Wie mühsam die große Wäsche früher war, konnten die Besucher im Freilichtmuseum Kommern nicht nur erfahren, sondern auch erleben.
Mit Bürste und WaschbrettFreilichtmuseum Kommern zeigt die harte Arbeit beim Waschtag

Die mühsame Arbeit am Waschbrett konnte auch Besucherin Birgit Herbst (r.) kennenlernen, hier mit Museumsmitarbeiterin Barbara Linz.
Copyright: Cedric Arndt
Wenn heutzutage Krümel vom Essen oder Tropfen des zum Filmabend genossenen Kaltgetränks auf die Kleidung geraten, sind die Spuren in den meisten Fällen schnell beseitigt. Ein Durchlauf in der Waschmaschine, und nach einer ebenso kurzen Zeit im Trockner kann der liebgewonnene Pullover wieder übergestreift werden.
Dies ist jedoch nur den technischen Errungenschaften der Moderne zu verdanken und gestaltete sich bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts noch völlig anders. Vor der Erfindung elektrischer Maschinen mussten die ersten Vorläufermodelle noch mühsam per Hand angekurbelt werden, und auch die Vorbereitungen für den Waschtag hielten die Beteiligten häufig eine halbe Woche in Atem.
Im Winter wurde keine Wäsche gewaschen
Wie die einzelnen Schritte zurück zu strahlend weißer Kleidung für die ganze Familie früher aussahen, präsentierten die Mitarbeiterinnen des LVR-Freilichtmuseums Kommern am Wochenende bei ihrem Aktionstag „Große Wäsche“. Vorführungen und Info-TafelnBereits die Häufigkeit, mit der die Waschtage eingeläutet wurden, machte deutlich, welch enormer Arbeitsaufwand mit ihnen verbunden war.
„Wenn ein Haushalt ausreichend Kleidung besaß, kam es oft vor, dass diese nur drei Mal im Jahr gereinigt wurde. In den Wintermonaten wurde aber immer ausgesetzt, da es kaum eine Möglichkeit gab, nasse Wäsche zu dieser Jahreszeit zu trocknen“, erklärte Museumsmitarbeiterin Annette Meylahn.

Das Auswringen der Kleidung verlangte vollen Körpereinsatz.
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Vor der Erfindung von Seife diente meist Asche als Reinigungsmittel.
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Zu arbeitsintensiv sei der Prozess gewesen, der schon mit dem Einweichen der Stoffe begann. Buchenholzasche, die damals noch als eine Art Waschpulver-Ersatz diente, wurde zu der Wäsche gegeben und am Vortag mit kochendem Wasser übergossen.
Bei der Arbeit mit Bürste und Waschbrett kommt man ins Schwitzen
„Dieser Vorgang wurde bis zu 25-mal wiederholt, bevor überhaupt mit dem eigentlichen Waschgang begonnen werden konnte“, so Meyla. Von den darauffolgenden ermüdenden Arbeitsschritte konnten sich die Museumsgäste nicht nur anhand von Vorführungen und zahlreichen Infotafeln ein Bild machen, sondern auch bei einem Selbstversuch.
„Ich komme jetzt schon richtig ins Schwitzen und sehe immer noch Flecken“, kommentierte Birgit Herbst lachend, während sie erste Erfahrungen mit Bürste und Waschbrett sammelte. „Meine Mutter hatte neun Geschwister, und es ist wirklich irre, was das für ein Zeitaufwand war, für alle saubere Kleidung zu haben.“
Die Kleidung wurde in der Sonne gebleicht
Dass sie selbst mittlerweile auf elektrische Hilfsmittel bei der Reinigung zurückgreifen könne, sei für sie ein großes Geschenk. Ein Geschenk, dass auch Lena nach ihrem Besuch im Freilichtmuseum noch deutlich mehr zu schätzen wisse, stimmte die 17-jährige zu. „Das alles mal zu sehen ist schon spannend, aber zu Hause stecke ich doch lieber alles in die Maschine.“
Vom „Weichklopfen“ der Wäsche, um die Fasern des Stoffes zu lockern und somit im nächsten Schritt den Schmutz leichter lösen zu können, bis zum Bleichen der Kleidung in der Sonne konnten die Besucherinnen und Besucher jeden Handgriff des seinerzeit tagelangen Prozesses miterleben.
Man konnte die Wäsche nicht einfach in die Sonne legen und warten, bis alles trocken war.
Während schon das Auswringen der nassen Kleidungsstücke vollen Körpereinsatz abverlangte, hielten andere Stationen das eine oder andere überraschende Detail bereit. „Man konnte die Wäsche nicht einfach in die Sonne legen und warten, bis alles trocken war“, betonte Annette Meylahn beispielsweise. „Dabei hätten sich auch die letzten noch verbliebenen Flecken in den Stoff gebrannt.“
Aus diesem Grund musste die Kleidung ständig feucht gehalten werden. „Der Sauerstoff, den die Wäsche von der Wiese aufnahm, auf der sie ausgebreitet lag, und die Sonnenstrahlen selbst haben dann für das strahlende Weiß gesorgt. Das war das Aushängeschild einer jeden Hausfrau.“
Den Stolz, den die fleißigen Waschfrauen auf ihre weiße Wäsche empfanden, konnten die Museumsbesucher beim Aktionstag „Große Wäsche“ dank der vielen Mitmachaktionen noch besser nachvollziehen – und vielen wurde dabei auch der Wert technischer Errungenschaften deutlich vor Augen geführt.
