Für viele Bahnfahrgäste im Kreis Euskirchen wird der Ticketkauf wegen der Tücken der neuen Automaten zur Geduldsprobe.
Frust am FahrscheinautomatGo.Rheinland schult Bahnkunden in Euskirchen beim Ticketkauf

Fahrscheine können in den Zügen nicht mehr entwertet werden. Kommen sie aus dem Automaten, sind sie es bereits. (Symbolbild)
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Wer ein Zugticket am Automaten kaufen will, braucht Geduld und muss trotzdem schnell sein. Klingt wie ein Widerspruch, und ist auch einer. Aber wenn ein Zug per se bei der Deutschen Bahn (DB) offiziell erst dann als verspätet gilt, wenn er später als sechs Minuten nach der planmäßigen Ankunftszeit am Zielbahnhof eintrifft, verwundert das wohl nicht.
So verwundert es ebenfalls nicht, dass Go.Rheinland Schulungen für die Bedienung der neuen Fahrscheinautomaten anbietet. Die sollen eigentlich den Ticketkauf im Nah- und Fernverkehr so einfach wie möglich machen. Insgesamt 330 Geräte sind inzwischen im Einsatz. Sie gelten als technisch auf dem neuesten Stand, bieten ein barrierefreies, mehrsprachiges Touch-Display, kostenloses WLAN sowie intuitive Bedienung und Bezahlung. Zudem entsprechen sie bereits den Anforderungen des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes 2025, etwa durch integrierte Screenreader und Sprachsteuerung.
Beim Zögern droht schnell ein Abbruch der Ticketbuchung
Das alles ist zwar gut gemeint, aber offenbar sind manche Fahrgäste durch die Technik – oder deren Tücken – überfordert. „Unsere Fahrkartenautomaten sind grundsätzlich intuitiv bedienbar, dennoch zeigen die Erfahrungen, dass es in der Praxis häufig zu Unsicherheiten kommt – etwa bei der Auswahl von Tarifoptionen, Zusatzprodukten oder der Nutzung spezieller Funktionen“, sagt Holger Klein, Pressesprecher von Go.Rheinland. Go.Rheinland ist der Dachzweckverband, dem der VRS und der Aachener Verkehrsverbund angehören.
Um den Mikrokosmos „Ticketautomat“ ein wenig zu erklären, hat Go.Rheinland nun am Euskirchener Bahnhof eine Schulung angeboten. Zwölf Interessierte lauschten den Ausführungen eines Ticketautomaten-Experten, stellten Fragen und erhielten auch Antworten.

Alles kann, nichts muss: Die Möglichkeiten mit dem neuen Fahrscheinautomaten scheinen grenzenlos zu sein.
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Allerdings wurden in der Schulung auch zwei Schwächen des Systems deutlich: Der Touchscreen reagiert langsam, bestraft aber Untätigkeit – die sehr häufig aus Unwissenheit oder Unsicherheit resultiert – sofort und radikal mit dem Abbruch der Buchung.
„Beim Ticketkauf muss man schon auf Zack sein. Eine WhatsApp zwischendurch lesen, geht nicht“, sagte der Go.Rheinland-Experte. Oder eine Frage während der Schulung beantworten auch nicht. Die begonnene Buchung eines Tickets nach Köln hatte sich danach nämlich erledigt und musste von vorne begonnen werden. „Das Problem ist uns bekannt, und wir würden uns wünschen, wenn man die Automaten dahingehend umprogrammieren könnte“, so der Experte.
Touchscreen reagiert langsam – Automat macht aber Vorschläge
So schnell der Automat die Buchung abbricht, so langsam reagiert der Touchscreen. Wer beispielsweise Köln auf der Tastatur des Automaten eingeben will, darf das nicht allzu schnell machen, weil die Technik einfach nicht mitkommt.
Aber: Der Automat zeigt am linken Rand des Bildschirms die beliebtesten Fahrziele. Wer beispielsweise „K“ drückt, weil er nach Köln möchte, der bekommt sofort „Köln Central Station“ am linken Rand angezeigt und spart sich die restlichen Buchstaben von „Köln“.

