Rund 100 Aussteller zeigten auf dem Wollmarkt in Euskirchen-Kuchenheim ihre Produkte. Schafe waren ein Publikumsmagnet.
WollmarktBesucher konnten in Kuchenheim viel lernen über Schafe und Handwerk

Sie beherrscht ihren Job: Border-Collie-Hündin Mottele hat die kleine Schafherde sicher im Griff.
Copyright: Ulla Jürgensonn
Ein Rheinischer Wollmarkt ohne die Wahl zur Miss Kuchenheim? Ja, bestätigt Renate Wey: Die Wahl des schönsten Schafs fällt diesmal aus. „Wir wollten den Tieren den Stress ersparen“, sagt die Chefin der Schafhaltung Wey. Außerdem müsse man auch immer mal Dinge ändern. So bleiben die Schafe in ihren kleinen Pferchen, lassen sich von Erwachsenen bestaunen und von Kindern kraulen und wirken maximal ungestresst, auch als gegen Mittag das Gedränge auf dem Markt zunimmt.
Ein paar ihrer Artgenossen müssen sich immerhin sportlich betätigen. Sandra Schulten aus Odenthal demonstriert mit ihrer Border-Collie-Hündin Mottele, wie ein Hütehund arbeitet und die kleine Herde in Bewegung setzt. Denn auch das gehört zum Wollmarkt rund um das LVR-Industriemuseum wie das reichhaltige Angebot an den unterschiedlichsten farbenprächtigen Garnen: Die Besucher können viel lernen über das Leben der Schafe, die Arbeit der Schäfer und den Weg der Wolle vom Schaf bis zum fertigen Schal.
Der Wolf war auch auf dem Wollmarkt in Kuchenheim ein Thema
Georg Bungart hat zwei seiner Rhönschafe mitgebracht nach Kuchenheim. Der Weg war nicht weit, seine Schäferei ist in Bad Münstereifel-Wald. Im vergangenen Jahr war ein Wolf in Bungarts Herde an der Steinbachtalsperre eingedrungen, hatte einige Tiere gerissen. Andere mussten vom Tierarzt eingeschläfert werden. „Ich habe ein ganzes Jahr auf die Entschädigung warten müssen“, erzählt der Schäfer. Auf der Weide am Waldrand halte er keine Schafe mehr, das Risiko sei einfach zu groß.

Eine Familie aus Nepal fertigt die Handarbeiten, die Ruth Meuter und Monika Wakefield im Rahmen eines Fair-Trade-Projektes anbieten.
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Zwei Rhönschafe hatte Georg Bungart mit nach Kuchenheim gebracht. Auf die Wahl des schönsten Schafs wurde aber diesmal verzichtet.
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Ein wahres Meer an Farben boten die unterschiedlichen Garne, viele aus Schafswolle, andere aus Alpaka mit Seide.
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Die riesige Auswahl an Wolle machte vielen Besucherinnen und Besuchern die Entscheidung schwer.
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Maria Müller nutzte die Gelegenheit, ein bisschen zu spinnen und sich Tipps von erfahreren Spinnerinnen zu holen.
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Kein Wunder, dass das Thema „Wolf“ diskutiert wird unter den Besuchern. Der Umgang mit dem Raubtier ist nicht das Einzige, was die Schäfer umtreibt. Viele haben Probleme, ihre Wolle überhaupt loszuwerden. Josefine Jahn, die mit ihrer Freundin Sandra Schulten die Hütehunde präsentiert, hat selbst eine kleine Herde Heidschnucken. In diesem Jahr habe sie zum ersten Mal Abnehmer für drei Vliese gehabt.
Wolle ist ein guter Dünger
Die wollten die Wolle aber nicht zum Spinnen und Stricken, sondern für den Garten. Die Wolle sei einerseits ein guter Dünger, andererseits halte sie Schnecken fern, erklärt die Schäferin. Das gilt offenbar nicht nur für Schafwolle. Auch an einem Stand, der Alpakawolle anbietet, gibt es die Fasern pelletiert als Dünger. Der ist aber nur ein Nebenprodukt der superweichen und entsprechend hochpreisigen Wolle. Ein professioneller Schafscherer zeigt, wie die Tiere von ihrer dicken Wollschicht befreit werden.
Wer wissen will, wie aus dem Vlies dann ein Faden entsteht, kann Maria Müller zuschauen, die still und konzertiert am Spinnrad sitzt. „Ich bin durch Zufall zum Spinnen gekommen“, erzählt die Besucherin des Marktes. Sie nutzt die Gelegenheit, ein anderes Spinnrad auszuprobieren und vor allem Tipps von erfahrenen Spinnerinnen zu bekommen. An einem anderen Stand gibt es hölzerne Spindeln zu kaufen, die ein bisschen wie Angelzubehör aussehen. Wer die Technik beherrscht, kann mit ihrer Hilfe und geschickten Fingern einen feinen Faden entstehen lassen – ganz ohne Spinnrad.
Den passenden Rohstoff dazu gibt es natürlich auch: Dicke Zöpfe aus gefärbter, aber noch nicht versponnener Wolle warten auf ihre Liebhaberinnen. Wie aus den Fäden ein Tuch wird, erfährt man bei den Webern. Und auch hier gilt: Wer möchte, darf mitmachen. Immerhin kann man dann einen kleinen, selbst gewebten Teppich mit nach Hause nehmen. Die Vielfalt an Farben und Garnarten ist überwältigend.
Die Vielfalt an Wolle macht die Entscheidung schwer
Wer gern häkelt oder strickt, tut sich schwer, der Versuchung zu widerstehen. „Man muss im Hinterkopf behalten, wie viele Projekte man zu Hause noch liegen hat“, sagt eine Frau, die mit ihrer Freundin zum ersten Mal auf dem Wollmarkt ist. Wer nicht selbst zur Nadel greifen will, kann an den meisten Ständen auch fertige Pullover oder Dreieckstücher kaufen. Und Dinge, die nicht aus Wolle sind, wie Strohhüte oder geflochtene Körbe, gibt es natürlich auch auf dem Wollmarkt.
Man muss ja nicht unbedingt stricken oder häkeln. Wer möchte, kann mal das Filzen ausprobieren. Oder all die hübschen, teils dekorativen, teils nützlichen Dinge aus Filz bewundern – von den klassischen Pantoffeln über lustige Tiere bis zu Schmuckstücken. Bei Ruth Meuter und Monika Wakefield trifft das Schöne auf den guten Zweck. Die Dinge, die die beiden Frauen an ihrem Stand anbieten, haben Mitglieder einer Familie in Nepal gefertigt. Seit 16 Jahren gebe es dieses Fair-Trade-Projekt, erzählen die beiden.
Auch Nabu und BUND sind mit Ständen auf dem Wollmarkt vertreten. Neben Informationen über ihre Arbeit und Umweltthemen bieten sie auch Kräuter an – auch solche, mit denen man Wolle färben kann. Rund 100 Aussteller vermeldet der Landschaftsverband Rheinland. Wem das nicht genügt, der kann auch noch eine Sonderausstellung „Von der Wolle“ anschauen oder eine Führung durch die Tuchfabrik Müller mitmachen. Da werden die historischen Maschinen angeworfen, auch die Dampfmaschine aus dem Jahr 1903.
