Der Zweckverband go.Rheinland hat die Qualität der Haltepunkte untersucht. Der Bahnhof in Dahlem liegt aktuell auf dem Spitzenplatz.
Qualitäts-CheckFast alle Bahnhöfe im Kreis Euskirchen schneiden schlechter ab

Der Zweckverband go.Rheinland hat die Qualität der Haltepunkte untersucht – Dahlem liegt aktuell auf dem Spitzenplatz.
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Einmal im Jahr veröffentlicht der für den Schienenpersonennahverkehr in der Region zuständige Zweckverband go.Rheinland eine Rangliste, die die Qualität und Ausstattung der Bahnhöfe und Haltepunkte widerspiegelt. Die „Profitester und -testerinnen“ des Zweckverbands nehmen dafür verschiedene Punkte genau unter die Lupe. „Untersucht wurden dabei unter anderem Merkmale wie Sauberkeit, der Zustand von Sitzgelegenheiten, Abfallbehälter und Vitrinen sowie die Funktionalität des Wetterschutzes“, heißt es in einer Mitteilung des Zweckverbands.
Als go.Rheinland vor ziemlich genau einem Jahr den Stationsbericht für das Jahr 2024 vorstellte, sorgte das im Kreis Euskirchen für Heiterkeit, denn ganz oben auf dem Spitzenplatz war der Bahnhof in Iversheim mit der Maximalquote von 100 Prozent aufgeführt. „Dass seit dem 14. Juli 2021 in Iversheim kein Zug mehr gehalten hat, hat die Bewertungskommission dabei übrigens nicht gestört“, merkte der Autor dieser Zeilen bei seinem Bericht im vergangenen Jahr an: „Denn noch ruht der Verkehr der Erfttalbahn, weil Arbeiten zur Hangsicherung bei Bad Münstereifel laufen.“
Bahnhöfe der Erfttalstrecke kamen diesmal nicht in die Wertung
Diese Arbeiten sind inzwischen abgeschlossen: Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember fährt die aus Bonn kommende S23 über Euskirchen wieder bis nach Bad Münstereifel durch und bedient dabei auch die Bahnhöfe in Stotzheim, Kreuzweingarten, Arloff und Iversheim. Blöd nur, dass diese Haltepunkte der Erfttalbahn, die jetzt wieder in Betrieb sind, im aktuellen Stationsbericht für 2025 nicht aufgeführt werden.
Ab 2026 werden die Stationen der Erfttalstrecke wieder regulär und vollständig in die jährliche Erhebung einbezogen.
„Aufgrund der Flutauswirkungen konnten sechs Stationen nicht erfasst werden“, teilt go.Rheinland dazu mit. Neben den fünf genannten Bahnhöfen der Erfttalbahn betrifft das auch den Bahnhof Stolberg Altstadt, der ebenfalls im Juli 2021 beschädigt wurde. „Ab 2026 werden die Stationen der Erfttalstrecke wieder regulär und vollständig in die jährliche Erhebung einbezogen“, so go.Rheinland-Sprecherin Jessica Buhl auf Anfrage.
Doch so können sich nun alle Dahlemer darüber freuen, den am besten bewerteten Bahnhof im Kreis Euskirchen zu haben: Mit einem Gesamtergebnis von 95,19 Prozent schneidet der Haltepunkt an der Eifelstrecke nun am besten ab, dicht gefolgt von Blankenheim (Wald) mit 95,15 Prozent.
Rheinlandweit haben die Mängel an den Bahnhöfen stark zugenommen
Nur das Fehlen einer Bahnhofsuhr und einer Rampe für Reisende mit Mobilitätseinschränkung oder einem Fahrrad im Gepäck führte in Blankenheim zu einer leichten Abwertung gegenüber der Nachbarstation in Dahlem. Auf dem Bronze-Platz liegt der Bahnhof Urft mit 92,66 Prozent, der erstmals seit der Flut im vergangenen Jahr wieder von den Testern und Zügen angesteuert worden war.
