Die Politik muss entscheiden, wie es mit der Ideenfabrik Nachhaltige Wirtschaft in der Alten Tuchfabrik in Euskirchen weitergeht. Für den Betrieb müssten jährlich 230.000 Euro eingeplant werden.
InnovationszentrumKreisverwaltung möchte die Ideenfabrik in Euskirchen bis 2030 fortführen

Seit November 2023 ist die Ideenfabrik in der Alten Tuchfabrik ein Ort der Innovation und des Netzwerkens.
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Die Ideenfabrik Nachhaltige Wirtschaft soll der zentrale Treffpunkt für Innovation, Nachhaltigkeit und Wirtschaft im Kreis Euskirchen bleiben. Die Kreisverwaltung empfiehlt, das 2023 gestartete Projekt auf dem Gelände der Alten Tuchfabrik zwischen Euskirchen und Euenheim bis zum Jahr 2030 fortzuführen. Damit würde die Einrichtung, die sich laut Verwaltung als „regionales Zentrum für Gründung, Vernetzung und nachhaltiges Wirtschaften etabliert hat“, langfristig gesichert.
Konkret sieht der Beschluss fünf Punkte vor: Zum einen wird das vorliegende Konzept zur Fortführung der Ideenfabrik bis 2030 gebilligt. Zugleich verlängert der Kreis den Mietvertrag für die Räumlichkeiten vom 1. Oktober 2027 bis zum 31. Dezember 2030. Zudem wird die Finanzierung einer Personalstelle nach Entgeltgruppe 9a zur Sicherstellung des laufenden Betriebs bis Ende 2030 festgeschrieben.
Für den Betrieb müssten jährlich 230.000 Euro eingeplant werden
Darüber hinaus sollen jährlich rund 230.000 Euro für den Betrieb der Ideenfabrik in die Finanzplanung der Haushaltsjahre 2027 bis 2030 aufgenommen werden. Auch eine mögliche Beteiligung von Unternehmen und Banken an der Einrichtung soll die Verwaltung in den kommenden Monaten prüfen.
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„Die Mittel für das Haushaltsjahr 2026 stehen nach Rechtskraft des Haushalts zur Verfügung“, heißt es in der Vorlage aus der Kreisverwaltung. Über die Veränderungsliste zum Haushalt 2026 soll der entsprechende Kostenträger angepasst werden.
Bundesförderung läuft nur noch bis April 2026
Die Ideenfabrik wurde im November 2023 auf dem Gelände der Alten Tuchfabrik in Euskirchen eröffnet. Grundlage war das vom Bund geförderte Projekt „Zukunft Region“ – Förderaufruf „regioNachhaltig“. Bis April 2026 wird die Einrichtung über dieses Programm unterstützt. Ziel ist es, die regionale Wirtschaft auf dem Weg zu nachhaltigen Geschäftsmodellen zu begleiten und Innovationen zu fördern.
Bereits in der Konzeptphase konnten wichtige Maßnahmen aus dem wirtschaftlichen Entwicklungskonzept des Kreises umgesetzt werden. Die Ideenfabrik vereint Büro- und Veranstaltungsräume, Werkstätten, Coworking-Angebote sowie Programme zur Gründungsförderung und Vernetzung von Unternehmen, Verwaltung, Wissenschaft und Bildungsakteuren.

Wirtschaftsförderin Iris Poth (links) ist ein großer Fan der Ideenfabrik.
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Um die Zukunft der Ideenfabrik über den Förderzeitraum hinaus zu sichern, hatte die Verwaltung bereits 2025 ein Konzept zur Weiterführung vorgelegt. Dieses wurde nun überarbeitet und von der agiplan public GmbH evaluiert. Das neue Entwicklungskonzept, das Geschäftsführer Nomo Braun im Fachausschuss am Donnerstag vorstellen wird, berücksichtigt eine umfassende Analyse der bisherigen Arbeit, Gespräche mit Nutzerinnen und Nutzern sowie eine Bewertung der regionalen Rahmenbedingungen.
Das Ergebnis: Die Ideenfabrik leiste einen „relevanten Beitrag zur Stärkung der regionalen Wirtschaft“ und habe sich als professioneller Ort für Austausch, Wissenstransfer und Vernetzung bewährt. Damit übernimmt sie laut Konzept eine „Schlüsselfunktion innerhalb der wirtschaftsfördernden Aktivitäten des Kreises“.
Angebote für Gründer, kleine und mittlere Unternehmen
Die Angebote der Ideenfabrik richten sich vor allem an Gründerinnen und Gründer sowie kleine und mittlere Unternehmen, die bei der Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle unterstützt werden. Gleichzeitig profitieren auch größere Betriebe und Netzwerkakteure von den Veranstaltungen, Workshops und Beratungsangeboten.
Besonderes Augenmerk liegt künftig auf der Stärkung überregionaler Netzwerke. „Die Ideenfabrik eröffnet Unternehmen aus dem Kreis Euskirchen Zugang zu Kompetenzen, Impulsen und Kooperationspartnern, die lokal nicht oder nur eingeschränkt verfügbar sind“, heißt es im Konzept.

