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KlimaprojektKreis Euskirchen sagt Schottergärten mit Förderprogramm den Kampf an

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Ein Mann kniet in einem Gartenstück an einem Haus und pflanzt eine Staude ein.

Wer seinen Vorgarten entsiegelt, kann auf Fördermittel des Kreises Euskirchen hoffen.

Personen, die ihren Vorgarten entsiegeln möchten, können sich noch bis zum 30. Juni über das Service-Portal des Kreises Euskirchen bewerben.

Der Kreis Euskirchen setzt ein weiteres Zeichen für Klimaschutz und Lebensqualität: Bürgerinnen und Bürger können sich ab sofort wieder für eine sogenannte Entsiegelungspartnerschaften bewerben. Ziel ist es, versiegelte Flächen wie Schottergärten, Parkplätze oder betonierte Hofbereiche in naturnahe Grünflächen umzuwandeln – und das mit finanzieller Unterstützung.

Bereits zum dritten Mal legt die Kreisverwaltung das Förderprogramm auf. Wer teilnimmt, profitiert gleich doppelt: Zum einen wird aktiv etwas für Umwelt- und Klimaschutz getan, zum anderen übernimmt der Kreis die Kosten für die Bepflanzung der umgestalteten Flächen und beauftragt dafür sogar einen Fachbetrieb. „Damit schaffen wir einen attraktiven Anreiz, versiegelte Flächen wieder in naturnahe Biotope zu verwandeln“, erklärt Achim Blindert, Allgemeiner Vertreter des Landrats und zuständiger Geschäftsbereichsleiter. Die Vorteile liegen auf der Hand: Grünflächen verbessern den Wasserhaushalt, bieten Lebensraum für Pflanzen und Tiere und helfen dabei, die zunehmende Hitzebelastung in Siedlungsgebieten zu reduzieren.

Wer eine Zusage erhält, hat zwei Monate Zeit, die Fläche zu entsiegeln

Interessierte können sich noch bis zum 30. Juni über das Service-Portal des Kreises Euskirchen bewerben. Benötigt werden neben den persönlichen Daten ein Nachweis über das Eigentum der Fläche sowie Fotos und Geodaten. Anschließend bewertet die Kreisverwaltung die eingereichten Flächen anhand eines Punktesystems. Kriterien sind unter anderem die Größe der Fläche und ihre Bedeutung im Hinblick auf Klimarisiken. Wer eine Zusage erhält, hat zwei Monate Zeit, die Fläche zu entsiegeln. Die eigentliche Begrünung erfolgt dann im kommenden Frühjahr durch ein beauftragtes Gartenbauunternehmen.

Die Entsiegelungspartnerschaft ist Teil des EU-geförderten Projekts „Land4Climate“, an dem der Kreis Euskirchen gemeinsam mit fünf weiteren europäischen Regionen teilnimmt. Ziel ist es, naturbasierte Lösungen gegen die Folgen des Klimawandels zu entwickeln und Erfahrungen auszutauschen.

Damit schaffen wir einen attraktiven Anreiz, versiegelte Flächen wieder in naturnahe Biotope zu verwandeln.
Achim Blindert, Allgemeiner Vertreter des Landrats

„Es geht darum, Vorsorgemaßnahmen gegen Starkregen, Hitzeinseln oder Biodiversitätsverlust umzusetzen – sowohl im Siedlungsbereich als auch in der freien Landschaft“, erläutert Jonathan Schulze von der Kreisverwaltung.

Dass solche Maßnahmen notwendig sind, zeigt ein Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre: Mehr Hitzetage, häufigere Starkregenereignisse und zunehmende Extremwetterlagen machen auch vor dem Kreis Euskirchen nicht halt. Besonders in dicht bebauten Bereichen entstehen sogenannte Hitzeinseln, die zur Belastung für die Gesundheit werden können. Grünflächen wirken hier wie natürliche Klimaanlagen: Sie kühlen die Umgebung, speichern Wasser und verbessern die Luftqualität. Entsprechend groß ist auch der Wunsch der Bevölkerung nach konkreten Maßnahmen. Eine Umfrage aus dem Frühjahr 2024 zeigt, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger mehr Engagement von Kommunen und Kreis wünschen.

In Euskirchen sollen zwei Klimaparks und ein Mini-Wald entstehen

Neben der Entsiegelungspartnerschaft setzt der Kreis nach eigenen Angaben auf weitere Projekte: So sollen in Euskirchen zwei Klimaparks und ein Mini-Wald entstehen – bevorzugt in dicht bebauten Wohngebieten. Ziel ist es, Hitze zu reduzieren, Wasser besser zurückzuhalten und die Artenvielfalt zu fördern. Die Umsetzung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Wohnungsbaugesellschaft Eugebau, die Arbeiten sollen noch in diesem Jahr beginnen.

Auch in der freien Landschaft sind Maßnahmen geplant. Gemeinsam mit Landwirten soll verstärkt Miscanthus, ein schnell wachsendes Schilfgras, angebaut werden. Dieses verbessert die Wasseraufnahmefähigkeit der Böden und schützt vor Erosion. Ergänzend werden Hecken und Streuobstwiesen gefördert.

Für Achim Blindert ist klar: Die Entsiegelungspartnerschaft ist ein wichtiger Baustein im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels. „All diese Maßnahmen sind ein starkes Zeichen dafür, dass wir unsere Bürgerinnen und Bürger bestmöglich schützen wollen“, sagt er. Sein Appell ist eindeutig: „Das ist eine sehr gute Gelegenheit. Wenn nicht jetzt, wann dann?“