Mit Marie-Luise Knapp, Michael Gissinger und Sebastian Eich wollen gleich drei Kandidaten der Kreis-SPD nach Düsseldorf. Entscheidung am 29. April.
Drei BewerberDie SPD-Landtagskandidaten aus dem Kreis Euskirchen im Interview

Die SPD-Kandidaten sehen die Städte und Gemeinden im Kreis Euskirchen unterfinanziert.
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Am Mittwoch, 29. April, entscheidet die SPD im Kreis Euskirchen über ihre Landtagskandidatur. Die Mitgliederversammlung findet im Restaurant Steinsmühle in Bad Münstereifel statt. Los geht es um 19.30 Uhr. Mit Marie-Luise Knapp (Nettersheim), Michael Gissinger (Euskirchen) und Sebastian Eich (Weilerswist) bewerben sich drei Kandidaten.
Der Gewinner der internen Ausscheidung tritt für die Sozialdemokraten in Bad Münstereifel, Blankenheim, Euskirchen, Kall, Mechernich, Nettersheim und Zülpich an. Weilerswist gehört zum Wahlkreis Rhein-Sieg-Kreis III/Euskirchen III. Im Wahlkreis Düren II/Euskirchen II, zu dem Dahlem, Hellenthal und Schleiden gehören, tritt Andreas Isecke an.
Warum kandidieren Sie für den Posten des SPD-Landtagskandidaten?
Marie-Luise Knapp: Seit Ende 2023 ist Nettersheim das Zuhause meiner Familie. Wir haben hier ideale Bedingungen gefunden – von guter Kinderbetreuung über Schulen bis hin zu einer lebendigen Vereinskultur. Ich kandidiere, damit alle Menschen im Kreis Euskirchen solche Voraussetzungen haben. Ich möchte mich für gebührenfreie Bildung, bezahlbares Wohnen und ein starkes Ehrenamt einsetzen.
Michael Gissinger: Ich kandidiere, weil ich Politik aus dem Alltag heraus denke. Als Familienvater, Ehrenamtler und jemand mit Verantwortung im Gesundheitssystem sehe ich täglich, wo Politik wirkt – und wo sie versagt. Ich will Politik, die funktioniert, Menschen entlastet und Vertrauen zurückgibt.
Sebastian Eich: Nach 16 Jahren CDU-Mandat ist es Zeit für einen Wechsel. Ich möchte neue Impulse aus dem Kreis Euskirchen in den Landtag bringen und den politischen Wechsel aktiv gestalten.
Kandidaten beklagen finanzielle Ausstattung der Kommunen
Welche größte Baustelle hat der Kreis Euskirchen, die auf Landesebene gelöst werden muss – und wie würden Sie sie lösen?
Marie-Luise Knapp: Die finanzielle Lage der Kommunen ist angespannt. Das zeigt sich im Alltag der Menschen. Kommunen brauchen mehr finanzielle Spielräume. Ich setze mich dafür ein, dass sie einen größeren Anteil an den Steuereinnahmen des Landes erhalten.
Michael Gissinger: Die größte Baustelle, die wir im Kreis Euskirchen haben, ist die mangelnde Verlässlichkeit staatlicher Strukturen, etwa bei Kitas, Schulen und im Gesundheitssystem. Wir brauchen klare Zuständigkeiten, schnellere Entscheidungen und mehr Vertrauen in die Praxis vor Ort.
Sebastian Eich: Unsere Kommunen im Kreis Euskirchen sind strukturell vollkommen unterfinanziert. Das Land überträgt Aufgaben, ohne sie ausreichend zu finanzieren. Hier braucht es eine grundlegende Reform der Kommunalfinanzierung, damit Städte und Gemeinden wieder handlungsfähig werden.

Wollen für die SPD in den Landtag: Sebastian Eich (l.), Marie-Louise Knapp und Michael Gissinger.
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Was macht gute Politik für Sie aus?
Marie-Luise Knapp: Gute Politik stellt den Menschen in den Mittelpunkt und spielt Bevölkerungsgruppen nicht gegeneinander aus. Außerdem müssen auch notwendige Entscheidungen getroffen werden.
Michael Gissinger: Gute Politik erkennt Probleme früh, erklärt Entscheidungen verständlich und setzt sie konsequent um. Menschen sollen spüren: Es wird besser und sie werden ernst genommen.
Sebastian Eich: Politik darf kein Selbstzweck sein. Sie muss das Leben der Menschen konkret verbessern – das ist mein politischer Kompass.
