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Nach Aus bei der DiakonieGroKo will im Kreis Euskirchen die Folgen der Pflege-Krise prüfen

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Das Bild zeigt eine junge Hand, die eine ältere hält.

Nach dem Aus der Diakonie-Station in Euskirchen sind fast 400 Pflegeverträge gekündigt worden. Was das für die Menschen bedeutet, will die Große Koalition nun schriftlich haben.

CDU und SPD im Kreistag fordern Aufklärung über die Folgen, die die angekündigte Schließung der Diakonie-Pflegestation Euskirchen hat.

Nach der Ankündigung der Einstellung der ambulanten Pflegeleistungen der Diakonie-Station Euskirchen wollen die Kreistagsfraktionen von CDU und SPD die Folgen politisch aufarbeiten. Mit einem gemeinsamen Antrag fordern sie die Kreisverwaltung auf, die Auswirkungen auf die Pflegebedürftigen, ihre Angehörigen und die gesamte Versorgungsstruktur im Kreis Euskirchen transparent zu machen. Ziel sei eine sachliche Bewertung und eine belastbare Grundlage für weitere Entscheidungen.

„Für die betroffenen Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen ist diese Situation eine erhebliche Belastung“, wird Jan Leyendecker (SPD), Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und Soziales, in der entsprechenden Pressemitteilung zitiert: „Wer auf ambulante Pflege angewiesen ist, braucht Verlässlichkeit. Wenn diese plötzlich infrage steht, ist das eine ernste Situation, die wir nicht ignorieren dürfen.“

Wie stabil sind die Pflegeangebote im Kreis Euskirchen?

Das Thema soll daher im Ausschuss für Bildung und Soziales beraten werden. Die beiden Mehrheitsfraktionen wollen prüfen, wie stabil die ambulanten Pflegeangebote im Kreis tatsächlich sind und welche Konsequenzen die Schließung der Diakonie-Station hat.

„Als Kreis müssen wir genau hinschauen, welche konkreten Auswirkungen diese Entscheidung hat und wie belastbar die Versorgung in den betroffenen Bereichen ist“, betont Karsten Stickeler, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion: „Wichtig ist, die Folgen für die Pflegeversorgung klar zu benennen.“

Wir müssen prüfen, ob die bestehenden Angebote den Bedarf dauerhaft decken und wo sich Risiken abzeichnen.
Karsten Stickeler, CDU

Der Fall mache deutlich, wie empfindlich die Strukturen im ambulanten Pflegebereich reagieren, wenn ein Anbieter seine Leistungen einstelle. „Der Vorgang zeigt, wie schnell gewachsene Strukturen ins Wanken geraten können“, wird Stickeler in der Meldung zitiert: „Wir müssen prüfen, ob die bestehenden Angebote den Bedarf dauerhaft decken und wo sich Risiken abzeichnen.“ Beide Fraktionen betonen, dass sie die Situation gemeinsam mit der Kreisverwaltung verantwortungsvoll begleiten und dabei besonders die Perspektive der Betroffenen im Blick behalten wollen.

„Wir werden niemandem schnelle Lösungen versprechen, die wir nicht halten können“, sagt Leyendecker. „Aber wir werden uns der Situation stellen – denn am Ende geht es darum, dass die Menschen weiterhin gut versorgt sind.“

Für CDU und SPD steht fest: Der Fall der Diakonie-Station ist mehr als ein Einzelfall. Er zeige, wie verletzlich die Versorgungsstrukturen in der ambulanten Pflege sind – und dass ihre Stabilität trotz begrenzter kommunaler Einflussmöglichkeiten eine dauerhafte politische Aufgabe bleibe, so die GroKo.

Derweil hat die Kreis-SPD einen offenen Brief an die Spitze der Diakonie Bonn und die Region geschrieben. Die Sozialdemokraten haben in dem Brief unter anderem 15 Fragen gestellt. So hätte die Partei gerne Antworten auf Fragen wie „Zu welchem Zeitpunkt lagen der Diakonie erstmals belastbare Hinweise vor, dass die ambulante Pflege der Diakonie-Station Euskirchen personell und organisatorisch nicht mehr dauerhaft abgesichert werden kann?“ und „Welche Verantwortung übernimmt die Diakonie gegenüber den betroffenen Mitarbeitenden, die nicht gekündigt haben?“