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Kartoffelsuppe, Schwarzpulver und SonntagsmesseSo sah der Alltag in Altenberg im 19. Jahrhundert aus

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Der Autor Norbert Knappe mit seinem Buch vor dem Altenberger Dom.

Der Autor Norbert Knappe mit seinem Buch vor dem Altenberger Dom.

Norbert Knappe erzählt in seinem neuen Buch vom Alltag im Odenthal des 19. Jahrhunderts und was man daraus für heute mitnehmen kann.

Altenberg hat noch so viel mehr zu bieten, als den Dom“, findet Norbert Knappe und hat sich deswegen zur Aufgabe gemacht, jährlich ein Buch rund um seine Heimat zu schreiben. Über den Märchenwald, den Felsenkeller sowie einen Flugzeugabsturz in Altenberg hat er bereits Bücher veröffentlicht. In diesem Jahr hat er sich nun dem Alltagsleben der Menschen in Odenthal im 19. Jahrhundert gewidmet.

„An Odenthal fasziniert mich, dass meine Vorfahren schon Mitte des 17. Jahrhunderts hier gewohnt haben“, sagt Knappe, der in Odenthal aufgewachsen ist. Besonders inspiriert habe ihn seine Großmutter. „Ich war immer fasziniert von meiner Oma“, erinnert er sich. Sie habe ihm als Kind von ihrer eigenen Kindheit in Odenthal erzählt: Wie sie einmal im Jahr 15 Stunden unterwegs war und von Odenthal-Grimberg nach Köln lief, um Seife zu kaufen. Dabei habe sie zwei Pfennige zahlen müssen, um über den Rhein zu kommen und sich auf dem Weg immer überlegt, wie man dieses Geld noch sparen könnte. 

Ich war immer fasziniert von meiner Oma.
Norbert Knappe, Autor

Norbert Knappes Geschichte beginnt allerdings bei seinen Urgroßeltern, Anna Gertrud Breidenbach und Peter Müller. Müller war Fassbinder und ergriff dann den Beruf des Pulverers – eine deutlich gefährlichere Tätigkeit, weil man stets mit Schwarzpulver arbeitete. Aber: In diesem Beruf verdiente man mehr und Peter Müller hatte Frau und Kinder zu versorgen.

Seine Urgroßmutter beschreibt Knappe als die „Managerin der Familie“. „Sie hat wichtige Entscheidungen getroffen, zum Beispiel, ob ein Arzt geholt wurde oder nicht, denn der Arztbesuch kostete Geld, das dann in der Haushaltskasse fehlte“, erzählt der Schriftsteller. Als frühe Form einer Feministin würde Knappe Anna Müller allerdings nicht bezeichnen. „Damals setzte sich niemand für die Rechte von Frauen ein“, erklärt er, „Gleichberechtigung wurde damals gelebt, weil man nur überleben konnte, wenn die Eltern gleichberechtigt ihre Arbeit taten“. 

Knappe schildert in seinem Buch die damalige Genügsamkeit

Fast jeden Tag kam bei den Müllers Kartoffelsuppe auf den Tisch. Die Familie lebte genügsam. Auch ein Badezimmer gab es nicht: Man wusch sich in einer Waschschüssel. Genügsamkeit ist der zentrale Wert und das Fundament des Lebens im 19. Jahrhundert, macht der Autor deutlich. „Das, was man hatte, stellte einen zufrieden und man hatte kein Bedürfnis, mehr haben zu wollen“, sagt er.

Sein Buch wolle aber kein Appell an die heutige Zeit sein, sondern auf der beschreibenden Ebene bleiben. „Ich sehe mit großer Besorgnis, wie soziale Medien Menschen und Gesellschaft verändern. Ich möchte zeigen: Es gibt auch andere Formen der Freizeitgestaltung. Es geht um Rückbesinnung. Es ist eine Art Entführung“, schildert er seine Vision.

Knappes Buch ist wohl mehr als eine Familiengeschichte. Seine Vorfahren stehen sinnbildlich für den Alltag vieler Menschen des 19. Jahrhunderts und konkretisieren die Zeit lediglich. Die Geschichte der Familie Müller vertieft er mit historischen Einschüben oder einordnenden Vergleichen mit der heutigen Zeit.

Für das nächste Jahr ist auch schon ein weiteres Buch in Planung: Darin möchte Knappe den Altenberger Dom und die Geschichte des Zisterzienser Klosters genauer betrachten. Knappes „Odenthal im 19. Jahrhundert“ ist im Altenberger Dom-Laden erhältlich.