Auch als Veranstaltungsort hat sich die Ideenfabrik etabliert.
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Gleichzeitig empfiehlt das Gutachten, die Einrichtung strategisch weiterzuentwickeln, um die Wirksamkeit und Reichweite der Angebote zu erhöhen und den Finanzierungsbedarf langfristig zu begrenzen. Dazu wurden neun konkrete Maßnahmen vorgeschlagen, die eine wirtschaftlich tragfähige und institutionell anschlussfähige Weiterentwicklung ermöglichen sollen.
Zu den Kernpunkten gehören unter anderem die stärkere Einbindung regionaler Bildungseinrichtungen, der Ausbau digitaler Formate, die Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit sowie neue Kooperationsmodelle mit Unternehmen und Forschungspartnern.
Die Einstellung des Betriebs würde den Verlust einer etablierten Plattform bedeuten und die Förder- und Vernetzungsmöglichkeiten für die Wirtschaft im Kreis Euskirchen erheblich schwächen
Für den Betrieb der Ideenfabrik sind laut Finanzplanung jährliche Ausgaben zwischen rund 221.000 Euro im Jahr 2026 und 245.000 Euro im Jahr 2030 vorgesehen. Den größten Anteil machen Personal- und Mietkosten aus. Demgegenüber stehen erwartete Einnahmen durch Raumvermietungen, Coworking-Angebote und Veranstaltungen, die bis 2030 auf rund 48.000 Euro steigen sollen.
Damit bleibt ein jährlicher Zuschussbedarf, der jedoch aus Sicht der Verwaltung gut investiert ist. „Die Einstellung des Betriebs würde den Verlust einer etablierten Plattform bedeuten und die Förder- und Vernetzungsmöglichkeiten für die Wirtschaft im Kreis Euskirchen erheblich schwächen“, schreibt der Kreis in der Beschlussvorlage.
Die Verwaltung betont den Mehrwert der Ideenfabrik als Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Forschung. Als neutraler Ort biete sie ein Umfeld, das Kreativität und Kooperation fördere. Durch den Austausch entstünden Synergieeffekte, die weit über die Kreisgrenzen hinauswirken könnten.
„Die Ideenfabrik ist der zentrale Ort der Wirtschaftsförderung im Kreis Euskirchen“, heißt es zusammenfassend in der Begründung: „Sie bündelt hochwertige räumliche Infrastruktur und wirtschaftsfördernde Formate und schafft damit einen professionellen Rahmen für nachhaltige Entwicklung und Innovation.“
Weitere Themen in den Fachausschüssen des Kreises
Mit dem Ausschuss für Wirtschaft, Beteiligungen und Tourismus startet die nächste Sitzungsperiode des Kreises Euskirchen. Am Donnerstag geht es unter anderem um die Zukunft der Ideenfabrik. Es werden aber auch weitere Themen in fünf Fachausschüssen beraten. Der Kreisausschuss tagt am 25. März, der Kreistag am 15. April.
FDP beantragt Projektwoche „Wirtschaft, Alltag und Orientierung“
Der Kreis Euskirchen soll an seinen Berufskollegs künftig eine jährliche Projektwoche „Wirtschaft, Alltag und Orientierung“ einführen. Das geht aus einem Antrag der Kreis-FDP hervor. Ziel soll es sein, Schülerinnen und Schüler auf zentrale Herausforderungen des Erwachsenenlebens vorzubereiten – etwa Verträge, Finanzen, Versicherungen oder Wohnungsfragen. Die Kreisverwaltung soll gemeinsam mit den Schulleitungen ein Konzept erarbeiten und ein Netzwerk aus Partnern wie Agentur für Arbeit, Jobcenter und Verbraucherzentrale aufbauen. Damit sollen alltagsrelevantes Wissen vermittelt und junge Menschen praxisnah auf das Leben nach der Schule vorbereitet werden.
CDU und SPD: Wie steht's um die haus- und fachärztliche Versorgung?
Die haus- und fachärztliche Versorgung im Kreis Euskirchen wird Thema in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Bevölkerungsschutz sein (Dienstag, 3. März). Die Verwaltung ist von CDU und SPD beauftragt worden, einen Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein einzuladen, um über den aktuellen Versorgungsstand, die Altersstruktur der Ärzteschaft und geplante Maßnahmen zu berichten. Zudem soll dargestellt werden, wie das Landarztprogramm NRW im Kreis umgesetzt wird und ob zusätzlicher Handlungsbedarf besteht. Hintergrund sind wachsende Herausforderungen durch Praxisnachfolgen, regionale Unterschiede und der demografische Wandel – besonders im Südkreis.
FDP will Aufklärung über medizinische Versorgung bei Schwangerschaftsabbrüchen
Die FDP-Kreistagsfraktion fordert Aufklärung über die medizinische Versorgung im Bereich der Schwangerschaftsabbrüche im Kreis Euskirchen. In einem Antrag an die Ausschüsse für Gesundheit und Soziales bittet sie die Verwaltung um eine Stellungnahme, warum es derzeit keine Klinik oder Praxis mit entsprechender Ausstattung im Kreis gibt, obwohl staatlich anerkannte Beratungsstellen vorhanden sind. Zudem soll dargelegt werden, wie hoch der tatsächliche Bedarf ist, welche Einflussmöglichkeiten der Kreis auf ein solches Angebot hat und welche rechtlichen oder finanziellen Hürden bestehen. Ziel ist es, die Versorgungssituation für betroffene Frauen zu verbessern und eine wohnortnahe medizinische Betreuung zu prüfen.
CDU und SPD: Wie geht es in der ambulanten Pflege weiter?
Und auch die ambulante Pflege im Kreis Euskirchen ist Thema im Ausschuss für Bildung und Soziales. Die GroKo aus CDU und SPD haben einen entsprechenden Antrag an die Verwaltung formuliert und erhofft sich Antworten, wie es nach dem überraschenden Aus der Diakonischen Station und der Kündigung von 399 Verträgen in der ambulanten Pflege weitergeht.
Zudem soll im selben Ausschuss über die angespannte Parksituation am Berufskolleg Eifel in Kall gesprochen werden.


