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Interview

Fußball
Schiedsrichter Noah Straeten pfeift nun in der A-Jugend-Bundesliga

6 min
Schiedsrichter Noah Straeten vor den Fußballplatz.

Noah Straeten wollte schon als kleiner Junge Schiedsrichter werden und investiert heute viel Zeit in sein Hobby, das für ihn auch eine Schule des Lebens ist.

Der 23-jährige Noah Straeten  (TuS Homburg-Bröltal) ist einer der beiden  ranghöchsten Schiedsrichter im Fußballkreis Berg.

Noah Straeten (TuS Homburg-Bröltal) pfeift in der neuen Saison in der A-Jugend-Fußball-Bundesliga. Damit ist der   23-Jährige nach Nico Fuchs (DJK Düscheid) der ranghöchste Schiedsrichter im Fußballkreis Berg. Wie er bis dahin gekommen ist, wie er sich motiviert und mit Kritik umgeht und wie er auf die abgelaufene Weltmeisterschaft blickt, darüber sprach Andrea Knitter mit dem gebürtigen Waldbröler.

Beim Staffeltag des Fußballkreises Berg berichtete Bergs Schiedsrichterchef Cem Sayilgan, dass er nur acht Anrufe wegen des nicht gegebenen Tors von Jonathan Tah beim WM-Spiel gegen Paraguay bekommen habe. Die Entscheidungen der Schiedsrichter sind immer Thema. Wie haben Sie die Spiele der WM verfolgt?

Ich habe die Weltmeisterschaft aus der Perspektive des Schiedsrichters gesehen, teilweise wurden die Regeländerungen schon chaotisch gebeugt. Insgesamt finde ich die neuen Regeln aber super, weil es mehr Netto-Spielzeit gibt. Außerdem fand ich es interessant, wie unterschiedlich in Stil und Mentalität die Schiedsrichter von den unterschiedlichen Kontinenten gepfiffen haben.

Wie meinen Sie das?

Die südamerikanischen Schiedsrichter haben deutlich strenger gepfiffen, waren aber auch ein bisschen hektischer. Die europäischen Schiedsrichter traten ruhiger auf und machten deutlichere Ansagen.

Trotzdem sitzen die eigentlichen Schiedsrichter ja vorm Bildschirm und im Stadion. Ist es schwer mit heftiger, oft auch ungerechter Kritik umzugehen?

Wie werden in den Lehrgängen darauf vorbereitet. Und man spricht während des Spiels mit den Assistenten, die mir schon sagen, wenn sie was nicht richtig finden. Wir sind über Headsets miteinander verbunden und sie haben ein Mitspracherecht.   Man lernt, mit den Fehlern umzugehen und arbeitet sie in Gesprächen untereinander und per Video auf. Man darf sich nicht davon beeinflussen lassen, dass man am Ende des Tages der Buh-Mann ist, sondern muss sich sagen, nächste Woche ist schon das nächste Spiel.

Einen Videoschiedsrichter gibt es in den Klassen, in denen Sie pfeifen ja noch nicht.

Und das ist ganz gut so, wenn die Entscheidungen gefallen sind, sind sie gefallen. Wenn man Fehler macht, muss man sich   die auch eingestehen.

Wie gehen Sie mit den Diskussion, die es um das Spiel herum gibt um?

Natürlich bekommt man die Diskussionen mit, aber wenn ich pfeife bin ich wie im Tunnel. Man lernt mit den Jahren, einen Draht zu den Spielern zu finden. Ich bereite mich vor und beobachte sie beim Aufwärmen, lerne sie darüber hinaus einzuschätzen.

Was war die letzte große Diskussion, die Sie führen mussten?

Das war bei einem Jugendspiel in Essen kurz nach der Champions League-Partie zwischen Bayern München und Paris Saint Germain. Dort hatte der Schiedsrichter regelgerecht einen Handelfmeter nicht gegeben. Die identische Szene gab es in Essen und ich konnte sagen, habt Ihr nicht das Champions-League-Spiel gesehen? Ich hatte bisher Glück, denn ich habe noch keine richtig krassen Sachen erlebt.

Wie sind Sie Schiedsrichter geworden?

Das war im September 2017, da habe ich schon zehn Jahren beim TuS Homburg-Bröltal gespielt. Ich war 15 Jahre alt, als mein damaliger Trainer Thomas Engelberth fragte, wer Interesse habe, Schiedsrichter zu werden. Das hatte ich vorher schon, war da aber noch zu jung. Wir haben dann mit vier Spielern den Lehrgang besucht.

Was hat Sie schon so jung am Pfeifen gereizt?

Ich fand es cool, mich trotz des rauen Tons, der auf dem Platz herrscht, durchzusetzen und für Gerechtigkeit und Fairness auf dem Feld einzutreten. Da ich bei Zweikämpfen Probleme mit den Knien hatte, habe ich kurz darauf mit dem Fußballspielen aufgehört und mein Hobby als Schiedsrichter gefunden.

Wissen Sie noch, was das erste Spiel war, das Sie gepfiffen haben?

