Der Kreis Euskirchen kümmert sich auch in diesem Jahr darum, dass Nester der Asiatischen Hornisse fachgerecht entfernt werden.
Invasive ArtIm Kreis Euskirchen geht der Kampf gegen die Asiatische Hornisse weiter

Dieses Embryonalnest der Asiatischen Hornisse ist bei Kirchheim gefunden worden.
Copyright: Foto: privat/Kreis Euskirchen
Die gute Nachrichte zuerst: Der Kreis Euskirchen wird auch in diesem Jahr die Kosten tragen, wenn Nester der Asiatischen Hornisse entfernt werden. Die schlechte Nachricht: Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Tierart sich weiter ausbreitet. Zehn Embryonalnester habe er bereits vernichtet, sagt Dirk Wacker. Das seien weit mehr als im vergangenen Jahr.
Der Imker und Schädlingsbekämpfer rückt an, wenn Bürger der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises ein Vorkommen der invasiven Art gemeldet haben. Der Fachmann erklärt, was es mit Embryonal-, Primär- und Sekundärnestern auf sich hat. Asiatische Hornissen bauen im Frühjahr ein erstes Nest, gern in Nistkästen, an Schuppen oder Carports. Darin legt die Königin ihre Eier.

Das Entfernen der Nester sollte man Fachleuten überlassen. Die Tiere haben einen kräftigen Stachel.
Copyright: Johannes Bühl
Bis der Nachwuchs geschlüpft ist, spricht man von Embryonalnest, es ist ungefähr so groß wie ein Tennisball. Das wachsende Volk braucht dann ein größeres Zuhause, zunächst wird das nun Primärnest genannte Gebilde vergrößert, bis etwa auf Handballgröße.
Später bauen die Insekten ihr Sekundärnest, meist hoch oben in einem Baum. „Rund 70 Prozent der Völker ziehen in einen Baum, etwa 30 Prozent bauen das Primärnest weiter aus“, erklärt Wacker. Am besten sei es, wenn schon das erste Nest entdeckt werde, sagt Verena Schüller, bei der Unteren Landschaftsbehörde zuständig für die Asiatische Hornisse.
Im vergangenen Jahr sind 81 Nester gefunden worden
Jetzt seien die Nester noch klein und leicht zu erreichen. Damit seien sie „vergleichsweise unkompliziert und kostengünstig zu entfernen“. Der Kreis schreibt von acht Embryonalnestern, die in diesem Jahr bis zum 22. April entfernt worden seien, im vergangenen Jahr seien es fünf gewesen. Bis jetzt seien 20 Königinnen gesichtet worden.
Im Jahr 2025 sind beim Kreis mehr als 200 Meldungen zur Asiatischen Hornisse eingegangen. 81 Nester sind gefunden worden, 65 konnten entfernt werden. Die übrigen 16 seien an unzugänglichen Stellen gewesen oder erst spät im Jahr entdeckt worden, heißt es aus der Kreisverwaltung. Der nördliche Teil des Kreises sei besonders betroffen gewesen.
Die Asiatische Hornisse, mit wissenschaftlichem Namen Velutina Vespa, ist 2004 durch Warentransporte nach Frankreich gekommen und breitet sich seither in Europa aus. Sie sei nicht aggressiver als ihre heimischen Verwandten, sagt Dr. Stephan Härtel, Hornissen-Experte des Nabu Deutschland. Allerdings seien die Völker mit bis zu 2000 Tieren viel größer als die der europäischen Hornissenarten. Und je größer das Volk sei, desto aggressiver reagiere es. Das ist allerdings das kleinere Problem.
Ein Hornissenvolk frisst bis zu elf Kilo Insekten
Sorgen machen Naturschützern vor allem die Auswirkungen der invasiven Art auf das Ökosystem. Denn die Asiatische Hornisse frisst andere Insekten – nicht nur alles, was fliegt, sondern beispielsweise auch Spinnen. Im Rahmen einer Studie sind in Larven der Asiatische Hornisse Reste von fast 1500 Insektenarten gefunden worden. Und ein Volk vertilgt im Jahr bis zu elf Kilo Insekten.
Welche Auswirkungen das auf die Artenvielfalt und auf das Ökosystem haben wird, ist nicht abzusehen. Klar ist: Das ohnehin grassierende Insektensterben macht jetzt schon anderen Tierarten wie Vögeln oder Amphibien das Überleben schwer. Wenn nun ein weiterer Konkurrent um das schwindende Nahrungsangebot hinzukommt, sieht es schlecht aus.
Wildbienen und Schmetterlinge sind in Gefahr
Obwohl er selbst Imker ist, sieht auch Dirk Wacker eher Wildbienen und Schmetterlinge in Gefahr als die Honigbiene. Und das, obwohl seine Kollegen in Frankreich mittlerweile mit 30 Prozent Verlusten bei ihren Bienenvölkern kalkulierten. „Honigbienen kann man relativ leicht nachzüchten“, sagt Wacker. Das mache dem Imker zwar Arbeit, sei aber ein lösbares Problem.
Velutina Vespa ist mittlerweile umgestuft von der invasiven Art zur etablierten Art – was bedeutet, dass die öffentliche Hand die Bekämpfung nicht mehr finanzieren muss. Und das, obwohl Fachleute davon ausgehen, dass in drei bis fünf Jahren eine hohe Dichte an Asiatischen Hornissen erreicht sein wird. Von zehn bis 16 Nestern pro Quadratkilometer ist da die Rede. Da kann man sich ausrechnen, wie viele Kilogramm Bienen, Fliegen oder Schmetterlinge da zur Beute werden.
Einig sind sich Verena Schüller und Dirk Wacker, dass es keine gute Idee ist, ein Nest der Asiatischen Hornisse auf eigene Faust zu entfernen. Auch Imkerkleidung bietet keinen Schutz gegen die Stiche. Informationen zu dem Thema gibt es auch bei der Pflanzenbörse des Nabu am Samstag, 2. Mai, 10 bis 16 Uhr, am Zülpicher Seepark.
Der Kreis bittet, Sichtungen der Asiatischen Hornisse zu melden, am besten mit Foto. Das geht entweder über das Neobiota-Portal des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima (Lanuk) oder per E-Mail an die Untere Naturschutzbehörde.