Das Interesse an der Schulung für den Ticketautomaten von Go.Rheinland war recht groß.
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Wer sich dann durch den Tarifdschungel und die schier unendlichen Möglichkeiten geklickt hat (immer mit Geduld und dennoch zügig), der steht vor der nächsten Hürde: dem Bezahlen. Am Ticketautomaten im Bahnhofsgebäude – gegenüber vom Go.Rheinland-Center – können die Tickets nur mit Karte bezahlt werden. Wer sein Ticket mit Bargeld bezahlen möchte, muss entweder ins Kundencenter oder den Fahrscheinautomaten an der westlichen Seite des Gebäudes nutzen. Der Automat befindet sich gut sichtbar in der Nähe der Unterführung zu den Gleisen und zum Park-and-Ride-Parkplatz.
Einfach kontaktlos zahlen? Schwierig, wenn alles blinkt
Laut Go.Rheinland zeigt der Automat im Display an, welche Banknoten und welche Münzen er (noch) akzeptiert. Ist der Automat voll, kann auch dort bis zu seiner Leerung nicht mehr bar bezahlt werden. Klein zufolge zahlen mittlerweile viele Kunden kontaktlos oder mit EC- oder Kreditkarte. „Durch den Einsatz bargeldloser Fahrscheinautomaten können nicht nur die Betriebskosten gesenkt, sondern auch die Verfügbarkeit und Funktionsfähigkeit der Automaten verbessert werden“, erläutert der Sprecher. Die Entscheidung diene also dazu, „mehr Zuverlässigkeit, Sicherheit und Effizienz im Vertriebssystem“ zu etablieren.
Aber wo muss der Kunde die EC- oder Kreditkarte hinhalten, um das Ticket zu bezahlen? Beim Selbstversuch der Redaktion wurde so lange gesucht, bis der Automat den Vorgang abgebrochen hatte. Wenn dann die Schlange hinter einem immer länger wird, der Zug schon in den Bahnhof eingefahren ist – und das sogar noch pünktlich –, dann steigen der Adrenalinspiegel und das Frustpotenzial.
Zumal der Automat an der Unterführung auch noch kräftig zu blinken beginnt. Das Fach für die Geldscheine blinkt, das Fach für die Rückgabe des Wechselgelds blinkt, der Schlitz für die Münzen blinkt und die Fläche für die Go.Rheinland-Chipkarte blinkt. Nur das Feld für die kontaktlose Kartenzahlung blinkt nicht – weil es das nicht gibt.
Hinweis-Aufkleber könnten den ersten Ticketkauf erleichtern
Wer mit der Karte kontaktlos sein Ticket zahlen möchte, der muss die EC-Karte an den schwarzen Rahmen des EC-Karten-Terminals halten. „Es ist zu überlegen, einen kleinen Aufkleber dort anzubringen“, sagte der Go.Rheinland-Experte. Menschen, die das Suchspiel einmal erfolgreich gemeistert haben, wissen ab dann, wo sie die Karte schnell dranhalten müssen, um keinen Abbruch zu riskieren. Wer aber das erste Mal am neuen Automaten steht, dem wäre mit dem Hinweis-Aufkleber sehr geholfen.
„Mit unseren Schulungen möchten wir sicherstellen, dass alle Kundinnen und Kunden die Geräte nicht nur bedienen können, sondern auch die vielfältigen Möglichkeiten kennen und effizient nutzen“, so Pressesprecher Klein. Die Schulung am Montagnachmittag hat gezeigt: Eine Wiederholung des Angebots könnte ratsam sein.
Das Servicecenter von Go.Rheinland im Euskirchener Bahnhof hat montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr und von 12.45 bis 17 Uhr geöffnet. Samstag, Sonntag und an Feiertagen ist es geschlossen.
Tipps und Hinweise zum Ticketkauf
In den allermeisten Fällen, so Go.Rheinland, lohnt sich ein Vergleich der Ticketoptionen. Vor allem dann, wenn zwei Erwachsene eine Strecke hin und zurück fahren wollen. Ist das beispielsweise von Euskirchen nach Köln der Fall, kostet eine Fahrt für einen Erwachsenen 10,18 Euro. Hin und zurück kostet das Ticket für einen Erwachsenen entsprechend 20,36 Euro. Das mal zwei sind: 40,72 Euro.
Für das 24-Stunden-Ticket (erlaubt in einer Preisstufe, Köln hat die Preisstufe 4, so viele Fahrten wie man möchte) zahlt man 19,88 Euro. Kauft sich jeder ein 24-Stunden-Ticket ist man bei einem Betrag von 39,76 Euro. Das 24-Stunden-Minigruppen-Ticket im VRS kostet 36,76 Euro. Damit können bis zu fünf Personen fahren.
Kinder fahren im Nahverkehr – beispielsweise von Euskirchen nach Köln – bis zum sechsten Lebensjahr gratis. Ist das Kind älter, geht aber noch nicht in der Schule, fährt es ebenfalls kostenfrei. Vom 6. bis zum 14. Lebensjahr kostet das Ticket von Euskirchen nach Köln (Preisstufe 4) für eine Fahrt 4,85 Euro. Kinder bis inklusive 14 Jahre reisen im Fernverkehr kostenfrei mit einer Begleitperson, die mindestens 15 Jahre alt ist. Wichtig: Kinder unter 6 werden nicht auf der Fahrkarte aufgeführt, Kinder von 6 bis 14 Jahren schon.
Euregio-Ticket gilt für einen Tag
Euregio-Ticket: ein Tag, ein Preis, die gesamte Euregio Maas-Rhein: Das Euregio-Ticket des Aachener Verkehrsverbund (AVV) macht's möglich. Mit dem Ticket können einen Tag lang in der Euregio-Maas-Rhein nahezu alle Busse, Straßenbahnen und Nahverkehrszüge genutzt werden.
An Wochenenden und nationalen Feiertagen – egal ob in Belgien, den Niederlanden oder Deutschland – gilt das Ticket einen Tag lang für maximal zwei Erwachsene und drei Kinder unter zwölf Jahren in der gesamten Euregio-Maas-Rhein. Und das für 23,50 Euro. Kinder unter vier Jahren fahren kostenlos mit.
Am Automaten kann man auch Abfahrtszeiten nachschauen
ICE: Wer ein Ticket für den ICE benötigt, kauft das am besten nicht am Automaten. Der Grund: Sparpreise werden dort nicht angeboten. Am Automaten gibt es immer nur den sogenannten Flex-Tarif. Der Vorteil des Flex-Tarifs: Es gibt keine Zugbindung. Der Nachteil: die hohen Kosten aufgrund der Flexibilität.
Ein Einzelticket kann am Automaten nicht auf „Vorrat“ gekauft werden. Es ist auch nicht möglich, sich montags ein Ticket für eine Fahrt am Dienstag zu kaufen. Einzeltickets gibt es nur tagesaktuell, praktisch zur sofortigen Benutzung.
Wer kein Ticket benötigt, aber Abfahrtszeiten nachschauen möchte, kann das am Automaten tun. Besonderes Feature: Die Fahrplanauskunft kann man sich am Automaten kostenlos ausdrucken. Das gilt nicht nur für Fahrten ab Euskirchen, sondern für alle Strecken im Verkehrsverbund.

