Stoff-Maulwurf „Plumbi“ bringt Kindern in Kall und Mechernich den Umgang mit Blei näher. Für die kreative Idee gibt es einen Sonderpreis.
NRW-Bodenschutzpreis für „Plumbi“Kreis Euskirchen wird für Umweltmaskottchen ausgezeichnet

Der Stoff-Blei-Maulwurf „Plumbi“ bringt Umweltthemen den Kindern im Kreis Euskirchen näher.
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Der Kreis Euskirchen ist beim Bodenschutzpreis Nordrhein-Westfalen 2025 mit einem Sonderpreis ausgezeichnet worden. Gewürdigt wurde das Projekt „Plumbi – der Bleimaulwurf“, mit dem der Kreis Kinder und Erwachsene in den von Bleibelastungen betroffenen Regionen rund um Mechernich und Kall spielerisch und zugleich fundiert für Bodenschutz und Bleiprävention sensibilisiert.
Der Bodenschutzpreis wird vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit dem AAV, dem Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung, verliehen. Die Preisverleihung fand in Hattingen statt und würdigte herausragende Projekte, die zeigen, wie Bodenschutz, Flächenrecycling und Öffentlichkeitsarbeit erfolgreich miteinander verbunden werden können.
„Plumbi – der Bleimaulwurf“ spricht Kinder und Erwachsene an
„Mit Plumbi zeigen wir, dass Bodenschutz nicht nur ein Fachthema ist, sondern direkt mit der Lebenswirklichkeit der Menschen zu tun hat – vor allem der Kinder“, sagte Achim Blindert, Allgemeiner Vertreter des Landrats, bei der Preisverleihung. „Der Sonderpreis ist eine starke Anerkennung für das Engagement aller Beteiligten.“ Während die Hauptpreise nach Duisburg, Wuppertal und Iserlohn gingen, erhielt der Kreis Euskirchen den Sonderpreis für sein kreatives Konzept der Umweltbildung.
Die Jury lobte insbesondere, dass „Plumbi – der Bleimaulwurf“ Kinder und Erwachsene gleichermaßen erreiche und auf verständliche Weise für den verantwortungsvollen Umgang mit belasteten Böden sensibilisiere – vor allem auf Spielplätzen und in Wohngebieten, in denen erhöhte Bleigehalte festgestellt wurden.
Im Mittelpunkt des Projekts steht ein sympathischer Maulwurf in blauer Latzhose, grünem T-Shirt und mit Grubenlampe auf dem Kopf. „Plumbi“ lebt in den alten Bergwerksstollen bei Mechernich und passt dort – so die Geschichte – auf die „Blei-Geister“ auf. Entwickelt wurde die Figur vom Gesundheitsamt des Kreises Euskirchen.
Umfangreiches Bildungskonzept nutzt verschiedene Medien
Rund um den Maulwurf entstand ein umfangreiches Bildungskonzept: Ein illustriertes Kinderbuch erklärt schon Kita-Kindern, worauf sie beim Spielen im Freien achten sollten und wie man trotz belasteter Böden sicher Gemüse anbauen kann.
Seit 2023 besucht Plumbi Kitas und Schulen in den besonders betroffenen Gemeinden. Jedes Kind erhält dabei eine Urkunde und das Buch. Auch bei Infoständen in Bau- und Gartenmärkten ist Plumbi mit dabei und sorgt dort spielerisch für Aufklärung. Ergänzend nutzt der Kreis Filme und Infoveranstaltungen, um Familien niedrigschwellig zu erreichen – ein Ansatz, den die Jury ausdrücklich lobte.
„Blei im Boden ist unsichtbar – die Risiken sind es aber nicht“, betont Achim Blindert. „Mit Plumbi schaffen wir es, ein komplexes Thema so aufzubereiten, dass Kinder, Eltern und Fachleute gemeinsam ins Gespräch und ins Handeln kommen.“
Fachstelle Umweltmedizin begleitet Sanierungsmaßnahmen
Über Jahrhunderte wurde in der Region um Mechernich und Kall Bleierz abgebaut. Die Folge sind erhöhte Bleigehalte in Böden und Gewässern – teils auch auf Spielplätzen. Untersuchungen des Kreises in den Jahren 2019 und 2020 zeigten, dass bei etwa 15 Prozent der untersuchten Kinder und Jugendlichen die Blutbleiwerte über dem bundesweiten Referenzwert lagen. Ein Zusammenhang mit den Bodenbelastungen konnte nicht ausgeschlossen werden. Seitdem hat der Kreis zahlreiche Spielplätze untersucht und saniert, erklärt Ines Rick von der Unteren Bodenschutzbehörde.
Um diese Maßnahmen zu begleiten, wurde 2022 die Fachstelle Umweltmedizin im Gesundheitsamt eingerichtet. Sie befasst sich neben der Bleiproblematik auch mit weiteren umweltbedingten Gesundheitsrisiken wie Luftschadstoffen, Schimmel oder Zecken. „Unser Ziel ist, dass Eltern wissen, wie sie ihre Kinder schützen können – und Kinder selbst spielerisch lernen, was ihnen guttut“, sagt Katja Ziemann von der Fachstelle: „Plumbi ist dabei unser Türöffner und Übersetzer.“
Mit dem Bleimaulwurf-Projekt verbindet der Kreis Bodenschutz, Gesundheitsvorsorge und Umweltbildung auf beispielhafte Weise. „Der Sonderpreis zeigt: Konsequente Gesundheitsvorsorge, gute Kommunikation und ein bisschen Kreativität zahlen sich aus – für die Menschen im Kreis Euskirchen und für den Bodenschutz insgesamt“, fasst Achim Blindert zusammen.

