpark passt zur touristischen Ausrichtung des Kreises
So wurde der Plan gefasst, Beobachtungsmöglichkeiten in der Umgebung des Nationalparks, dem Naturpark Nordeifel, zu schaffen. 2019 wurde das Projekt „Unterm Sternenzelt – Eifel bei Nacht“ gestartet, bei dem zehn SternenBlicke eingerichtet wurden, an denen der Nachthimmel gut beobachtet werden kann. Das sollte sich als eine Win-win-Situation herausstellen, wie Lammertz betonte: „Der Nationalpark bietet die Popularität, und im Naturpark erfolgt die Erlebbarmachung und Inwertsetzung.“
Ich habe jeden Abend mit dem riesigen Astronomie-Buch im Bett gelegen und die Inhalte verschlungen. In dieser Zeit habe ich wenig Schlaf abbekommen.
Durchaus mit Erfolg, wie Peter Gieseler deutlich machte, der beim Naturpark das Projekt betreut. Rund 40 offene Führungen seien seit 2022 pro Jahr angeboten worden. Bedeutsamer sei allerdings das wachsende Interesse an Buchungen von geschlossenen Gruppen. „Für uns war vor allem der Zuwachs bei den Anfragen für Gruppenführungen wichtig“, führte er aus.
Diese seien von 60 im Jahr 2023 auf 80 in 2024 und schließlich auf über 90 im vergangenen Jahr angestiegen. „Letztendlich konnten davon mehr als 50 Prozent aus Wettergründen realisiert werden“, so Gieseler. Da von den 30 SternenGuides, die beim ersten Lehrgang 2021 ausgebildet worden seien, inzwischen nur noch 15 aktiv sind, sei es aufgrund der Nachfrage notwendig geworden, weitere Führer auszubilden.
„Das war ein toller Lehrgang. Wir waren ein vielfältiger Haufen“, sagte Dr. Gertrud Hein, die für die Natur- und Umweltschutzakademie gemeinsam mit Norbert Blumenroth die Ausbildung realisierte. 38 Bewerbungen hatte es für die Ausbildung gegeben, von denen letztlich 23 Kandidaten angenommen und zu SternenGuides ausgebildet wurden.
Der Sternenpark mitsamt den Angeboten passt zur touristischen Ausrichtung des Kreises. „Wir wollen ein nachhaltiges Reiseziel sein“, betonte Landrat Markus Ramers bei der Zertifikatsverleihung. Deshalb müsse das natürliche Nachterlebnis ernstgenommen und an der Lichtverschmutzung gearbeitet werden: „Das ist auch eine Frage von Natur- und Artenschutz.“ Er selbst habe mal bei einer Autofahrt Polarlichter gesehen, angehalten und das Schauspiel eine halbe Stunde beobachtet. Und auch er kann sich der Faszination Himmel nicht entziehen. „Vielleicht bin ich ja beim nächsten Kurs dabei“, mutmaßte Ramers.


