Schon im Mittelalter leiteten Mönche Quellwasser über Bleirohre in das Kloster. Das berichtet Marion Jaklin Latk in der Zisterzienserchronik.
Frühe WassertechnikerDie Zisterzienser bauten kunstvolle Brunnensysteme in Altenberg

Auch einen Kahnweiher gab es früher in Altenberg. Heute ist dort eine große Wiese.
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Ohne Wasser kein Leben – vor allem kein irdisches. Nicht zufällig dürften sich daher die Zisterzienser bei ihrer Klostergründung im Mittelalter auch in Altenberg für die feuchte Niederung zwischen Dhünn, Eifgen- und Pfengstbach entschieden haben. Hier fanden sie ideale Voraussetzungen vor, um ihre für damalige Zeit ungeheuer fortschrittlichen Kenntnisse über Wasserbautechnik anzuwenden und das Kloster mit Wasser für die Landwirtschaft, die Mühlen, für Hygiene sowie für rituelle und liturgische Handlungen zu versorgen.
In der Folge entstanden nicht nur Teiche und Kanäle, sondern auch acht Brunnen, versorgt über Rohrleitungen. Von diesem ausgeklügelten Bewässerungssystem zeugen heute nur noch wenige Spuren, auch von den vielen Brunnen blieb kein einziger erhalten. Vieles ist längst verschüttet und vergessen. Die Zisterzienser in Altenberg und das Wasser – das ist eine jahrhundertelange Erfolgs- aber auch Leidensgeschichte.
Aus dem 14. Jahrhundert ist ein schweres Hochwasser überliefert
Denn der Wasserreichtum im engen Tal hatte auch seine dunkle Seite: Bevor die Dhünn durch die Talsperre im Oberlauf gezähmt wurde, kam es immer wieder zu schweren Hochwasserkatastrophen. So etwa eine Flut im 14. Jahrhundert, die zehn Mönche das Leben gekostet haben soll.
Aber selbst in heutiger Zeit, beim Starkregen im Sommer 2021, wurden Gebäude in Altenberg ein Opfer des Hochwassers. Fast vergessene alte Bachläufe und Rohrsysteme führten urplötzlich wieder Wasser, so wie der eigentlich seit langer Zeit umgeleitete Pfengstbach, der sich unerwartet an sein altes Bachbett erinnerte und auf dem Weg zur Mündung in die Dhünn einfach wieder die Abkürzung durch die Kellergewölbe des Altenberger Doms nahm.
Die Zisterzienser verstanden die Kunst, die Wasserkraft zu nutzen
Von einzelnen Naturkatastrophen abgesehen, besaßen die Zisterzienser in Altenberg jedoch das Know-how, um die Wasserkraft zu bändigen und gewinnbringend für ihre Zwecke einzusetzen. So erleichterte eine Vielzahl von Wasserstellen den Alltag im Kloster. „Den Ordensbrüdern stand in allen Bereichen, in denen täglich Wasser benötigt wurde, ein Brunnen zur Verfügung“, schreibt Marion Jaklin Latk über „Die Brunnen der ehemaligen Zisterzienserabtei Altenberg“ in der jüngsten Ausgabe der Zisterzienserchronik.

