Im Kreis Euskirchen herrscht Karnevalsmaus-Fieber: Druckluft liefert den Sessionshit, doch auch Klassiker wie das „Trömmelche“ bleiben Favoriten. Und die Redaktion hat einen ganz anderen Tipp.
Sessionshit der JeckeAn der Karnevalsmaus führt im Kreis Euskirchen kein Weg vorbei

Welcher Song bringt die Hallen im Kreis Euskirchen zum Ausrasten? Die Jecken haben einen eindeutigen Favoriten.
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Auf der Suche nach dem Sessionshit muss im Kreis Euskirchen wohl keine Mausefalle aufgestellt werden. Karnevalsmäuse fängt man ohnehin mit Konfetti. Eine nicht repräsentative Umfrage unter den Jecken quer durch den Kreis lässt keinen Zweifel: Auf den Playlists darf die „Karnevalsmaus“ von Druckluft nicht fehlen. Auffällig ist aber auch: Klassiker wie das „Trömmelche“ werden von den Jecken weiterhin regelmäßig auf den Spitzenplätzen genannt.
Doch nicht alle sind vom vermeintlichen Sessionshit begeistert. Stephanie Kuhnert aus Euskirchen hat sich an der „Karnevalsmaus“ bereits sattgehört, bevor die Session richtig Fahrt aufgenommen hat. Sie feiert lieber zu „Adios Amigos“ von Kasalla. Wenn es mal etwas ruhiger zugeht, läuft bei ihr „Niemols im Levve“ von Mätropolis. „Ich finde es schade, dass Cat Ballou immer mehr Hochdeutsch singt“, sagt Kuhnert über das neue Lied der Kölner Band: „Eau de Cologne“.
Brings könnte mit „Lääv di Lääve“ auch am Ballermann laufen
Auch Brings ist mit „Lääv di Lääve“ wieder mit von der Partie. Der Song steht bei den Jecken hoch im Kurs – auch wenn der Beat eher an einen Mallorca-Megapark erinnert. So richtig viel Karneval steckt da vielleicht nicht drin. Aber: Als Brings vor 24 Jahren „Superjeilezick“ veröffentlichte, passte das ebenfalls nicht in das damalige Verständnis von Karnevalsmusik – und wurde doch ein Klassiker.
Björn Wassong, der als „Ne Jeck im Rähn“ schon auf fast jeder Bühne in der Region und in Köln stand, hört zwischen seinen Auftritten viel Musik – auch abseits der neuen Hits. „Heute schreibt fast jede Band Songs über Frauen. Auch wenn die Bläck Fööss mit ‚Katrin‘ und dem ‚Meiers Kättche‘ vor Jahrzehnten angefangen haben, haben die Paveier mit ‚Leev Marie‘ vor drei Jahren einen echten Ohrwurm gelandet“, sagt Wassong. Gerne hört er auch „Kölsche Jung“ von Brings – der Sessionshit von 2014, als er selbst als Prinz Björn I. zusammen mit Bauer Mischel (Michael Hochgürtel) und Jungfrau Michaela (Michael Lock) die Weyerer Jecken regierte.
Wer sein Lied ‚Konfettirään‘ nennt, hat beim Jeck im Rähn natürlich einen Stein im Brett.
Wenn es bei ihm mal etwas ruhiger zugeht, läuft das „Veedel“ von den Bläck Fööss. Der Klassiker von 1977 sei aktueller denn je, findet Wassong: „Das Lied bringt auf den Punkt, was Karneval ausmacht – Gemeinschaft, Fastelovendsfamilisch, das Dorf, das Veedel.“ Bei den aktuellen Hits bleibt er den Paveiern treu: „Wer sein Lied ‚Konfettirään‘ nennt, hat beim Jeck im Rähn natürlich einen Stein im Brett.“ Auch das Dreigestirn der „Weyerer Blömche“ – Prinz Annika I. (Meier), Bauer Jenni (Höller) und Jungfrau Larissa (Stolze) – ist mit Volldampf in die Session gestartet. Ihre Favoriten stehen fest: „Die Karnevalsmaus, der Konfettirään und Eau de Cologne dürfen auf keiner Playlist fehlen“, sagt Prinz Annika I.
In Metternich setzt man dagegen auf Rock: Wenn Iris Erdmenger als Prinzessin der KG Metternich auf die Bühne zieht, erklingen keine Fanfaren, sondern die Glocken von „Hells Bells“. Danach dröhnt ein Motorradsound, und ehe man sich versieht, stehen ihre Rocker-Mädels mit Drumsticks bereit.

Euskirchens Tanzmariechen Lena Weiß hat durch den Hype um die Karnevalsmaus noch nicht viele andere Lieder gehört.
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Feiert den neuen Song von Kasalla: Stephanie Kuhnert.
