Statt Geschenken hatte sich Gerd Scheidweiler aus Köln Spenden fürs Freilichtmuseum Kommern gewünscht. Dort startet ein neues Großprojekt.
FreilichtmuseumNeue Stele informiert über das Haus aus Hanf in Kommern, 50 sollen folgen

Eine neue Stele wurde vor dem Haus aus Hanf aufgestellt: Patrick Marx (v.l.), Geschäftsführer des Fördervereins, Stifter Gerd Scheidweiler, seine Frau Barbara und Museumsleiter Dr. Carsten Vorwig freuten sich.
Copyright: Patrik Reinartz
Der Hof aus Hanf, einem Ort im Westerwald, stammt aus dem Jahr 1688. Es handelt sich um einen kleinbäuerlichen Streckhof, der bis zum Ende des 19. Jahrhunderts im Besitz der Familie Sollbach war. Die landwirtschaftliche Nutzung endete 1896, dann zogen Hilfsarbeiter ein, die in den umliegenden Steinbrüchen und Fabriken tätig waren. 1953 verließen die letzten Bewohner endgültig den Hof.
All dies kann man nachlesen auf einer neuen Stele vor dem Gebäude, das sich heute in der Baugruppe Westerwald im Freilichtmuseum Kommern befindet. Dass die Informationstafel dort aufgestellt werden konnte, ist Gerd Scheidweiler zu verdanken. Er ist gebürtig aus Mechernich, wohnt in Köln und hatte sich zu seinem Geburtstag – „70+1“, wie der Jubilar berichtete – statt Geschenken Spenden fürs Freilichtmuseum gewünscht.
Dort fand man, vermittelt über den Förderverein, eine sinnvolle Verwendung für das Geld. Schließlich hatte man, wie Museumsleiter Dr. Carsten Vorwig erläuterte, gerade das Großprojekt „(H)aus alt mach neu“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, einen neuen, wissenschaftlichen Blick auf die Baugruppen des Museums zu werfen, neue moderne Ausstellungen in den Gebäuden zu schaffen und Hinweistafeln vor den Häusern aufzustellen.
Exponate zum Thema Geburt sind im Haus aus Hanf zu sehen
Im Haus aus Hanf etwa ist die Ausstellung schon erneuert worden – passend dazu, dass es sich auf dem Rundgang durchs Museums um das erste Haus in der Baugruppe Westerwald handelt, wird dort das Thema „Geburt“ behandelt. Die Exponate verdeutlichen, wie Kinder zu Beginn des 20. Jahrhundert zur Welt kamen, wie Hebammen arbeiteten und welche Hilfsmittel sie benutzten.
Dank der Spende von Gerd Scheidweiler konnte nun auch die Stele vor dem Haus aufgestellt werden. Zur Vorstellung war er mit seiner Frau Barbara auf den Kahlenbusch gekommen. „Ich habe hier in Kommern auch meinen Geburtstag gefeiert“, berichtete er. Im April besichtigte die Geburtstagsgesellschaft das Freilichtmuseum. Für die 50 Gäste wurden Führungen angeboten. Nun wurde noch eine Plakette an der Stele angebracht, die auf den Stifter hinweist.
Etwa 50 Infotafeln will das Museum aufstellen, Spender werden gesucht
Das Freilichtmuseum sucht nun Spender für weitere Stelen. 1500 Euro kostet ein Exemplar, wie Vorwig berichtete. „Das hat bei mir fast hingehauen, viel dazutun musste ich nicht“, so Scheidweiler.

Im Haus aus Hanf ist eine Aussstellung zum Thema Geburt eingerichtet worden.
Copyright: Patrik Reinartz
Rund 80 Gebäude stehen im Museum, doch nicht jedes soll eine eigene Hinweistafel erhalten. „Teilweise handelt es sich um Hofgruppen, da wird dann beispielsweise eine Stele für drei Häuser aufgestellt“, erläuterte Vorwig. Etwa 50 Info-Tafeln wolle man aufstellen; immer dann, wenn Spenden dies ermöglichen. Es gebe des Öfteren Anfragen von Interessenten, die das Freilichtmuseum unterstützen wollen; die Spende für eine Stele sei dazu eine gute Gelegenheit.
Neue Ausstellungen sind in 40 Häusern geplant
In rund 40 Häusern ist eine Erneuerung und Modernisierung der Ausstellung geplant. Das nächste Projekt teht schon vor der Tür: Für das Haus Mannesmann, eine alte Unternehmervilla in der Baugruppe Bergisches Land, ist ein neues Konzept erarbeitet worden. Wegen der Brandschutzvorschriften war das Obergeschoss des Gebäudes im Freilichtmuseum schon seit den 1980er-Jahren für Besucher nicht mehr zugänglich. Eine Novellierung des Gesetzes hat nun aber zu Erleichterungen geführt, insbesondere für Holzbauten.
Da trifft es sich gut, dass das Freilichtmuseum gerade den Nachlass einer Unternehmerfamilie aus Bad Münstereifel erhalten hat, wie Vorwig berichtete. Dabei handelt es sich unter anderem um Möbel aus der Zeit von Mitte des 18. Jahrhunderts bis zum frühen 20. Jahrhundert. Sie sollen künftig im Haus Mannesmann gezeigt werden, voraussichtlich ab Juni 2027.
Eichenprozessionsspinner an drei Bäumen im Freilichtmuseum
Es ist eine eher unerfreuliche Premiere im Kommerner Freilichtmuseum: Erstmals sind dort Bäume vom Eichenprozessionsspinner befallen – einem Nachtfalter, dessen Raupen mit ihren Brennhaaren bei Menschen allergische Reaktionen auslösen können, wenn sie damit in Kontakt kommen. Meldepflichtig ist ein Befall mit dem Eichenprozessionsspinner nicht.

Drei Bäume im Freilichtmuseum Kommern sind vom Eichenprozessionssspinner befallen.
Copyright: Patrik Reinartz
Drei Bäume sind im Freilichtmuseum davon betroffen. Große Auswirkungen auf die Besucher gibt es nicht, wie Museumsleiter Dr. Carsten Vorwig erläuterte. Alle Gebäude sind weiterhin frei zugänglich. In der Baugruppe Westerwald musste lediglich ein kurzer Abschnitt eines Weges mit einem Flatterband abgesperrt werden, um der Wegesicherungspflicht Genüge zu tun.
Das Museum will die Schädlinge von einer Spezialfirma absaugen lassen. „Es gibt auch andere Methoden, aber dann besteht die Gefahr, dass Reste von den Haaren übrig bleiben“, erläuterte der Museumsdirektor. Wie Vorwig weiter berichtete, wird das Museum in der Angelegenheit vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW beraten.

