Der Tierschutzbund hat Klage gegen die Bundesrepublik eingereicht. Das betrifft auch Kölner Tierheime.
„Kurz vor dem Kollaps“Auch Kölner Tierheime in Geldnot – So viel kosten Hunde und Katzen

Hund im Konrad-Adenauer-Tierheim in Köln-Zollstock (Archivbild). Die Tierheime benötigen dringend mehr Geld.
Copyright: Alexander Schwaiger
Die Kölner Tierheime stehen unter Druck: Die Ausgaben steigen stetig, aber bei der Finanzierung durch die öffentliche Hand tut sich wenig bis gar nichts. Obwohl die Einrichtungen eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe erfüllen, sind sie größtenteils auf Spenden angewiesen – so wie fast alle Tierheime in Deutschland. Die Kommunen und das Land NRW beteiligen sich nur zu einem kleinen Teil an der Finanzierung der Tierheime.
Die Regierung sollte endlich mal „aus den Hufen kommen“, erklärt ein Mitarbeiter des Tierheims Dellbrück in einem WDR-Beitrag. Daher findet eine Klage des Tierschutzbundes gegen die Bundesrepublik Deutschland, die am Kölner Verwaltungsgericht gestellt wurde, viel Anklang auch in Köln. Der Tierschutzbund, dem auch viele Tierheime wie das in Zollstock angehören, beruft sich sowohl auf entsprechende Zusagen im schwarz-roten Koalitionsvertrag als auch auf das Grundgesetz. „Ebenso unterstützen wir Tierheime bei Investitionen“, heißt es im Vertrag zwischen Union und SPD.
Abgegebene Tiere sind immer häufiger krank oder auffällig
„Die Tierheime in Deutschland stehen kurz vor dem Kollaps“, erklärt Thomas Schröder, Präsident des Tierschutzbundes. Tiere würden tendenziell immer länger bleiben, sodass mehr Platz nötig sei. Auch andere Investitionen seien erforderlich. Es werden generell auch immer mehr alte und kranke oder auch verhaltensauffällige Hunde und Katzen abgegeben, die mehr Geld kosten – sei es beim Tierarzt oder für Medikamente, für Training oder aufwändigere Betreuung.
Die Kommunen allein könnten die Aufgabe nicht bewältigen: „Der praktische Tierschutz steht mit dem Rücken zur Wand, während der Bund die Verantwortung auf die Kommunen abschiebt“, heißt es in der Klage. Man wolle erstmals gerichtlich klarstellen lassen, dass sich aus dem Staatsziel Tierschutz im Grundgesetz (Art. 20a GG) auch eine finanzielle Verpflichtung für den Bund ergibt.
Auch Kölner Tierheime haben hohe Kosten
Die laufenden Kosten der Tierheime sind enorm: Im Tierheim Dellbrück gibt es beispielsweise rund 100 Hunde. Eine Dose Hundefutter kostet 2,50 bis 3 Euro, wie ein Mitarbeiter dem WDR erklärt. Da kommen schnell hohe Summen allein für den normalen Betrieb zusammen.
Auch das Konrad-Adenauer-Tierheim in Zollstock erklärt, man sei in großem Umfang auf Spenden angewiesen. „Unsere Ausgaben liegen deutlich über eine Million Euro pro Jahr, an denen sich weder Bund noch Land beteiligen“, so Anne-Katrin Kolditz, 1. Vorsitzende des Kölner Tierschutzvereins von 1868, der das Heim trägt. Momentan sind dort rund 330 Tiere untergebracht. Die durchschnittlichen Kosten für einen Hund liegen hier pro Tag unter Einbeziehung aller Faktoren bei 35 bis 40 Euro, für Katzen bei 22 bis 28 Euro.
Stadt Köln zahlt nur für Fundtiere und Tiere aus Sicherstellungen
Zwar gibt es eine Abrechnung der Stadt Köln für jedes Fundtier oder Tiere aus Sicherstellungen. Tiere, die abgegeben werden oder auf anderen Wegen ins Tierheim gelangen, werden aber von den Einrichtungen komplett selbst finanziert. Vonseiten der Stadt kommen also weder Zuschuss oder noch jährlicher Festbetrag. Auch vom Land Nordrhein-Westfalen gibt es kein Geld. Lediglich für bestimmte Projekte wie beispielsweise eine energetische Bausanierung können Zuschüsse beantragt werden, so Kolditz.
Die Zahlungen der Stadt reichen also bei weitem nicht aus, um die Kosten zu decken. Die größten finanziellen Herausforderungen für das Tierheim Zollstock sind bauliche Sanierungen oder auch die Umsetzung gesetzlicher, tierschutzkonformer und arbeitsschutzrechtlicher Vorschriften ebenso wie Gehälter und Tierarzt- und Energiekosten.
Tausende Euro werden bei Klinikaufenthalten fällig
Ein weiteres Problem: Nicht alle Spenden dürfen für Fundtiere oder sichergestellte Tiere verwendet werden, da hier die Kommune eigentlich zuständig ist. Einige Spender geben ausdrücklich einen Zweck vor, beispielsweise für ein bestimmtes Tier oder eine Gehege-Sanierung. Wenn die Kosten bei einem Fundtier aber beispielsweise durch Tierarztkosten steigen, stehen die Tierheime vor einem Dilemma. Denn ein mehrtägiger Klinikaufenthalt kostet schnell mal mehrere Tausend Euro.
Nicht immer übernehme die Stadt die Kosten hierfür, so Kolditz. Auch wenn „städtische“ Tiere nicht vermittelt werden können, übernimmt das Tierheim nach einer bestimmten Zeit die Kosten. Denn kein Tier wird in Köln-Zollstock aus Kostengründen eingeschläfert – und das gilt für die anderen Tierheime ebenfalls.
Einen Starttermin für einen möglichen Prozess zur Klage des Tierschutzbundes am Verwaltungsgericht Köln gibt es bislang nicht. Zunächst sollen die Stellungnahmen aller Beteiligten geprüft werden.