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Erst wenn die Beats von „We Will Rock You“ verklungen sind, zieht die Prinzessin selbst ein – mit Energie und Augenzwinkern. „Ich bin die Prinzessin mit Konfetti im Herzen und Hardrock im Blut“, sagt Erdmenger. Seit Jahren ist sie im Vorstand der KG aktiv und tief im Vereinsleben verwurzelt. Musikalisch schlägt ihr Herz aber anders: „Seit ich meinen Mann 2012 kennengelernt habe, geht's bei uns härter zu – von AC/DC bis Metallica, sogar Wacken gehört dazu.“
Ihr Einzug ist ein Statement: Karneval kann auch rocken. Zwischen „Hells Bells“ und „Black Betty“ wird im Metternicher Zelt geschunkelt – allerdings mit E-Gitarren im Hintergrund. Danach darf es auch wieder Karnevalsmusik sein. „Die Mischung macht's“, sagt Erdmenger. „Wir feiern beides: Karneval und Rock ‚n‘ Roll.“
Dreigestirn aus Arloff-Kirspenich ist im Karnevalsmaus-Fieber
Auch DJ Jörg Grewe hat in dieser Session schon kräftig gefeiert – und bis Aschermittwoch kommen noch viele Auftritte dazu. Die Band Lupo hat mit „fastelovenDJ (Bum Bum)“ einen Hit gelandet, der perfekt zu ihm passt. „In Euskirchen funktioniert das ‚Trömmelche‘ sensationell“, berichtet Grewe. Auch der „Kölsche Jung“ dürfe auf keiner Playlist fehlen. Und überraschend nennt er noch einen weiteren Song, der bestens ankommt: „Mir schenke der Ahl e paar Blömcher“. „Das funktioniert auch bei der jüngeren Generation“, sagt er.
Maus-Fieber in Arloff-Kirspenich Kollege Tom Ley bringt es auf den Punkt, was dieses Jahr auf keinen Fall fehlen darf: „Ganz klar: die Paveier mit ‚Konfettirään‘ und Druckluft mit der ‚Karnevalsmaus‘ – wobei die Version mit Nancy Franck einfach noch ein bisschen mehr knallt.“ Auch Klassiker wie „Leev Marie“ und „Polka, Polka, Polka“ von Brings gehören für ihn zu jeder guten Karnevalsparty. Wenn's mal ausgefallener sein darf, legt der Mechernicher auch Oimara mit „Wackelkontakt“ oder Safri Duo mit „Played Alive“ auf.
Durch den Hype um die ‚Karnevalsmaus‘ sind bei mir noch gar nicht so viele andere Lieder angekommen.
In Arloff-Kirspenich ist das Dreigestirn um Prinz Tanja (Krüger), Jungfrau Nicole (Jerhoff) und Bauer Renate (von Hülsen) voll im Karnevalsmaus-Fieber. Sogar das Tambourcorps der KG „Mer jonn met“ hat den Song einstudiert, und auch der Elferrat hat das Thema in seinem Kostüm aufgegriffen.
Für den Zülpicher Prinzen Tobi I. (Esser) geht nichts über die „Zülpicher Nationalhymne“: „Zöllechs ahle Muure“. Von den aktuellen Songs läuft bei der Tollität der Römerstadt vor allem „Lääv di Lääve“ von Brings in Dauerschleife, dicht gefolgt von der „Karnevalsmaus“ – übrigens auch der Favorit seiner Frau Ramona.
Bei der Showtanzgruppe High Energy aus Billig spielt die Playlist eine große Rolle
Lena Weiß, Funkenmariechen der Euskirchener Prinzengarde, gibt zu: „Durch den Hype um die ‚Karnevalsmaus‘ sind bei mir noch gar nicht so viele andere Lieder angekommen. Ich höre mich gerade durch. Ich denke, dass die Proklamation am Samstag helfen wird.“ Dort wird es aber sicher nicht nur aktuelle Hits geben: Die designierte Prinzessin Colette I. (Leber) will in der Alten Tuchfabrik ihr ganz persönliches Sessionslied singen.
Auch die Showtanzgruppe High Energy aus Billig legt großen Wert auf die richtige Playlist – schließlich sitzen die Tänzerinnen und Tänzer am Wochenende viele Stunden im Bus. Aus den Boxen dröhnen dann häufig „Sie liebt den DJ“, „Señorita“ von Almklausi oder eben – wenig überraschend – die „Karnevalsmaus“.
In Vussem, einer Karnevalshochburg im Mechernicher Stadtgebiet, sieht es ähnlich aus: Ganz oben auf der Heavy-Rotation stehen die „Karnevalsmaus“, der „fastelovenDJ (Bum Bum)“ und „Adios Amigos“ von Kasalla, berichtet Tamara Empt, die in der vergangenen Session die Vussemer Jecke regiert hat.
Und auch die Fußgruppe „Jecke Höhner“ ist aus dem Euskirchener Karneval nicht wegzudenken – genau wie das „Oeskerche Lied“. „Das spielen wir immer, wenn wir an den Euskirchener Tollitäten vorbeiziehen“, sagt Silke Altenbach, eine der Köpfe der Gruppe. Für sie persönlich dürfen „Wolkeplatz“ von Miljö und „Stääne“ von den Klüngelköpp auf keiner Playlist fehlen – beide mit emotionaler Bedeutung: Sie erinnern an eine früh verstorbene Freundin, die ebenfalls ein „Jeckes Hohn“ war.
DJ Ötzis „Tirol“ läuft auch im Karneval rauf und runter
Zwölf Jahre nach seinem Erscheinen erlebt DJ Ötzis Song „Tirol“ ein überraschendes Comeback – und zwar dort, wo Pop- und Meme-Kultur heute entstehen: auf TikTok und Instagram. Der Titel aus dem Jahr 2013 wird aktuell millionenfach in Clips, Edits und ironischen Kurzvideos verwendet.
Auch Marc Eggers und die Band Malle Anja sind auf den Zug aufgesprungen und haben zur Melodie von Men at Works „Down Under“ die Köln-Hymne „Kölle am Ring“ getextet. Veröffentlicht haben Eggers und Malle Anja die Single erst kurz vor Weihnachten. Entsprechend ist sie auf den einschlägigen Karnevals-Samplern nicht zu finden – aber irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass der Song bis Karneval noch ziemlich oft zu hören sein wird.

