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WolltagDas Freilichtmuseum Kommern zeigt den Weg vom Schaf zur Kleidung

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Bei einer Vorfürung im Freilichtmuseum Kommern präsentieren zwei Männer und eine Frau ein Schaf vor und eines nach der Schur.

Zahlreiche Schafe wurden von den Museumsmitarbeitern von ihrer dicken Winterwolle befreit.

Der Wolltag im Kommerner Freilichtmuseum bot den Besuchern spannende Einblicke in die Arbeitswelt anno dazumal.

Die Arbeit mit Schafen war für Jan-Paul Kalka bei seinem Besuch im LVR-Freilichtmuseum Kommern zwar keine gänzlich neue Erfahrung. Selbst eines geschoren hatte er jedoch bis dahin noch nicht. „Mein Vater hat früher auch Schafe gehalten, und da habe ich ihm häufiger geholfen. Darum war es heute nur eine logische Konsequenz, dass ich auch das Scheren einmal ausprobiere“, berichtete der Rheinbacher lachend. Doch mal eben so funktioniert das dann doch nicht: „Zum Glück hatte ich hier einen guten Lehrer, der mir in jeder Situation gesagt hat, wo ich am besten ansetze, sonst wäre das Ganze wahrscheinlich nicht so einfach gewesen.“

Da auch der vierbeinige Pelzträger die Prozedur mit stoischem Blick relativ gelassen über sich ergehen ließ, konnte Jan-Paul Kalka schon nach wenigen Minuten eine beachtliche Ausbeute präsentieren, die die umstehenden Zuschauer in Staunen versetzte. „Auf jeden Fall war das eine spannende Erfahrung, mit der ich im Vorfeld nicht gerechnet hätte.“

Museumsteam aus Kommern zeigte die Details der Wollverarbeitung

Obwohl die Schafe, die zuweilen mit lautstarkem Blöken den Verlust ihres wärmenden Wintermantels kommentierten, die Blicke insbesondere der kleineren Museumsbesucher immer wieder auf sich lenkten, hielt der Tag der Wolle viele weitere Aktionen für die Gäste bereit. Von der anschließenden Wäsche in kaltem Wasser über die Trocknung, die je nach Witterung mehrere Tage in Anspruch nehmen kann, bis zur Verarbeitung zur Textilware präsentierte die Museumscrew jeden einzelnen Arbeitsschritt, der in früheren Zeiten zu verrichten war, bis aus der geschorenen Wolle ein neues Kleidungsstück entstanden war. Dabei galt es, bei jedem Abschnitt bestimmte Details zu beachten.

Im Freilichtmuseum zeigt Annette Meylahn das Waschen der Schafwolle in kaltem Wasser.

Gewaschen wurde die Wolle von Annette Meylahn in kaltem Wasser.

Frederike Meylahn-Platz präsentiert Kräuter, die zum Färben der Wolle verwendet werden können.

Gefärbt wurde die Wolle ursprünglich mit Pflanzen und Wurzeln, wie Frederike Meylahn-Platz in ihrem Kräutergarten erklärte.

„Bei der Wäsche wollen wir das Fett in der Wolle behalten, da dies auch die Arbeit am Spinnrad deutlich angenehmer macht, wenn die Wolle durch die von der Gartenarbeit schon rauen Hände gleitet“, erklärte Annette Meylahn. Beim Trocknen ist der Blick gen Himmel entscheidend: Sowohl Regen als auch direkte Sonneneinstrahlung sind nicht gut, da Letztere die Fasern zerstören kann: „Da wurde dann schon mal eine komplette Scheune als Trockenlager gebraucht.“

Die Verarbeitung wurde nicht nur vorgeführt, stattdessen durften die Gäste an vielen Stationen auch selbst aktiv werden. Gemeinsam mit ihrer Enkelin übte sich Claudia Haubrich etwa in Geduld bei dem Versuch, eine Handvoll Wolle in ein kleines Filzbällchen zu verwandeln. „Das Ganze fühlt sich erst ein wenig an wie ein Hackbällchen, das mit sanften Bewegungen und dann mit immer mehr Druck zu einer festen Kugel wird“, befand sie. Eine gute Stunde sei man mit dem Filzen beschäftigt, und in dieser Zeit sei ihr bereits eine Idee in den Sinn gekommen, das alte Handwerk auch zu Hause auszuüben. „Jetzt im Sommer verliert meine Katze unglaublich viele Haare. Vielleicht versuche ich auch mal ein Katzenvlies herzustellen“, so Haubrich lachend.

Zum Färben kamen früher nur Pflanzen und Wurzeln zum Einsatz

Mit einfachen Mitteln, die in früherer Zeit zur Verfügung standen, nahm die Wolle auf ihrem Weg zur Textilware immer mehr Gestalt an. „Künstliche Farben gab es früher nicht, darum hat man auf natürliche Rohstoffe wie Pflanzen und deren Wurzeln zurückgegriffen“, erklärte Frederike Meylahn-Platz.

Auf 70 bis 80 Grad in einem Kochtopf erhitzt, nehme die Wolle nach einiger Zeit unter Zugabe von Krappwurzeln eine orangene Färbung an. Von einem tiefen Violett bis zu einem schimmernden Gold-Gelb sei mit natürlichen Färbemitteln alles möglich: „Bei einigen Pflanzen muss die Temperatur sehr genau eingehalten werden, da schon mit ein wenig mehr Hitze ein anderer Farbton entsteht.“ Einen fertigen Pullover konnten die Besucher am Tag der Wolle zwar nicht mit nach Hause nehmen, dafür aber viel Wissenswertes über den Aufwand, den ein einzelnes Kleidungsstück mit sich bringt.