Es war ein B-Jugend-Spiel in Wildbergerhütte und es ging heiß her. Puh, das war schon anstrengend. Nick Herbig, der selber erst 18 Jahre alt war und heute zum Lehrstab des Fußballkreises gehört, war damals mein Pate. Nach drei Spielen unter Beobachtung war klar, dass ich weitermachen wollte. Es hat einfach Spaß gemacht. Ich bin schnell Assistent in der Bezirksliga und in der Landesliga geworden. Mit 17 Jahren habe ich mein erstes Herrenspiel gepfiffen.

Ging es weiter so rasant bei Ihnen nach oben?

Nein, es kam Corona und damit erstmal nichts. Ich war mit 16 Jahren in den Kreisförderkader gekommen. Ich habe noch an einem Sichtungsturnier für den Verbandsförderkader teilgenommen, doch kam dieser aufgrund von Corona nicht zustande.

Wie haben Sie gegen den Frust angekämpft?

Ich wollte fitter werden und bin mindestens fünf Tage die Woche laufen gegangen. Im Grunde genommen war ich so richtig angefixt, weil es mit Verbandsförderkader nicht geklappt hatte.

Hat sich der Einsatz ausgezahlt?

Durch Corona hatte ich Zeit verloren, habe anschließend aber direkt ein Bezirksligaspiel gepfiffen, ohne vorher in der Kreisliga A im Einsatz gewesen zu sein.

Hat das gleich gut geklappt?

Es war in Frielingsdorf, ich hatte lange nicht gepfiffen und es ging drunter und drüber. Die Spieler haben es mir auch nicht leicht gemacht. Unterm Strich würde ich sagen, dass ich dankbar für die Erfahrung bin. Die hat mir nach dem Abpfiff einen Abriss von Dennis Schräder aus dem Schiedsrichterausschuss eingebracht, der damals mein Beobachter war.

Woran hat es gelegen?

Ich war übervorbereitet und zu verkopft. Das funktioniert nicht.   Es hat mich aber motiviert. 2023 bin ich in den Perspektivkader des Fußballverbandes aufgestiegen, in dem ich heute noch bin. Dabei war der Start alles andere als gut.

Wieso?

Direkt am ersten Spieltag in der Bezirksliga habe ich mein bisher schlechtestes Spiel gepfiffen. Die Note war so schlecht, dass die Saison schon so gut wie gelaufen war. Das war ein enormer Rückschlag. Im Herbst hatte ich dann noch drei Spiele   unter Beobachtung, die besser gelaufen sind. Das stärkte meine Motivation, denn es ist nicht so einfach, unter Druck zu pfeifen. Ich habe die Winterpause zur Erholung genutzt und im letzten Saisonspiel die beste Benotung meiner Laufbahn bekommen. Das hätte fast noch zum Aufstieg gereicht.

Sie sind aber doch noch aufgestiegen.

Ich hatte in der Saison 2024/25 vier Beobachtungen in der Bezirksliga und bin zur Rückrunde in die Landesliga aufgestiegen. Am Ende der Rückrunde bin ich schon in die Mittelrheinliga   und in die DFB-Nachwuchsliga aufgestiegen.

Es lief so gut, dass ich in der Rückrunde das Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft der U17 zwischen Hoffenheim und Dortmund pfeifen durfte. Das Spiel wurde live im Fernsehen übertragen. Meine Familie und Freunde habe es alle verfolgt, ich habe anschließend Unmengen von Fotos bekommen, auf denen ich zu sehen war. Am Ende fehlten mir zwei Punkte zum Aufstieg in die Regionalliga.

Was macht für Sie das Schiedsrichtern aus?

Es ist, wie man es im Lehrgang gesagt       bekommt, eine Schule fürs Leben. Es sind immer wieder neue Situationen, man muss geistig und körperlich auf der Höhe sein. Jedes Spiel ist eine Herausforderung.   Alleine das Konfliktmanagement ist unersetzbar. Es bringt einen auch im Beruf weiter, weil es lehrt, selbstbewusst aufzutreten und mit den eigenen Leistungen zu werben.

Viel Freizeit bleibt Ihnen aber nicht, zumal Sie ja auch noch in der Ausbildung zum Steuerberater sind.

Das geht auch nur, weil meine Freundin, meine Familie und meine Freunde das mitmachen. Zeitlich ist es schon sehr aufwendig, auch wenn ich unter der Woche nicht so viele Spiele pfeife, trainieren muss ich ja trotzdem. Für mich ist es aber ein Ausgleich zum Beruf. Ich mache es gerne, es fühlt sich nicht nach Stress an und ist noch ein Hobby.

Wie viele Lehrgänge besuchen Sie im Jahr?

Es sind drei oder vier auf Verbandsebene, dazu kommen ebenso viele beim DFB. Und dafür nehme ich   Urlaubstage.

Sie pfeifen jetzt in der A-Jugend-Bundesliga. Was haben Sie sich zum Ziel gesetzt?

Als ich angefangen habe, wollte ich in der Regionalliga pfeifen. Das möchte ich immer noch und es wäre cool, wenn ich es schaffe. Das ist schon ein Privileg. Alles, was danach kommt, ist Bonus.