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Bedrohte ArtZülpicher Feldhamster haben sich bis über die Kreisgrenze ausgebreitet

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Ein Feldhamster schaut aus seinem Bau heraus, der sich auf einer Ackerfläche bei Zülpich befindet.

Nur ganz selten bekommt man einen Feldhamster zu Gesicht. Die nachtaktiven Tiere verschlafen die Tage meist unter der Erde.

Die Biologische Station hat die Baue der Feldhamster bei Zülpich-Geich gezählt. Einige Tiere haben die Auswilderungsfläche inzwischen verlassen.

Die Feldhamster bei Geich sind aus dem Winterschlaf erwacht. Und schon sind sie emsig beschäftigt: einerseits mit dem Frühjahrsputz ihrer Baue, andererseits damit, Nachwuchs zu produzieren. Schließlich soll die von Menschenhand angesiedelte Population aus eigener Kraft weiter wachsen und gedeihen.

Für Ute Köhler, Mitarbeiterin der Biologischen Station im Kreis Euskirchen, ist jetzt die Zeit nachzuschauen, wie die Tiere über den Winter gekommen sind. Ihr Fazit nach sechs Tagen Zählen: „Es sieht gut aus. Die Population breitet sich weiter aus.“

Einen Bau haben wir sogar jenseits der Bahnlinie gefunden.
Ute Köhler, Biologische Station im Kreis Euskirchen

Im April und Mai vor zwei Jahren waren 98 Feldhamster auf einer rund fünfeinhalb Hektar großen Fläche ausgewildert worden. Im Jahr darauf kamen noch einmal 35 Tiere dazu. Finanziert habe das der Kreis, unterstützt nach der Förderrichtlinie Naturschutz, wie Rebekka Vogel von der Unteren Naturschutzbehörde sagt.

Anzahl der Feldhamster-Baue bei Geich stieg von 68 auf 231

Anfangs war nicht nur die Auswilderungsfläche eingezäunt, es waren auf über den Bauen Drahtgitter angebracht, um die neuen Bewohner vor Greifvögeln zu schützen. Darauf wird mittlerweile verzichtet, der 950 Meter lange Zaun allerdings wird nur im Winter abgebaut und ist jetzt neu errichtet. „Sonst fände der Fuchs hier einen gedeckten Tisch“, sagt Ute Köhler.

Mit acht Helferinnen und Helfern hat sie das Gelände Meter für Meter abgesucht. Um diese Jahreszeit geht das noch relativ leicht, im Sommer, wenn die Feldfrüchte höher gewachsen sind, wird es mühsamer. Übrigens ist auch die Auswilderungsfläche eingesät. Dafür sorgen Vertragslandwirte, die vom Kreis Euskirchen dafür entschädigt werden, dass sie dort nur eingeschränkt wirtschaften können.

Sieben Personen haben eine Reihe gebildet und schreiten eine grün bewachsene Ackerfläche ab.

Hamstersuche auf breiter Front: So soll kein Fallrohr oder Laufgang übersehen werden.

Die Detailaufnahme zeigt zwei Hände, die mit einem Zolllstock den Bau eines Hamsters im Acker ausmessen.

Jeder Bau auf der Auswilderungsfläche bei Geich wurde sorgsam vermessen und kartiert.

Mehrere Personen stehen auf einem Acker, auf dem die grünen Getreidepflanzen knapp kniehoch stehen.

Mit Bambusstäben sondieren die ehrenamtlichen Helfer die Löcher. Die GPS-Stange sorgt dafür, dass Ute Köhler exakte Standorte eintragen kann.

Jedes Loch, das nach Hamsterbau aussah, wurde erst einmal mit einem Bambusstock sondiert, Tiefe und Breite wurden ausgemessen. Einer der Helfer nutzt dazu einen GPS-Stab, mit dessen Hilfe die Koordinaten exakt ermittelt werden können. Ute Köhler trägt auf dem Tablet die Daten ein. So können sie später in der Biologischen Station ausgewertet werden. Das Ergebnis der tagelangen Arbeit vor Ort: 231 Baue wurden gefunden, bei der Frühjahrskartierung im vergangenen Jahr waren es 68. 55 Baue befinden sich außerhalb der Auswilderungsfläche. Einige Tiere sind in den Kreis Düren abgewandert. „Einen Bau haben wir sogar jenseits der Bahnlinie gefunden“, berichtet Ute Köhler.

Aus der Tiefkühltruhe in die Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildtiermanagement

Was für den Laien einfach wie ein Loch im Boden aussieht, erzählt der Fachfrau einiges über seinen Bewohner. Da gibt es Fallröhren, die fast senkrecht tief in den Boden reichen, und schräge Laufgänge. Wo andere nur staubige Krümel sehen, entdeckt sie kleine Kotröllchen, die davon zeugen, dass ein Hamster den Winterschmutz vor die Tür gekehrt hat. Wenn nur Laufgänge zu sehen sind, handelt es sich um einen Sommerbau, der zusätzlich zum Winterbau angelegt worden sei, erklärt die Fachfrau. Hamster sind Einzelgänger, also ist die Rechnung: pro Bau ein Tier. Abzüglich besagter Sommerbaue dürften also derzeit rund 200 Hamster bei Geich unterwegs sein.

Das stimme optimistisch, sei aber nur eine Momentaufnahme, so Köhler. In Pulheim, wo die Auswilderung schon länger laufe, sei nach vielversprechendem Start die Population derart eingebrochen, dass noch einmal neue Tiere ausgesetzt worden seien. „Das ist ganz normal, das kann hier auch passieren.“

Noch geht es den Tieren bei Zülpich augenscheinlich gut. Den meisten jedenfalls. Die Helfer haben bei der Zählaktion nicht nur sieben lebende Hamster gesehen, sondern auch einen toten gefunden. Den hat Ute Köhler zu Hause in die Tiefkühltruhe gepackt. Bei Gelegenheit will sie ihn in die Bonner Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildtiermanagement bringen, damit dort die Todesursache ermittelt wird.


In NRW gilt der Feldhamster als bedrohte Art

In Nordrhein-Westfalen gilt der Feldhamster als vom Aussterben bedroht. 2011 galten die Hamster bei Zülpich als letztes Vorkommen landesweit. Und auch hier waren die Zahlen rückläufig: Ging man 2011 noch von rund 100 Tieren aus, wurden 2016 nur noch acht Baue gefunden.

Deshalb hat das Landesumweltministerium 2016 mit dem Aufbau einer Erhaltungszucht begonnen. In den Jahren 2015 bis 2017 sind die wenigen Feldhamster, die damals noch bei Zülpich lebten, eingefangen und in die Zuchtstation gebracht worden.

Die Tiere, die in den vergangenen zwei Jahren bei Geich ausgewildert worden sind, sind zum Teil Nachzuchten der Zülpicher Hamster, andere stammen aus einer niederländischen Zucht.