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WiesennetzwerkIn und um Zülpich soll es blühen und summen

3 min
Anna Hofmeister trägt einen Sonnenhut und steht in einer blühenden Wiese.

Hüfthoch wachsen die Blumen und Gräser in Anna Hofmeisters Ülpenicher Garten. Gemäht wird später im Jahr mit der Sense, eine Schäferin holt das Heu ab als Futter für ihre Tiere.

Das Wiesennetzwerk Zülpicher Börde schafft und betreut  Blühwiesen, um biologische Vielfalt zu fördern. Mitstreiter werden gesucht. 

Anna Hofmeisters Garten ist anders, bunter, wilder. Kein ordentlich gemähter Rasen wie in den Nachbargärten, keine Blumenbeete, in denen kein Hälmchen geduldet wird, das nicht eigens gepflanzt wurde. Stattdessen hüfthoch wuchernde Vielfalt, Blütenpracht in allen Farben und Schattierungen. Es summt und brummt, fliegt und krabbelt. Selbst der Gartenzaun ist kein einfacher Zaun, sondern ein Lebensraum.

Und genau darum geht es Anna Hofmeister, dafür nimmt sie missbilligende Blicke und spitze Bemerkungen in Kauf. Ihr Garten in Ülpenich nahe der Grundschule ist Teil des Wiesennetzwerks Zülpicher Börde. 2019 hat sich eine Privatinitiative gegründet mit dem Ziel, das Kulturgut Wiese zu erhalten und auf lange Sicht einen Biotopverbund zu schaffen, in dem die Tiere den Standort wechseln können.

Iris van Kelst sitzt auf dem aus Steinen geschichteten Rand eines Sandbeetes.

Ihr Garten ist das reinste Kunstwerk. Iris van Kelst beweist, dass insektenfreundlich und top gepflegt kein Widerspruch sein muss. Das Sandbeet ist Blickfang und Biotop in einem.

Vor einem aus aufgeschichtetem Holz gebildeten Zaun wuchert eine Rankpflanze.

Der Gartenzaun aus Totholz bietet vielen Tieren Lebensraum. Dort gedeiht auch die Zaunrübe und mit ihr die Zaunrübensandbiene.

„Es gibt Wildbienenarten, die höchstens 500 Meter weit fliegen“, sagt Anna Hofmeister. Entsprechend dicht beieinander müssen die Blühwiesen liegen. Mit Genehmigung der Zülpicher Stadtverwaltung haben sich mittlerweile auch Randstreifen und Baumscheiben in kleine Biotope und gleichzeitig bunte Blickfänge verwandelt. Nachdem die Initiatorin weggezogen war, „sind wir beim Nabu untergeschlüpft“, schildert die Naturschützerin: „Es ist schwer, Mitstreiter und auch Saatgut zu finden. Uns fehlen Ehrenamtler.“

Während sie auf schmalen, freigemähten Pfaden durch ihren Garten streift, benennt sie die Pflanzen, die dort gedeihen. Bei manchen gibt der Namen einen Hinweis, wozu sie früher verwandet worden sind – beim Wundklee beispielsweise. Der Klappertopf heißt so, weil die reifen Samen in ihren Hüllen klappern. Margerite, Wiesen-Salbei, Pippau, Ackerwitwenblume, Taubenkropfleimkraut, Flockenblume oder Bocksbart, sie alle waren früher normaler Bestandteil der Mähwiesen und sind mittlerweile selten geworden.

Totholz ist ein wertvoller Lebensraum

Der Zaun ums Grundstück besteht aus aufgeschichtetem Totholz, in dem Igel ebenso Unterschlupf finden wie Insekten. Dort rankt die Zaunrübe, die fast jeder Gartenbesitzer als Plage einordnet und bekämpft, sobald sie auftaucht. Allerdings ist sie der unabdingbare Lebensraum für die Zaunrübensandbiene. Mehr als 40 Arten hätten sich angesiedelt in dem kleinen Biotopverbund, der sich von ihrem Garten über den Wegrand Richtung Friedhof bis ins Neubaugebiet erstreckt. So erzählt es Hofmeister.

Rund um einen Straßenbaum blühen Wildblumen.

Die Baumscheiben sind Oasen zwischen Beton und Asphalt.

Dort grünt und blüht es immerhin rund um zwei Straßenbäume – kleine Oasen inmitten einer Wüste aus Beton und Asphalt. Zu denen, die davon profitieren, gehören auch Fledermäuse und Vögel. In Nemmenich hat Iris van Kelst an einem alten Wegekreuz eine Blühfläche angelegt. Mit Unterstützung der Stadt wurde die Grasnarbe entfernt und Kalksplitt aufgebracht. Denn die Wiesenblumen brauchen magere Böden. „Man muss sie nicht gießen, sie sind trockenresistent“, sagt Iris van Kelst.

Unter den großen Linden steht eine Bank, dort sitze sie gern und höre die Grasmücke rufen: „Das ist mein Om“, beschreibt sie die beruhigende Wirkung dieses besonderes Stückchens Natur. Ihr Garten ist ein Beispiel dafür, dass insektenfreundlich nicht unbedingt wild heißen muss. Er ist durchgestylt, die Blühflächen bilden Inseln im getrimmten Rasen. Mittelpunkt ist ein Sandbeet, das mit seiner Steinumfassung und speziellen Pflanzen noch einmal ein besonderes Biotop bildet.

Viele, die ihren Garten insektenfreundlich machen wollten, gäben auf, wenn es nicht gleich gedeihe wie erhofft, erzählen die beiden Frauen. Iris van Kelst macht Mut: „Es funktioniert, wenn man der Natur Raum gibt und Zeit.“ Auch sie braucht noch Geduld: In einer Gartenecke wächst die Knoblauchsrauke. „Jetzt warte ich auf den Aurorafalter“, sagt die Gartenbesitzerin. Irgendwann wird der Schmetterling das verlockende Angebot sicher annehmen.

17 Mitglieder hat das Wiesennetzwerk derzeit, die sich um größere und kleinere Biotope kümmern. Wer mitmachen will, ob im eigenen Garten oder auf einer öffentlichen Fläche, kann sich per Mail melden und beraten lassen.