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Festival für Mundart„Mir kalle Platt“ belebt die Sprache und den Tourismus

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Eine Reihe Eifeler Musiker steht auf einer Bühne, die angeleuchtet wird. Vor ihnen befindet sich ein Publikum, das mit dem Rücken zur Kamera gewandt ist, im Dunklen.

Die Eröffnungsfeier von „Mir kalle Platt“ im Pingsdorfer Tanzsaal war gut besucht.

Was hat bei der dritten Ausgabe des Festivals funktioniert und was nicht? Die Organisatoren ziehen Bilanz und kündigen Feinschliff an.

Beim Sprechen von Eifeler Platt kann man „ch“ und „g“ getrost vergessen und durch „sch“ und „j“ ersetzen. Damit solche und weitere sprachliche Besonderheiten regionaler Dialekte nicht in Vergessenheit geraten, lief im dritten Quartal 2025 das Mundartfestival „Mir kalle Platt“. Die Veranstaltungsreihe an verschiedenen Standorten im Kreis Euskirchen fand zum dritten Mal statt. Die Organisatoren der Nordeifel Tourismus GmbH haben jetzt Bilanz gezogen. Sie sprachen dabei auch über den Kontrast zwischen heiß begehrten Veranstaltungen und abgesagten Terminen.

„2025 haben über 1000 Interessierte an den Veranstaltungen von Mir kalle Platt teilgenommen“, sagt Nicole Habrich, die Hauptverantwortliche des Mundartfestivals. Nach ihrer Einschätzung waren die meisten Festivalbesucher zwischen 40 und 80 Jahre alt. Die Veranstaltungen sind laut der Festival-Leiterin so konzipiert, dass sie niemanden ausschließen: „Es soll auch Menschen Spaß machen, die nicht aus der Eifel kommen und kein Wort Platt sprechen.“

Kneipenquiz auf Platt wird auch außerhalb des Festivals angeboten

Das 2025er-Festival war gut angelaufen. „Wir hatten eine tolle Eröffnungsfeier“, berichtet Habrich: „Bei der hohen Nachfrage hätten wir doppelt so viele Karten verkaufen können.“ Den Veranstaltern sei es aber auch wichtig, kleinere Programme anzubieten. „Die kleinen Veranstaltungen sind intimer“, sagt die 51-Jährige: „Es geht nicht darum, nur den Saal voll zu bekommen, sondern für jeden ein buntes Programm zusammenzustellen.“

Nach der Eröffnung im Pingsdorfer Tanzsaal im LVR-Freilichtmuseum Kommern folgten Angebote wie „Höck witt jekauch“, ein Kochkurs auf Platt, ebenso Mundart-Workshops, Mitmachkonzerte oder auch das Schulkonzert „Pänz im Rampenlicht“ in Blankenheim.

Eine Frau schneidet Brot in traditioneller Bekleidung.

Auch ein Kochkursus gehörte zum Programm.

Das Kneipenquiz „Nöss knacke mött Köppche“ in der Gaststätte Gier in Kall war nach Angaben der Veranstalter ein voller Erfolg. „Das liegt sicher auch daran, dass die Gaststätte ein authentischer Ort ist“, merkt Patrick Schmidder an, der Geschäftsführer der Nordeifel Tourismus. Die Idee sei so gut angekommen, dass die Gaststätte das Mundart-Kneipenquiz in diesem Jahr auch außerhalb des Festivals ausrichte. Und das ist ganz im Sinne der Veranstalter: „Einzelveranstaltungen beim Mundartfestival sind erstmal Pilotprojekte“, führt Schmidder aus: „Wir freuen uns, wenn sie so gut funktionieren.“

Die erste Ausgabe des Mundartfestivals war 2022 mit fünf Veranstaltungen über die Bühne gegangen. Im Folgejahr wurde das Angebot nach Darstellung der Organisatoren mehr als verdoppelt. 2025 waren 14 Veranstaltungen angesetzt. Vier mussten wegen mangelnder Nachfrage abgesagt werden. Darunter fallen ein fünfteiliger Sprachkurs mit Manni Lang, ein Mitsingkonzert und ein Workshop mit anschließender Vorführung, die von regionalen Künstlern begleitet werden sollte.

