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App in PlanungBäckerei Lennartz aus Kuchenheim: Handwerk mit Herz und Hindernissen

6 min
Das Foto zeigt einen Bäcker und eine Bäckerin bei der Arbeit.

Sehr viel Handarbeit: In der Bäckerei Lennartz in Kuchenheim ist ein Geheimrezept auch das traditionelle Handwerk.

Die Bäckerei Lennartz ist die letzte im Stadtgebiet Euskirchen. Neue Produkte orientieren sich auch an der Jugend. Nun wurde der Betrieb ausgezeichnet.

Wenn Torsten Lennartz durch seine Backstube in Kuchenheim führt, wird schnell klar: Hier geht es um weit mehr als Brot und Brötchen. Es geht um Verantwortung, Tradition, Familie – und um die Frage, wie Handwerk in Zukunft überhaupt noch funktionieren kann.

Die Bäckerei Lennartz beschäftigt rund 250 Mitarbeitende in der Region Euskirchen und betreibt 13 Filialen. Für Lennartz ist das nicht einfach nur eine Zahl. Hinter jedem Arbeitsplatz stehen Familien, Existenzen und jahrzehntelange Beziehungen. „Für uns gehört das alles dazu“, sagt er über die Region und die Menschen vor Ort. Genau deshalb trifft ihn vieles, was sich gerade verändert, besonders stark.

Große Investition soll Zukunft der Bäckerei sichern

Aktuell beschäftigt Lennartz vor allem ein großes Investitionsprojekt. Die Bäckerei plant eine neue, klimafreundliche Kühlanlage mit moderner Verbundtechnik. Alte Systeme sollen ersetzt, Energie eingespart und Abläufe effizienter gestaltet werden. Doch plötzlich steht das gesamte Projekt auf der Kippe. Der Grund: möglicherweise nicht genügend Stromkapazität. „Das ist existenzgefährdend“, sagt Lennartz offen. Hohe Summen seien bereits investiert worden – inklusive Anzahlungen und vorbereiteter Umbauten.

Nun fehle aber die verbindliche Zusage, dass die notwendige Stromversorgung überhaupt möglich sei. Die Unsicherheit begleitet ihn mittlerweile bis nachts in den Schlaf. „Das geistert mir jede Nacht durch den Kopf“, sagt er. Auch die Gesamtinvestition, die sich auf rund 1,5 Millionen Euro belaufen werde.

Das Bild zeigt einen Croissant-Rohling.

Das wird mal ein Schoko-Croissant. In Sachen Rezeptur wird um einige Backwaren ein kleines bis großes Geheimnis gemacht.

Das Bild zeigt den Chef der Bäckerei im Gespräch mit Klaus Voussem.

Unternehmenschef Thorsten Lennartz im Gespräch mit Klaus Voussem, dem CDU-Landtagsabgeordneten.

Dabei geht es nicht nur um Technik. Die neuen Anlagen sollen langfristig Energie sparen, klimafreundlicher arbeiten und die Produktion modernisieren. Gleichzeitig möchte Lennartz die Arbeitsbedingungen verbessern und Prozesse stärker in die Tagesproduktion verlagern.

Während viele Großbäckereien längst stark automatisiert produzieren, hält Lennartz nach eigenen Angaben bewusst am klassischen Handwerk fest. Die allermeisten Produkte werden weiterhin von Hand verarbeitet, geformt oder verpackt. Weihnachtsgebäck wird einzeln abgewogen und eingeschweißt, Brote mehrfach von Hand aufgearbeitet, Spezialitäten wie Martinswecken traditionell hergestellt. Lediglich bei den Brötchen gebe es Hilfe durch eine Maschine. „Wir beschäftigen eben auch Mitarbeiter“, sagt er. Genau darin sieht er den Unterschied zur Industrie: Qualität, Zeit und echtes Handwerk.

Langzeitführung bei Teig ist in der Bäckerei Lennatz wichtig

Besonders wichtig ist ihm die sogenannte Langzeitführung der Teige. Dabei bekommen Brote und Brötchen deutlich mehr Ruhezeit, wodurch Geschmack, Frische und Verträglichkeit verbessert werden. „Viele Unverträglichkeiten kommen daher, dass heute alles viel zu schnell gehen muss.“

Der Betrieb setzt bewusst auf Sauerteig, regionale Zutaten und traditionelle Herstellungsverfahren – Dinge, die für Lennartz selbstverständlich sind, heute aber oft schon als Besonderheit gelten. So werde Sauerteig in den Sozialen Netzwerken gerade gehypt. „Ich würde dafür nie Werbung machen, weil das für uns eine Selbstverständlichkeit ist. Aber um junge Menschen vom Bäckerhandwerk zu begeistern, muss man das dann tun – Dinge, die für uns alltäglich sind, als etwas Besonderes heraustellen“, so der Bäckerei-Chef.

Wir ergänzen uns richtig gut. Ich bekomme von den beiden auch schon mal Tipps. Wir tauschen uns regelmäßig aus.
Torsten Lennartz, Bäckermeister

Auch Rohstoffe werden zunehmend zum Problem. Preise explodieren, Lieferketten verändern sich weltweit. Kirschen, Rosinen oder Nüsse kosten teilweise ein Vielfaches im Vergleich zu früher. Ein Beispiel bleibt ihm besonders im Kopf: Kirschen, die früher sechs Euro pro Dose kosteten, liegen mittlerweile bei mehr als 20 Euro. Viele Kollegen hätten Produkte deshalb bereits aus dem Sortiment gestrichen. Lennartz will diesen Weg möglichst vermeiden. „Dann kostet das Stück eben ein paar Cent mehr. Aber ich will deswegen nicht aufhören“, sagt der Kuchenheimer.

