Rund 6500 Besucher wurden allein am Ostermontag im Freilichtmuseum gezählt. Stammgäste gibt es im Publikum und auf der Bühne.
LVR-FreilichtmuseumDer Museumsjahrmarkt in Kommern ist ein festes Oster-Ritual

Beim Jahrmarkt anno dazumal gehört der Gaukler Gilbert einfach mit dazu: Seit rund 30 Jahren begeistert er als Feuerspucker, Zauberer und Gesamtkunstwerk sein Publikum.
Copyright: Thorsten Wirtz
Ein Besuch im Kommerner Freilichtmuseum – das hat immer mit ganz viel Tradition zu tun: Wie haben die Menschen im Rheinland früher gewohnt? Wie haben sie ihren Lebensunterhalt verdient? Und wie haben sie die großen Feste wie Kirmes und Jahrmarkt gefeiert? Antworten auf die letzte Frage finden Museumsbesucher noch bis zum kommenden Sonntag, denn so lange hat der „Jahrmarkt anno dazumal“ noch seine Tore geöffnet.
Inzwischen gehört in vielen Familien der Besuch des Museumsjahrmarkts selbst schon fast zur Tradition, denn seit inzwischen mehr als 30 Jahren findet die Veranstaltung bereits rund um das Osterfest in Kommern statt. So kommt es, dass auch Familie Ebertz aus Liblar wieder nach Kommern aufgebrochen ist. Sie selbst sei auch mit den eigenen Eltern als Kind schon dabei gewesen, verrät die Mutter. Und Sohn Finn hat gleich gemerkt, was sich auf dem „Marktplatz Rheinland“ verändert hat: „Der Autoscooter war letztes Jahr noch nicht da!“
Der Jahrmarktbesuch als Reise in die eigene Kindheit
Auch Jonas, der gerade von einem Schnellzeichner porträtiert worden ist (und mit dem Ergebnis ganz zufrieden ist), kann sich trotz seines jungen Alters noch gut an den Jahrmarktbesuch im Vorjahr erinnern: „Da war das Wetter nicht so schön wie heute, aber die Raupe war viel schneller.“ Es sei aber auch möglich, dass ihm die Raupe nur schneller vorgekommen sei, räumt er auf Nachfrage ein: „Letztes Jahr war ich ja noch kleiner.“
Der Jahrmarktbesuch sei für sie eine Reise in die eigene Kindheit, sagt Mariann Urban aus Aachen, die mit ihrer Familie gekommen ist. „Es ist toll, dass ich meinen Kindern hier zeigen kann, welche Attraktionen ich selbst früher auf der Kirmes gerne besucht habe“, berichtet die Mutter von drei Töchtern nach dem Besuch der Geisterbahn.

Auch Zauberer Hannes Lülf bezieht bei seinen verblüffenden Darbietungen das Publikum aktiv mit ein.
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Zufrieden mit den Besucherzahlen: Veranstaltungsplaner Daniel Manner (l.), hier mit Museumschef Dr. Carsten Vorwig.
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Auch einige der Künstler und Artisten finden immer wieder gerne den Weg nach Kommern. Der Gaukler Gilbert aus Paris ist bereits seit den Anfangsjahren regelmäßig mit seiner Show dabei, begeistert unter anderem als Zauberer und Feuerspucker.
Das Duo „Vélo des fous“ nutzte sein immerhin drittes Gastspiel, um dem Publikum sein brandneues Programm zu präsentieren. „Wir kommen gerne her“, berichtet Katrin Lachmund, die als „Frau Fou Fou“ der treibende Part der Show ist, während ihr Partner Christian Menzel als „Herr Biçi“ gerne mal eine Pause einlegen würde – natürlich nur auf der Bühne, denn die beiden machen bereits seit 1992 zusammen Straßentheater. „Wir achten immer darauf, mit unserem Humor die Kinder direkt anzusprechen – dann bleiben auch die Eltern stehen und schauen zu“, verraten die beiden Künstler ihr Erfolgsrezept.
Sonniges Wetter lockt am Ostermontag rund 6500 Gäste nach Kommern
Gleichermaßen beliebt bei großen und kleinen Jahrmarktgästen sind auch die leckeren Waffeln, die Mitglieder des Kommerner Museumsfördervereins beim Jahrmarkt backen. „Das werden bei dem guten Besuch heute bestimmt an die 20 Kilogramm Waffelteig, den wir brauchen“, versucht sich eine der Bäckerinnen zur Mittagszeit am Ostermontag an einer vorsichtigen Schätzung.

Zeitreisende beim Jahrmarktbesuch? Die „Kuckucksvögel“ kleiden sich gern nach der Mode der 1890er- bis 1950er-Jahre.
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Zu diesem Zeitpunkt sind bereits mehr als 4000 Gäste auf dem Gelände, berichtet Veranstaltungsleiter Daniel Manner aus dem Team des Freilichtmuseums: „Ich bin sicher, dass wir im Laufe des Tages auf 6500 Besuchende kommen.“ Die Parkplatzsituation ist trotzdem relativ entspannt. „Gerade gibt es einen kleinen Rückstau auf der Eickser Straße, aber wir haben auf den zusätzlichen Parkflächen noch Platz“, so Manner.
Außerdem gebe es eine Vereinbarung mit dem Kommerner Hellweg-Baumarkt, wo das Parken bei Großveranstaltungen ebenfalls erlaubt werde: „Dann ist der Fußweg halt ein bisschen weiter.“ Nicht so groß wie erwartet war der Zustrom beim Familientag am Gründonnerstag, als rund 3200 Gäste gezählt wurden. „Das lag aber sicher am Wetter, das nicht so einladend war“, so Manner, der die Wetteraussichten stets im Blick hat und daher in den kommenden Tagen ebenfalls mit hohen Besucherzahlen rechnet.
Besucher aus Mechernich kommen öfter zum Jahrmarkt ins Museum
„Heute bleiben die Gäste länger im Museum, das gefällt natürlich den Schaustellern, die dann mehr Umsatz machen. Die Mechernicher und andere Besucher aus der näheren Umgebung kommen eher öfter zum Jahrmarkt und steuern dann gezielt an, was sie sich anschauen wollen“, hat Manner im Gespräch mit vielen Gästen erfahren.
Nur am Ostermontag ist allerdings die Gruppe der „Kuckucksvögel“ im Museum anzutreffen. „Wir alle haben Spaß daran, uns in der Mode der 1890er- bis 1950er-Jahre zu kleiden“, berichtet Clara Wirz aus Burscheid. Die Mitglieder stammen aus dem Gebiet zwischen dem Ruhrpott und der Pfalz. „Kommern liegt ziemlich genau in der Mitte und der Jahrmarkt ist ein tolles Event, daher passt das hervorragend für uns.“