Viele Menschen buchen kurzfristiger und wollen flexibler bleiben

Wie lassen sich die Absagen erklären? Kürzlich zogen die Organisatoren ein Resümee, besprachen sich mit Expertinnen und Experten. Ein Ergebnis: Bei dem Workshop, der vormittags unter der Woche geplant war, gab es mehrere Hürden. „Die Menschen mussten selbst auf einer Bühne vor Publikum Platt sprechen“, gibt Habrich zu bedenken. Auch könnte die Terminierung Interessierte abgeschreckt haben, da sie sich für die Teilnahme extra hätten freinehmen müssen. Und, so Habrich: „Die Menschen wollen weniger Zeit in Workshops investieren.“

Wegen der zu geringen Zahl an Zusagen haben man schweren Herzens den Künstlern absagen müssen, die die Teilnehmenden am zweiten Tag auf der Bühne unterstützen sollten.

„Bei den Sprachkursen war auffällig, dass das gleiche Konzept 2023 mit drei Terminen sehr viel besser angenommen wurde als jetzt“, sagt Habrich. Man habe aber feststellen können, dass die Interessierten bei Veranstaltungen immer stärker zum spontanen Ticketkauf tendierten und zeitlich flexibler bleiben wollten. „In Zukunft wollen wir eher einen Platt-Crashkurs über einen Abend anbieten“, sagt Habrich. Auch die Länge des Festivals insgesamt wolle man verkürzen, fügt Schmidder hinzu.

Organisatoren loben Förderer und regionale Künstler

„Man muss auch mal Dinge ausprobieren“, sagt Habrich, Ansprechpartnerin für Kultur und Qualität bei Nordeifel Tourismus, zum weiteren Vorgehen: „Wichtig ist, dass wir unsere Schlüsse daraus ziehen.“ „Trial and Error gehört in der Kulturszene dazu“, stimmt Patrick Schmidder zu.

Die Chance für den Feinschliff sei auch der Förderung der Veranstaltungsreihe zu verdanken. Geld kam unter anderem vom Landesministerium für Kultur und Wissenschaft, und zwar aus dem Topf „Regionales Kultur Programm NRW“. Die VR-Bank Nordeifel war als Hauptsponsor beteiligt. Der Kreis Euskirchen unterstützte die Reihe ebenfalls. „Die Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden des Kreises war super“, lobt Schmidder.

Stephan Brings spielt Gitarre und singt auf einer Bühne.

Ein prominenter Unterstützer des Mundartfestivals ist Stephan Brings.

Günter Hochgürtel, Frontmann der Musikgruppe Wibbelstetz, hatte die Initiative „Mir kalle Platt“ auf Kreisebene angestoßen, um die heimische Mundart lebendig zu halten. Hochgürtel, seine Band und viele andere Künstler brachten sich mehrfach ein. „Zehn Partner, dreizehn Einzelkünstler und zehn Ensembles haben wiederholt mitangepackt“, bilanziert Habrich und spricht den Beteiligten ihren Dank aus: „Wir waren zwar die Organisatoren, aber für ihre jeweiligen Veranstaltungen waren die Künstler selbst verantwortlich.“

Mundartfestival gibt regionalen Künstlern eine Bühne

Nach Angaben der Organisatoren wird das Konzept für die nächste Auflage im Frühsommer in einer weiteren Expertenrunde besprochen. „Um Fördergelder zu beantragen, braucht es einen langen Vorlauf“, erläutert Habrich. Mit einer Bestätigung oder einer Absage sei für Anfang 2027 zu rechnen.

„Wenn alles nach Plan läuft, wird das Festival im zweijährigen Rhythmus ausgerichtet – immer im Wechsel mit dem Nordeifel-Mordeifel-Festival in den geraden Jahren“, kündigt Habrich an. Der Wechsel biete sich in zweifacher Hinsicht an: Einerseits wachse so die Lust beim Publikum, andererseits werde so dem Planungsaufwand Rechnung getragen.

Warum braucht es ein Mundartfestival in der Eifel? „Für mich ist Platt Heimat“, sagt Nicole Habrich: „Sobald Platt gesprochen wird, ist die Stimmung viel familiärer.“ Das diene der Identifikation. „Es ist viel schöner, auf Platt zu schimpfen, als auf Hochdeutsch“, sagt sie und lacht. Mit der Reihe wolle man regionalen Künstlern, wie auch der Gruppe Blechformat, eine Bühne geben. „Auch die touristische Attraktivität kann mit solchen Reihen gesteigert werden“, ergänzt Schmidder.