Ein weiteres großes Thema: Personal. Zwar erhält die Bäckerei nach eigenen Angaben weiterhin Bewerbungen, dennoch fehlen Fachkräfte – besonders in der Backstube und Konditorei. In der Backstube stehen aber auch zwei ehemalige Kollegen. Ralf Leber und Wolfgang Kalt hatten bis vor einigen Jahren selbst in Euskirchen noch eine Bäckerei. Nun arbeiten sie bei Lennartz. „Wir ergänzen uns richtig gut. Ich bekomme von den beiden auch schon mal Tipps. Wir tauschen uns regelmäßig aus“, sagt Lennartz.

Neue Produkte orientieren sich auch der Jugend

Zu allem kommt ein gesellschaftlicher Wandel hinzu, den Lennartz sehr deutlich spürt. Viele junge Menschen möchten keine Nachtarbeit mehr leisten, andere besitzen keinen Führerschein und sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen – ein Problem bei Arbeitszeiten mitten in der Nacht.

Auch über Mindestlohn, Minijobs und Motivation spricht er offen. Dabei kritisiert er weniger die Bezahlung an sich, sondern fehlende Unterschiede zwischen kurzfristigen Nebenjobs und langfristig ausgebildeten Fachkräften. Ein Minijob sollte aus seiner Sicht nicht zwingend mit dem Mindestlohn bezahlt werden. Gleichzeitig versucht der Familienbetrieb, sich selbst zu verändern: Modernere Arbeitsmodelle, mehr Tagesproduktion und attraktivere Arbeitsbedingungen sollen helfen, Mitarbeitende zu halten.

Der Betrieb in Kuchenheim wird stetig weiterentwickelt

Trotz aller Herausforderungen versucht Lennartz, den Betrieb ständig weiterzuentwickeln. Neue Produkte entstehen oft direkt aus Kunden-Feedback oder Impulsen der jüngeren Generation heraus. So entstanden etwa ein neues Burgerbrötchen und moderne Rezeptideen, die seine Tochter mit beeinflusst. Im konkreten Fall ein weiches Körnerbrötchen. Die darin verarbeitete Gewürzmischung sei ein Unternehmensgeheimnis. „Für mich muss ein Brötchen hart gebacken sein, knuspern. Für die jüngere Generation nicht. Also entwickeln wir uns weiter“, so der Kuchenheimer Bäckermeister.

Parallel arbeitet die Bäckerei an einer eigenen App. Kunden sollen dort künftig Produkte vorbestellen, Bonusprogramme nutzen oder gezielt Angebote erhalten können. „Wir wollen den Kunden direkter erreichen.“ Auch intern verändert sich vieles: Moderne Aufenthaltsbereiche, neue Ideen für die Mitarbeitergewinnung und bewusst andere Bewerbungsgespräche gehören mittlerweile dazu. Eine besonders ungewöhnliche Idee stammt von einem Besuch bei Kollegen in Hamburg: Bewerbungsgespräche auf Schaukeln statt am Konferenztisch. „Du bist lockerer, freier – das verändert das Gespräch komplett.“

Emotional wird Lennartz, wenn es um regionale Verbundenheit geht. Er erzählt von Vereinen, Veranstaltungen und Orten, die bewusst auf seine Bäckerei setzen – selbst wenn günstigere Alternativen möglich wären. Diese Loyalität bedeutet ihm viel. Gleichzeitig kritisiert er Entwicklungen im Einzelhandel, neue Supermarktstandorte und politische Entscheidungen, die lokale Betriebe zunehmend unter Druck setzen. „Die Leute geben ihr Geld nur einmal aus.“ Er sieht die Gefahr, dass zwar immer mehr Nahversorgung aufgebaut wird, aber gleichzeitig die wirtschaftliche Grundlage regionaler Betriebe schwindet.


Ausgezeichneter Bäckerbetrieb

Die Bäckerei-Konditorei Lennartz aus Kuchenheim ist erneut mit dem Ehrenpreis des Landes Nordrhein-Westfalen „Meister.Werk. NRW 2026 im Lebensmittelhandwerk“ ausgezeichnet worden. Die Ehrung wurde am 13. April 2026 in Düsseldorf von NRW-Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin Silke Gorißen durchgeführt.

Mit dem Preis würdigt das Land Nordrhein-Westfalen Betriebe des Lebensmittelhandwerks, die sich durch besondere handwerkliche Qualität, verantwortungsvolle Betriebsführung, nachhaltiges Handeln und eine enge regionale Verbundenheit auszeichnen.

„Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung ‚Meister.Werk.NRW 2026‘. Sie ist für uns eine besondere Bestätigung unserer täglichen Arbeit und unseres Anspruchs, unseren Kundinnen und Kunden hochwertige handwerklich hergestellte Produkte aus unserer Region anzubieten“, erklärt Torsten Lennartz, Chef der Kuchenheimer Bäckerei.