Auch im Kreuzgang existierte im Mittelalter vermutlich ein Brunnenhaus, meint Zisterzienserexperte Dr. Norbert Orthen.
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„Die Mönche, die mit dem wöchentlichen Küchendienst betraut waren, hatten einen eigenen Brunnen in der Küche“. Im Refektorium, dem Speisesaal des Klosters, konnte man sich vor den Mahlzeiten die Hände waschen, auch vor ihren Zellen habe den Mönchen Brunnenwasser zur Verfügung gestanden. Da die Zisterzienser aus religiösen Gründen großen Wert auf fließendes Wasser legten, das für sie Leben symbolisierte, bohrten sie in der Regel keine Grundwasserbrunnen, sondern nutzten das Wasser aus nahen Quellen.
Acht klare Brunnen waren Teil des aufwendigen Bewässerungssystems
Das Wasser leiteten sie über Rohre in Brunnenhäuser oder Springbrunnen. Über die Quelle der Altenberger Brunnenbewässerung verrät der Mönch Jongelius in einem Bericht aus dem Jahr 1640 nicht wirklich viel, als er von „acht klaren Brunnen“ schreibt, „die durch Bleiröhren von einer sehr starken Quelle, die an sehr verborgener Stelle liegt, gespeist werden“.
Heute findet sich – auch im Verborgenen – keine Quelle mehr, die Jongelius gemeint haben könnte, zu stark wurde seither in die Landschaft eingegriffen, nicht zuletzt durch die Umgehungsstraße, die heute die L101 nach Dabringhausen markiert. Doch irgendwo hier, in östlicher Hanglage nahe der heutigen Fischteiche dürfte sich die geheimnisvolle Quelle im Mittelalter befunden haben, vermutet jedenfalls Dr. Norbert Orthen, Chefredakteur der Zisterzienserchronik.
Die alte Quelle kann nur ungefähr lokalisiert werden
Dies auch mit Blick auf Vinzenz von Zuccalmaglio, der allerdings sehr viel später, 1836, als längst nicht mehr alle Brunnen vorhanden waren, von zahlreichen Springbrunnen in Altenberg schwärmt und schreibt: „Die Spezarter Thalschlucht, welche den Springbrunnen das Wasser in Bleiröhren zuführte, umfaßt eine Reihe von wohlangelegten großen Fischteichen, welche einst das Kloster mit Fastenspeisen versahen.“
Beim Unwetter 2021 sei jedenfalls aus eben diesem Berg, nördlich vom Pfengstbach, wieder Wasser ausgetreten, erinnert sich Orthen. Ein Hangrutsch folgte.
Der Brunnen in der Klosterkirche diente rituellen Waschungen
Neben Brunnen im Hof und im Garten der Abtei existierten auch Wasserbecken im Refektorium, im Kreuzgang, vor den Zellen der Mönche, im unteren und im oberen Abtssaal und sogar einer in der Kirche selbst. Er befand sich kurz vor dem südlichen Querschiff des Altenberger Doms, wo es heute in die Sakristei hineingeht und sich früher der Zugang zum Kreuzgang befand. Er diente rituellen Waschungen der Mönche.

Figur des Schmerzenmanns, aus dessen Wunden Wasser fließt. Ein solcher Brunnen soll auch in der Klosterkirche Altenberg gestanden haben.
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Einhellig berichten die Chronisten, dass dieser Brunnen von einer Bronzefigur geschmückt war, die Christus als Schmerzensmann dargestellt habe: aus seinen Wundmalen floss nicht Blut sondern Quellwasser. Die Bleirohre für diesen Wasserspeier der besonderen Art habe man bei einer der vielen Restaurierungen noch unter den Bodenplatten des Doms gefunden, weiß Orthen.
Keiner der kunstvollen Brunnen hat sich bis heute erhalten
All diese Kunstwerke und Ausstattungsdetails seien mit Auflösung des Klosters 1803 abhandengekommen oder der folgenden Zerstörung zum Opfer gefallen. Nur im Untergrund, das wissen Altenberg-Kenner wie Randolf Link, haben sich oft Spuren erhalten, und so sorgen Grabungen immer wieder für Überraschungen.
1979 stieß die Gemeinde bei Kanalarbeiten auf einen wasserführenden überwölbten Kanal, den Mitarbeiter damals wagemutig mit einem Schlauchboot erkundeten, bis eine zerbrochene Wasserflasche der Expedition ein jähes Ende bereitet habe, berichtete Link vor einiger Zeit. Bei der Umgestaltung des Alten Brauhauses zum Edith-Stein-Exerzitienhaus stieß man bei Ausschachtungen für den Aufzug 2024 auf Reste des alten Mühlengrabens, offenbar Teil eines Kanalsystems, das im Mittelalter wohl auch die Abwässer der Konventsgebäude aufnahm. Denn was man an Wasser einleitet, muss man am Ende auch wieder abführen. Das war im Mittelalter nicht anders.
