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JubiläumFeuerwehreinheit 61 in Kürten feiert 100-Jähriges

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Zu sehen ist das Fest einer Feuerwehreinheit mit einem Pfarrer, der gerade spricht.

Mit einem feierlichen Gottesdienst hat die Feier der Feuerwehreinheit 61 am Samstag begonnen.

Ein festlicher Gottesdienst, Lobesworte aus Politik und vom eigenen Einheitsführer und Mitmachaktionen umrahmten die Feier.

Wenn nachts die Sirenen durchs Bergische grollen, fährt den Menschen im Schlaf der Schreck in die Glieder. Sekunden später folgt die Erleichterung. Draußen werfen Männer und Frauen die Decken zurück, springen in die Stiefel, rennen los. Seit genau 100 Jahren tun sie das in der Einheit 61 in Kürten. Am Wochenende feierten sie dieses denkwürdige Jubiläum: ein Jahrhundert im Dienste am Nächsten.

Es begann mit einem feierlichen Gottesdienst am Samstag um 11 Uhr am Feuerwehrhaus. Pastor Harald Fischer spendete dem neuesten Stolz der Wehr den Segen: einem nagelneuen, im Sonnenlicht glänzenden Einsatzwagen.

Schwere Verkehrsunfälle gehören zum täglich Brot

Dass diese Technik bitternötig ist, weiß in Kürten jeder. Die Gemeinde ist weitläufig. Vor allem die B506 fordert die Retter immer wieder heraus. Auf der vielbefahrenen Bundesstraße kracht es regelmäßig. Schwere Verkehrsunfälle gehören zum harten Brot der 44 Aktiven.

Doch die Geschichte der Brandbekämpfer reicht tiefer als das offizielle Gründungsjahr 1924, wie die Festzeitschrift verrät. Die Wurzeln des organisierten Löschwesens im Ort liegen noch weiter zurück. Und diese Geschichte ist reich an Momenten, die sich eingebrannt haben.

Eine Mann steht, die Hand auf die Brust gelegt, vor einem Mikrofon und redet.

Der Einheitsführer der Löschgruppe Kürten, Karsten Jeuk, zeigte sich stolz auf seine Mannschaft bei seiner Rede.

19. Juni 1988: der schwere Unfall in Laudenberg, ein Einsatz an der absoluten Grenze der menschlichen Belastbarkeit. Vielen wurde danach klar, dass psychologische Stärke, blindes Vertrauen ins Team und der würdevolle Umgang mit den Opfern den Kern des Ehrenamtes bilden.

Dann das Jahrhunderthochwasser: Als die Kürtener begriffen, dass es das Ahrtal noch ungleich härter getroffen hatte, fackelten sie nicht lange. Kameraden meldeten sich mitten im eigenen Chaos ab, um im Katastrophengebiet an vorderster Front zu helfen.

Seit 100 Jahren Menschen, die Verantwortung übernehmen

Am Feuerwehrhaus an der Bergstraße wurde am Samstag und Sonntag sichtbar, was die Wehr im Kern zusammenhält: der Mensch. Gemeindebrandinspektor Stefan Landwehr spannte den Bogen vom Erbe zur Zukunft und dankte vor allem der Jugendwehr, die schon eifrig die Stationen besetzte. „Fahrzeuge werden ersetzt, Technik entwickelt sich weiter“, rief er den Gästen zu, „aber das Wichtigste bleibt seit 100 Jahren dasselbe: Menschen, die bereit sind, Verantwortung für andere zu übernehmen.“

Dann trat Karsten Jeuk vor, der Einheitsführer der Löschgruppe Kürten. Er verzichtete bewusst auf das vorbereitete Manuskript. Er sprach frei, geradeaus, von Herz zu Herz: „Ich habe heute kein Blatt dabei. Ich bin sowas von stolz auf euch, dass ihr hier für die Gruppe steht“, rief er seiner Mannschaft zu. Er verschwieg nicht, dass die Einheit 61 trotz der 100 Jahre statistisch die „jüngste“ Wehr der Gemeinde ist; die Kameraden in Bechen, Biesfeld, Dürscheid und Olpe blicken auf noch längere Traditionen zurück. Jeuk vergaß auch jene nicht, die im Hintergrund die Fäden ziehen: die Löschgemeinschaft Kürten e.V. mit Sven Schirmacher, Lukas Romeijn und Lukas Emmerich, die das Fest geräuschlos organisierten.

Zu sehen ist ein junger Feuerwehrmann, der einem Kind zeigt, wie man einen Feuerwehrschlauch ausrollt.

Dass das Ausrollen eines Feuerwehrschlauchs geübt sein will, konnten Besucher des Festes selbst herausfinden.

Auch die Politik sparte nicht mit Respekt. Der stellvertretende Bürgermeister Hermann-Josef Müller überbrachte die Grüße des entschuldigten Rathauschefs Mario Bredow und fand hinter dem Altar klare Worte: „Einem anderen Menschen zu helfen, ist der edelste Gedanke, den man haben kann.“ Neben einer Jubiläumsurkunde der Gemeinde und einem Gutschein für „flüssige Lebensmittel“ hatte Müller ein schwergewichtiges Dokument im Gepäck: die offizielle Ehrenurkunde des Landes Nordrhein-Westfalen zum 100-jährigen Bestehen.

Nach dem offiziellen Teil, abgerundet durch ein dreifaches, donnerndes „Gut Schlauch!“, gehörte das Areal an der Bergstraße den Bürgern und der Kameradschaft. Die Nachbareinheiten bewiesen Humor und schenkten den Jubilaren ein handgefertigtes Holzbrettchen samt Gläsern – „erprobt auch für Cola und Wasser“. Der Musikverein Kürten verzichtete auf digitale Töne, spielte ein analoges Platzkonzert vom Feinsten und spendierte standesgemäß ein Fässchen Bier.

Nachwuchs zeigt bei Schauübung ihr Können

Was passierte noch an diesem geschäftigen Wochenende rund ums Feuerwehrhaus an der Bergstraße? Die Nachwuchskräfte zeigten am Samstagnachmittag bei einer Schauübung ihr Können und löschten unter den Augen der Bürger ein eigens entzündetes Feuer. In einer großen Schauübung demonstrierten die Kürtener gemeinsam mit Kräften der anderen Gemeinde-Einheiten den professionellen Ablauf einer technischen Rettung. Die Tombola lockte mit zahlreichen Sofortgewinnen, bevor um 17 Uhr die Hauptpreise in der Cafeteria verlost wurden. Ab 19 Uhr schaltete die Wehr auf Geselligkeit: Die Band „The Valentines“ rockte das Feuerwehrhaus und sorgte für einen ausgelassenen Festabend.

Der Sonntag stand ganz im Zeichen des Blaulichts. Pünktlich um 11 Uhr setzte sich ein imposanter Verband aus Einsatzfahrzeugen der Gemeinde und der Nachbarorte in Bewegung. Bei der großen Rundfahrt wurden fast alle Standorte der Gemeinde passiert, ehe sich das Areal an der Bergstraße ab 12 Uhr in eine riesige Aktionsmeile verwandelte. Beim „Blaulichttag“ präsentierten sich nicht nur die roten Autos der Feuerwehr, sondern auch all die anderen Hilfs- und Rettungsorganisationen, die den Kürtener Brandschützern im Ernstfall den Rücken freihalten. Ein Jahrhundert voller Einsätze, in Kürten gebührend gefeiert.