Schausteller, Akrobaten und Artisten treffen sich in Kommern wieder zur großen Museums-Kirmes. Sorgen bereitet die Wettervorhersage.
Freilichtmuseum KommernHistorischer Jahrmarkt stößt langsam an seine Grenzen

Die Jahrmarkts-Arena wechselt ihren Standort und wird von der Baugruppe Westerwald auf den Marktplatz Rheinland verlegt.
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Es ist die zuschauerträchtigste Veranstaltung im Jahresprogramm des Kommerner Freilichtmuseums: Wenn das Wetter mitspielt, werden an den zwölf Veranstaltungstagen des Jahrmarkts anno dazumal auch in diesem Jahr wieder mehrere 10.000 Besucherinnen und Besucher aus dem gesamten Rheinland zur historischen Kirmes auf dem Museumsgelände erwartet.
Doch weil der Jahrmarkt stets in den Osterferien stattfindet – und Ostern in diesem sowie auch im kommenden Jahr – auf einen frühen Termin fällt, könnte der Einfluss des Wetters auf die Besucherzahlen größer als sonst ausfallen, befürchtet Museumsleiter Dr. Carsten Vorwig. Auch die nach aktuellem Stand eher durchwachsenen Wetteraussichten für die Karwoche dürften daher nicht unbedingt zur Entspannung im Planungsteam um Veranstaltungschef Daniel Manner beitragen.
Jahrmarkts-Arena wandert auf den Marktplatz Rheinland
Doch wie dem auch sei: Besucherinnen und Besucher dürfen sich trotzdem ab Dienstag, 31. März, in Kommern auf einen Streifzug durch die Geschichte des Volksvergnügens freuen: vom Jahrmarkt der Kaiserzeit in der Baugruppe Westerwald über Attraktionen der Goldenen Zwanziger bis hin zum Rummelplatz der Wirtschaftswunderzeit in der Baugruppe Marktplatz Rheinland.
„Die Jahrmarkts-Arena, die im vergangenen Jahr ihren Platz in der Baugruppe Westerwald hatte, wird in diesem Jahr auf dem Marktplatz Rheinland, gegenüber der Gaststätte Watteler, aufgebaut“, berichtet Manner: „Das haben wir in Absprache mit den Betreibern der dortigen Fahrgeschäfte entschieden.“
Im Gegensatz zum Vorjahr wird während des Jahrmarkts auch die Gaststätte Watteler geöffnet sein. „Auch das ist ein Ergebnis des letztjährigen Jahrmarkts, denn damals kam der Kontakt zur neuen Pächterin zustande, die als Schaustellerin in Kommern zu Gast war und vom Leerstand der Kneipe erfahren hatte“, so Manner weiter.
Ein historischer Auto-Scooter im Freilichtmuseum Kommern
Zu den besonderen Highlights auf dem Marktplatz Rheinland zählen das Riesenrad, die letzte noch in dieser Form erhaltene Raupenbahn, der Schwanenflieger aus den 1920er-Jahren sowie Deutschlands älteste noch reisende Geisterbahn, der „Geister-Express“ aus dem Jahr 1949. „Ein weiteres Highlight ist der historische Auto-Scooter“, berichtet der Veranstaltungsmanager des Museums. „Der Selbstfahrer“ ist erstmals seit längerer Pause wieder zu Gast auf dem historischen Jahrmarkt im Freilichtmuseum auf dem Kahlenbusch.
„Obwohl wir relativ viel Platz für die Fahrgeschäfte haben, stoßen wir langsam an unsere Grenzen – auch, was den Strombedarf dieser Attraktionen angeht“, so Manner. Es sei aber sichergestellt, dass in Kommern nicht die Sicherungen herausspringen, wenn Geisterbahn, Auto-Scooter und Raupenbahn auf dem Kahlenbusch ihren Betrieb aufnehmen.
Rassismus ist auf historischem Jahrmarkt auch ein Thema
Ergänzend zu den Attraktionen ist eine Outdoor-Ausstellung zum Thema „Jahrmarkt“ zu sehen. Dabei werden die Jahrmarkt-Attraktionen vergangener Zeiten, die es heute nicht mehr gibt, aus wissenschaftlicher Sicht erklärt und eingeordnet. Auch auf das Thema „Rassismus“ wird dabei eingegangen, denn während der Kolonialzeit wurden auf vielen Jahrmärkten Menschen aus fremden Ländern in sogenannten Exotenschauen präsentiert.
Auch der Flohzirkus von 1948 und die „Paradox Sideshow“ gastieren erneut im Museum. Die Varieté-Schau wechselt in diesem Jahr zu einem altbekannten Programm: Das „Gorilla-Mädchen“ steht dabei im Mittelpunkt. Vorführungen, historische Geschicklichkeitsspiele und Illusionsdarbietungen laden zusätzlich zum Staunen ein.
In diesem Jahr hat das Museumsteam eine neue Spielbude nach historischem Vorbild hergestellt. Große und kleine Jahrmarktsgäste können beim „Fadenziehen“ ihr Glück versuchen. „Diese Bude ist nach den Rechercheergebnissen unserer Forscher von den Handwerkern aufgebaut worden. Daher freuen wir uns besonders auf diese Premiere“, sagte Manner. Zum Jahrmarkt gehört außerdem ein attraktives Showprogramm. Das Publikum darf sich auf Artistik und Komik freuen: Das „Duo Balkanica“ bringt eine mitreißende Mischung aus Akrobatik und Slapstick auf die Bühne.
Reduzierte Preise beim Familientag beim Jahrmarkt anno dazumal
Ein besonderer Programmpunkt ist der Familientag am Donnerstag vor Karfreitag: An diesem Tag entfällt der Veranstaltungszuschlag, zudem gelten reduzierte Preise an Fahrgeschäften und Ständen. An den anderen Veranstaltungstagen wird für Erwachsene ein veranstaltungsbezogener Aufschlag in Höhe von zwei Euro erhoben. Mitglieder des Fördervereins des Freilichtmuseums sowie Bürger der Stadt Mechernich sind von diesem Zuschlag ausgenommen. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist der Eintritt frei.
Die Linie 773 fährt an den Veranstaltungstagen nicht als Linienbus, sondern nur nach Anruf als TaxiBusPlus. Eine vorherige telefonische Anmeldung ist erforderlich über die RVK-Servicenummer 0221/1637-1990. Wer mit Bus oder Bahn anreist, kann das Museum nach Vorlage des Tickets an der Kasse vergünstigt besuchen. Am Karfreitag bleibt der Jahrmarkt geschlossen. Das Museum ist an diesem Tag jedoch geöffnet und lädt Kinder zum traditionellen Ostereierfärben ein.

