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Neuer KrimiVery british: Ralf Kramp lässt den versnobten Lord wieder ermitteln

4 min
Der Krimi-Autor Ralf Kramp steht vor einer Hauswand und hält sein neues Buch in Händen.

Seinen 30. Krimi und den dritten Band der „Mord, Mylord“-Reihe hat Ralf Kramp veröffentlicht.

In „Schon wieder ein Mord, Mylord“ stellt der Eifeler Autor Ralf Kramp seinen Lesern stets die Frage: Könnte es nicht doch so sein?

Fünf neue Fälle haben der versnobte Ermittler Reginald Lord Merridew und sein Assistenten Nigel Bates zu lösen: „Schon wieder ein Mord, Mylord“ heißt es dazu bei Ralf Kramp. Der erweist sich erneut als großer England-Fan und gekonnter Erzähler der Kriminalfälle eines an Sherlock Holmes und Dr. Watson angelehnten Ermittlerduos.

„Natürlich ist das reine Nostalgie“, sagt Ralf Kramp und blättert im 30. Krimi aus seiner Feder, der gerade erschienen ist. Dieses Mal ist das Buch nicht seiner Heimat, der Eifel, gewidmet, sondern England, das Kramp als seine zweite Heimat bezeichnet. Hier lässt er Nigel Bates, Anwalt und vor allem Sidekick von Reginald Lord Merridew, aus der Ich-Perspektive des Chronisten fünf Kriminalfälle erzählen. Die haben allesamt einen mehr oder weniger großen realen Kern haben. Denn was wäre ein Krimi von Ralf Kramp, wenn es nicht immer auch reichliche Bezüge zur Realität geben würde?

Ob in seinen Eifelkrimis, ob im jetzt dritten Band seiner „Mord, Mylord“-Reihe: Die fiktive Handlung wird immer mit Blick aufs Reale angereichert und ausgeschmückt. Das gibt selbst den verschrobensten und skurrilsten Dingen den leichten Zweifel: Könnte es nicht wirklich so gewesen sein?

Der Dudelsackspieler seiner Majestät hat auch seinen Auftritt

In „Schon wieder ein Mord, Mylord“ treibt es Kramp ab und an sichtlich genussvoll auf die fast schon satirische Spitze. In „Das Rätsel des einsamen Pfeifers“ geht es unter anderem um den Tod des Dudelsackspielers Ihrer Majestät. Elizabeth II. hatte tatsächlich einen Dudelsackspieler, der ihr den musikalischen Morgengruß bot, wenn sie in einer königlichen Residenz übernachtete. Der reale Major Paul Burns spielte das letzte Lied für seine Königin als Farewell bei der Begräbnisfeier am 19. September 2022 in Westminster Abbey. Burns wurde von King Charles III. als „The King’s Piper“ übernommen.

Privatdetektiv Lord Merridew – nach einer wunderbar beschriebenen Szene am Renntag in Ascot inmitten des blasierten Adels – ermittelt zum Tod des „Royal Pipers“ im Royal Earlswood Hospital in Surrey, wo zwei mit geistigen Einschränkungen geborene Cousinen der Queen über Jahrzehnte verborgen vor der Öffentlichkeit lebten. Auch hier gilt: Die grundsätzlichen Fakten stimmen – der Mordfall und das weitere Personal sind erfunden. In allen Fällen gilt in „Schon wieder ein Mord, Mylord“: Eine kluge KI, die Fragen zu einer Fülle von „Speaking Names“ und Örtlichkeiten schnell beantworten kann, macht die Lektüre noch unterhaltsamer, als sie ohnehin schon ist.

In „Das Rätsel um den Geist der Blumen“ aber hilft das nicht weiter. „Das von eher manischen Blumen- und Pflanzenfreunden bevölkerte Dorf in den schönen Cotswolds bei Oxford gibt es so nicht“, gesteht Ralf Kramp. Wahr aber sei, dass er und seine Frau Monika bei ihren vielen Englandreisen auch in dieser Region waren, wo die leidenschaftlichen Hobbygärtner aus der Eifel auf Gleichgesinnte trafen.

Der Autor aus der Eifel liebt Skurrilitäten und Exzentrik

Solche Überschneidungen sind typisch für den Erzählstil Kramps. Einige der fünf Kriminalgeschichten haben tatsächliche Straftaten als Basis, wie der legendäre Postzugraub von 1963. Kramp klärt nebenbei das Rätsel, was mit dem gestohlenen Geld geschah (eine Fiktion natürlich), erwähnt aber auch den Ulster Man, der Insiderwissen hatte und den es tatsächlich gab.

Dazu kommt Kramps gute Beobachtungsgabe für Skurrilitäten, Exzentrik und Vorurteile, die manche Engländer auszeichnen. In „Das Geheimnis der schweigenden Steine“ ist es allerdings die Karikatur der Was-kostet-die-Welt-Großmäuligkeit eines schwerreichen US-Amerikaners, der den Briten ihr Weltkulturerbe Stonehenge abkaufen will. Weil es seiner Gattin gefallen könnte – weil er es kann. Wie peinlich! Wie unvorstellbar! Wer da an einen Mann mit goldverziertem Arbeitszimmer in Washington denkt, dürfte nicht völlig falsch liegen.

Anspielungen auf Shakespeare und die britischen Krimiklassiker

Und immer wieder gibt es Shakespeare-Zitate, Anspielungen an die hohe Zeit der englischen Kriminalliteratur, TV-Krimis, Musicals und Schauspieler der 1950er- bis 1970er-Jahre. Es sei eben pure Nostalgie, gesteht Kramp, die ihn die Handlung der „Mord, Mylord“-Krimis so weit zurückverlegen lasse. Und jede Menge Britishness.

Die Eifel und England, das sind die zwei Seelenlandschaften für Ralf Kramp. Gemeinsam haben beide immer wieder das eher nicht-mediterrane Wetter, meint Kramp. Den Spleen, die kleine Absonderlichkeit, die sich traditionsbewusste Briten gönnen, um ansonsten eher unauffällig zu bleiben, haben sie allerdings exklusiv.

Ralf Kramp: Schon wieder ein Mord, Mylord. KBV Verlag. 343 Seiten. 15 Euro. ISBN 978-3-95441-769-8.