Was muss die SPD auf Kreis- und Landesebene besser machen als auf Bundesebene?
Marie-Luise Knapp: Die SPD muss wieder klar für ihre Werte stehen und diese glaubwürdig vertreten. Erfolgreiche Kommunalpolitik zeigt, wie Bürgernähe und Pragmatismus funktionieren.
Michael Gissinger: Wir müssen näher an die Menschen, weniger Ideologie, mehr Alltag. Zuhören, präsent sein und ehrliche Lösungen anbieten – das ist entscheidend.
Sebastian Eich:Wir brauchen weniger interne Streitigkeiten und mehr konkrete Politik. Die Probleme der Menschen müssen im Mittelpunkt stehen – und gelöst werden.
Am 29. April entscheidet sich, wer für die SPD im Kreis Euskirchen antritt
Sollten Sie am 29. April gewählt werden: Was ist das Erste, das Sie tun werden?
Marie-Luise Knapp: Ich möchte die SPD im Kreis mobilisieren und ein starkes Team für den Wahlkampf aufbauen. Wichtig ist mir, möglichst viele Menschen einzubeziehen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.
Michael Gissinger: Ich werde zuhören – bei Kitas, Schulen, Einsatzkräften, Pflege und Familien – und daraus konkrete Initiativen entwickeln.
Sebastian Eich: Ich werde mich bei meiner Verlobten und meinen Mitbewerbern bedanken und anschließend mit Partei, Mandatsträgern und Gewerkschaften die Strategie für den Wahlkampf abstimmen.
Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt für Ihre Kandidatur?
Marie-Luise Knapp: Als junge Mutter und berufstätige Frau stehe ich mitten im Leben und kenne die Herausforderungen vieler Menschen im Alltag. Es braucht jetzt eine neue Generation in der Politik.
Michael Gissinger: Viele Menschen haben Vertrauen in Politik verloren. Es braucht einen neuen Politikstil, der Orientierung gibt und Veränderungen nachhaltig angeht.
Sebastian Eich: NRW steht vor großen Herausforderungen. Jetzt ist die Zeit zu handeln, damit sich das Land positiv entwickelt.
Was macht Sie zum richtigen Kandidaten für diesen Posten?
Marie-Luise Knapp: Ich verbinde politische Erfahrung mit persönlicher Lebensrealität. Ich kenne die Sorgen der Menschen und habe die nötigen Netzwerke.
Michael Gissinger: Ich bringe Praxis statt Theorie mit – aus Familie, Beruf und Ehrenamt. Ich stehe für Haltung, Teamarbeit und lösungsorientierte Politik.
Sebastian Eich: Ich vereine politische Erfahrung mit Verwaltungskompetenz. Ich weiß, wie politische Entscheidungen praktisch umgesetzt werden – das ist entscheidend für wirksame Politik.
Andreas Isecke gewählt
„Ich möchte der SPD im Kreis Düren und der Eifel ein klares, glaubwürdiges Gesicht geben. Unsere Partei muss wieder erkennbar für die Menschen da sein – nahbar, ehrlich und kämpferisch“, sagt Andreas Isecke, der auf der SPD-Wahlkreiskonferenz für den Landtagswahlkreis Düren II/Euskirchen II mit 89,2 Prozent der Stimmen gewählt worden ist.
Isecke ist 39 Jahre alt und arbeitet als technischer Gebäudemanager bei der Gemeinde Merzenich, engagiert sich kommunal seit vielen Jahren und setzt Schwerpunkte auf gute Arbeit, Strukturwandel, Energiepolitik und soziale Gerechtigkeit. Er ist verheiratet, hat zwei Söhne (13 und 17 Jahre alt) und bezeichnet sich als waschechten „Dürener Jung“. „Unsere Region ist meine Heimat – hier lebe, arbeite und engagiere ich mich seit vielen Jahren mit voller Überzeugung“, so Isecke.
Der Dürener sagt auch: „Für mich steht das Miteinander an erster Stelle. Wir brauchen Politikerinnen und Politiker, die die Sprache der Menschen sprechen, die Sorgen von Arbeiterinnen und Arbeitern, Familien und der Basis ernst nehmen und daraus konkrete Politik machen. Nur so gewinnen wir Vertrauen zurück. Ich möchte der SPD im Kreis Düren und der Eifel ein klares, glaubwürdiges Gesicht geben.“
