Entwürfe von 35 Studierenden zeigen Lösungen für die Sammlung historischer Steine am Altenberger Dom.
ArchitekturIdeen für ein neues Lapidarium in Altenberg

Ein Studierendenentwurf zu den Lapidarien am Wasser.
Copyright: TH Köln
Der Altenberger Dom ist ein beeindruckendes Beispiel gotischer Baukunst. Schlicht und elegant streben die Säulen in die Höhe, um das zarte Kreuzrippengewölbe zu tragen, filigran das Maßwerk der Fensterbögen. Von dieser steingewordenen Erhabenheit ist wenige Meter entfernt nicht mehr viel zu spüren. Nahe der Orangerie ruhen in einem Bretterverschlag romanische und gotische Steinfragmente des Doms, die bei Ausgrabungen und Restaurierungen sichergestellt wurden.
Seit 2004 waren die historischen Steine, sogenannte Spolien, in zwei großen Glasvitrinen im Kräutergarten des historischen Küchenhofs ausgestellt. Dort mussten sie aber, wie berichtet, vor vier Jahren weichen, weil sie nach Ablauf eines Erbpachtvertrages und damit verbundenem Besitzwechsel des Küchenhofs einer neuen Nutzung des Innenhofs im Wege standen. Die beiden gläsernen Lapidarien wurden abgerissen, die steinernen Ornamente, Bögen und Säulen, die zu jeweils 40 Prozent dem Land NRW und dem Erzbistum Köln sowie zu 20 Prozent dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) gehören, lagen zunächst herrenlos auf der Wiese herum. Schließlich erbarmte sich das Bauamt der Gemeinde Odenthal und baute den Holzverschlag für die Relikte.

Andere Entwürfe zitieren Elemente des Altenberger Doms, wie zum Beispiel den Kreuzgang.
Copyright: Rudolf Conrads
Aus dieser Bretterbude würde der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz sie gerne befreien, um sie wieder der Öffentlichkeit zu präsentieren. Schon vor einiger Zeit gab daher Rudolf Conrads, Schatzmeister des Vereins, den Anstoß zu einem „Arbeitskreis Lapidarium Altenberg“. Das Ziel: alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen und nach einer Lösung zu suchen.
Eine Neugestaltung des Lapidariums böte nach Ansicht der stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Susanne Bonenkamp auch die Chance, Teile der Steinsammlung, die aus Platzgründen bisher in einem LVR-Depot in Meckenheim lagerten, endlich mit den Altenberger Stücken zusammenzuführen. Das aber wäre dann eine neue Dimension: „In Meckenheim liegen Steine auf rund 100 Paletten“, berichtet Susanne Bonenkamp. Nicht alle Stücke seien allerdings in gleicher Weise für eine öffentliche Präsentation geeignet. Als unangefochtenes Prunkstück der Steinsammlung gilt ein rund sieben Meter hohes großes Maßwerk aus dem Altenberger Dom.
Großes Interesse bei den Studierenden
Nun hat der Rheinische Verein für Denkmalpflege in Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Köln einen weiteren Impuls gegeben, um „alle relevanten Körperschaften an einen Tisch zu bekommen“, so Rudolf Conrads. 35 Studierende der Architektur haben sich mit der Aufgabe beschäftigt, ein neues Lapidarium für Altenberg zu entwerfen. Das sei bei den angehenden Architekten auf großes Interesse gestoßen, sagt Prof. Rüdiger Karzel, Dekan der Fakultät Architektur. Man habe den Studenten zwei verschiedene Projektthemen zur Auswahl gestellt: „Von den insgesamt 16 Gruppen haben sich 15 Gruppen für das Projekt Lapidarium entschieden.“ Für Prof. Daniel Lohmann, der die Projektarbeit koordinierte, nicht verwunderlich, weil die Aufgabe „erstens eine herrlich malerische Aufgabe eines modernen Gebäudes in sensibler historischer Kulisse darstellt und zweitens einen sogar realistischen Hintergrund hat“.
Die Präsentation der sehr unterschiedlichen Entwürfe für Altenberg begeisterte neben Prof. Barbara Schock-Werner, Präsidentin des Zentral-Dombau-Vereins, auch Tatjana Gräfin von Spee, Vorsitzende des Altenberger Domvereins sowie Susanne Bonenkamp: „Mit den jetzt vorliegenden Arbeiten wird deutlich, welche Bereicherung ein Lapidarium für Altenberg wäre.“
Nach nachhaltigen Lösungen gesucht
Die Studierenden brachten die Spolien auf ganz unterschiedliche Weise unter: in einem Gebäudeensemble mit kleiner Dombauhütte, in einem offenen Schaulager mit Seminarraum, in einer fast meditativen Architektur am Wasser des Pfengsbachs oder sie griffen den Gedanken des Kreuzgangs auf. „Viele haben dabei nachhaltige Lösungen gesucht, eine Architektur, die reversibel ist“, so Karzel.
Doch noch steht das Lapidarium nur auf dem Papier und Rudolf Conrads weiß um die Schwierigkeiten einer Verwirklichung: „Ein solches Projekt passt nicht gut in die politische Landschaft“, sagt der Schatzmeister mit Blick auf die leeren Kassen der öffentlichen Hand. Er hält Baukosten in einem „niedrigen siebenstelligen Bereich“ für realistisch. Aber es sei nicht nur die Summe, die eine Verwirklichung erschwere, sondern auch „der Unmut einiger Fördergeber von damals“ über die kurze Nutzungsdauer der Lapidarien im Küchenhof, die dort keine 20 Jahre standen. Doch den Versuch sei es wert.
