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SozialindexKitas erhalten überwiegend gute Werte – nur in Euskirchen hoher Unterstützungsbedarf

Im Kreis Euskirchen gehören 141 von 160 Kitas zu den drei besten Stufen des neuen Sozialindex; die sieben Einrichtungen mit hohem Förderbedarf liegen alle in der Kreisstadt.

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Für den Sozialindex haben die Wissenschaftler den Interimsstandort an der Chlodwigstraße für die Kita Nahestraße in Euskirchen bewertet.

Das Land Nordrhein-Westfalen hat als erstes deutsches Bundesland einen Sozialindex für seine Kindertagesstätten erstellt. Rund 10.800 Kitas, die im Rahmen des Kinderbildungsgesetzes gefördert werden, wurden im Hinblick auf zwei Merkmale untersucht: den Anteil der Kinder mit nichtdeutscher Familiensprache und die Kinderarmut im direkten Umfeld der Kita.

Neun Stufen: So funktioniert der Sozialindex

Herausgekommen sind neun Stufen, von denen die Stufe 1 die beste und die Stufe 9 die schlechteste darstellt. Laut dem Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration lässt sich anhand der Bewertung eine Aussagekraft über die Sprachkompetenz bei der Einschulung, den Anteil der armen Familien in den Kitas, den Bildungsstand der Eltern und die Kindergesundheit treffen. Kommunen, die die Einstufung geprüft hatten, hielten laut Ministerium 82 Prozent für plausibel.

Landesweit 60 Prozent der Kitas in den Stufen 1 bis 3

60 Prozent aller Kindergärten in NRW erhielten die Bewertung 1 bis 3, 27 Prozent finden sich im mittleren Bereich, also den Stufen 4 bis 6, wieder. In 13 Prozent der Kitas, die mit den Stufen 7 bis 9 bewertet wurden, sieht das Ministerium einen besonderen Unterstützungsbedarf. Gleichzeitig stellte das Ministerium ein starkes Stadt-Land-Gefälle fest: Je ländlicher das Gebiet, desto besser die Einstufung.

Fördermittel gezielter verteilen

Durch den Sozialindex sei es möglich, Kindertagesstätten ortsübergreifend miteinander zu vergleichen. Das könne helfen, Fördermittel gezielt dorthin zu lenken, wo viele Kinder besondere Unterstützung brauchen. Dadurch solle die Chancengerechtigkeit für die Jüngsten verbessert werden. Kommunen, so eine weitere Begründung des Landes, diene der Index auch dazu, Entscheidungen über die Mittelverteilung, etwa bei der Sprachförderung, zu treffen. „Ich möchte, dass alle Kinder in Nordrhein-Westfalen mit Rückenwind ins Leben starten – unabhängig vom Geldbeutel der Eltern, der Herkunft der Familie oder der Postleitzahl des Wohnortes“, sagte dazu Kinder- und Familienministerin Verena Schäffler.

Die Lage im Kreis Euskirchen

Im Kreis Euskirchen inklusive der Stadt Heimbach wurden 160 Kitas eingestuft. Ein Großteil von ihnen, nämlich 94, erhielt die beste Einstufung 1, weitere 47 komplettieren die Stufen 2 und 3. Nur sieben Kitas, die sich alle im Euskirchener Stadtgebiet befinden, fallen unter die drei Einstufungen mit den besonderen Unterstützungsbedarfen. Kitas mit den drei mittleren Einstufungen 4 bis 6 gibt es zwölf im Kreis: neun in Euskirchen, drei in Mechernich.

Sonderfall Euskirchen

Von den 42 Kitas in Euskirchen haben zehn die beste Einstufung erhalten, neun die Einstufung 2 und sieben die Einstufung 3. Im mittleren Bereich befinden sich neun Kitas: eine erhielt die Einstufung 4 (Kita Käthe-Kollwitz-Straße) und je vier erhielten die Einstufungen 5 (Katholischer Kindergarten Herz-Jesu, Evangelischer Kindergarten, Bewegungskita Wirbelwind und KiKu Auenland) und 6 (Kita Kölner Straße, Kita Robert-Koch-Straße, Kita Stettiner Straße, Kita Winkelpfad).

Hoher Unterstützungsbedarf nur in Euskirchen

Euskirchen ist die einzige Kommune im Kreis mit Kitas, die das Ministerium für besonders unterstützenswert hält. Die Stufe 7 erhielten der Katholische Kindergarten St. Martin, die Kita Nordstraße, die Kita Frauenberger Straße und die Kita in den Herrenbenden. Mit der Stufe 8 bewertet wurden die Kita Bunte Vielfalt (gleichzeitig Familienzentrum) und die Kita an der Bendengasse.

Kita Nahestraße: Neuberechnung für den alten Standort

Die Kita Nahestraße erhielt sogar die Einstufung 9 – allerdings wurde die Umgebung des Interimsstandortes an der Chlodwigstraße unter die Lupe genommen, wo die Kita seit der Flut residierte. Für unsere Zeitung haben die Wissenschaftler von der Ruhr-Universität Bochum, die den Kita-Sozialindex entwickelt haben, eine Simulationsrechnung für den eigentlichen Standort an der Nahestraße durchgeführt, in dem sich die Kita seit Kurzem wieder befindet. Diese hat ergeben, dass sich der Indexwert von 9 auf 8 verbessert hat, so das Ministerium.

Kritik der Stadt Euskirchen

Von der Stadt Euskirchen heißt es dazu: „Wir haben den Sozialindex zur Kenntnis genommen, können aber die zum Teil sehr breite Spreizung in der Zuordnung von Kitas in nahezu deckungsgleichen Sozialräumen ohne weitergehende Informationen nicht nachvollziehen. Insgesamt würden wir uns wünschen, dass das Land im Rahmen des Bürokratieabbaus auf immer wieder neu geschaffene Sonderregelungen verzichten und Kindertageseinrichtungen insgesamt stärken würde. Durch die immer weiter zerfaserte Klassifizierungs- und damit auch Finanzierungsstruktur wird der administrative Aufwand auf allen Ebenen immer größer. Würden die Personalressourcen, die durch viele Regelungen im Overhead erforderlich werden, unmittelbar in den Kitas eingesetzt, könnte flächendeckend eine Qualitätsgewinn erreicht werden.“

Mechernich: Fast alle Kitas in Stufe 1

19 der 24 Kindertagesstätten in Mechernich erhielten die Einstufung 1, zwei die Einstufung 3. Drei befinden sich aber im mittleren Sektor: Die Einstufung 4 erhielt die Inklusive Kita St. Johannes Baptist, die Einstufung 5 die Kita Mechernich-Zentrum und die Einstufung 6 die Kita in Strempt.

Der Rest: Ländliche Kommunen schneiden am besten ab

Die Aussage „Je ländlicher die Kommune, desto besser die Einstufung“ des Ministeriums bestätigt sich. In allen anderen Kommunen im Verbreitungsgebiet dieser Lokalausgabe befinden sich die Kitas in den drei besten Einstufungen. Die Gemeinden Dahlem (vier Kitas) und Nettersheim (sieben Kitas) sowie die Stadt Heimbach (vier Kitas) wurden ausnahmslos mit der Stufe 1 bewertet. (ets)