Insgesamt – so das Fazit von go.Rheinland nach der Beurteilung von 195 der 201 Verkehrsstationen im Verbandsgebiet – liege das Gesamtergebnis des Jahres 2025 deutlich unter dem Niveau des Vorjahres: In der besten Kategorie (sehr gut/ausgezeichnet) landeten 2025 nur zehn Bahnhöfe und Haltepunkte (Vorjahr: 22). Der Kategorie ordentlich/akzeptabel konnten dieses Jahr 98 Stationen zugeordnet werden, 2024 waren es noch 126.
Die Anzahl der Bahnhöfe und Haltepunkte mit inakzeptablen Mängeln ist laut go.Rheinland im Vergleich zu 2024 von vier Prozent auf acht Prozent gestiegen, die Anzahl der entwicklungsbedürftigen/noch akzeptablen Stationen von 41 auf 71. „Die deutliche Mehrheit der Bahnhöfe und Haltepunkte (55 Prozent) befindet sich damit jedoch nach wie vor im ordentlichen (50 Prozent) bis sehr guten Zustand (5 Prozent)“, so der Zweckverband.
Großbüllesheim ist Schlusslicht der „Bahnhofs-Tabelle“ im Kreis
Im Kreis Euskirchen gibt es allerdings keinen Bahnhof, der zur absoluten Spitzengruppe gehört. Die drei Erstplatzierten sowie die Bahnhöfe in Mechernich, Scheven, Weilerswist, Nettersheim, Zülpich und Kuchenheim (absteigend in dieser Reihenfolge) werden zu den „ordentlichen“ Stationen gezählt.
Mehr Handlungsbedarf, was Ausstattung, Funktionalität und Sauberkeit angeht, besteht in den übrigen Stationen im Kreis Euskirchen, die von den Testern 2025 unter die Lupe genommen wurden. Auf den weiteren Plätzen folgen (in weiter absteigender Aufzählung) die Bahnhöfe in Schmidtheim, Derkum, Euskirchen, Nemmenich, Satzvey und Kall. Schlusslicht ist aktuell Großbüllesheim, das auf einen Wert von 83,71 Prozent kommt.

Um die Bedienung der neuen Ticketautomaten zu erklären, hatte der Zweckverband go.Rheinland zu Jahresbeginn auch in Euskirchen Schulungen für interessierte Fahrgäste angeboten.
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Auffallend ist, dass sich die Beurteilungen in nahezu allen Stationen im Kreis im Vergleich zum Jahr 2024 zum Teil recht deutlich verschlechtert haben. Insbesondere Großbüllesheim, das 2024 noch 95,71 Prozent erreichte, fiel deutlich zurück. Beim Besuch der Stationstester wurden unter anderem Sauberkeit und Erscheinungsbild von Grünanlagen, Wetterschutz und Sitzgelegenheiten bemängelt. Fahrkartenautomat und Fahrkartenentwerter waren nicht in Betrieb, und der allgemeine Bauzustand von Bahnsteig und Bahnhofszugang fiel negativ auf.
go.Rheinland fordert Stationsbetreiber zum Handeln auf
Das will der Zweckverband im Hinblick auf die Zufriedenheit seiner Fahrgäste nicht weiter hinnehmen: „Wir fordern die Stationsbetreiber, Städte und Gemeinden dazu auf, aktiv gegenzusteuern“, sagte daher go.Rheinland-Geschäftsführer Dr. Norbert Reinkober: „Auch wenn uns bewusst ist, dass Ausstattungselemente nach einer Instandsetzung leider oft sofort wieder erneut mutwillig zerstört oder mit Graffiti verschmutzt werden, schauen wir nicht weg.“
Um diesem Trend entgegenzuwirken, laufe bereits seit 2022 eine Kooperationsvereinbarung zwischen go.Rheinland und der DB InfraGO AG, die für die meisten Bahnhöfe in der Region verantwortlich ist. Neben der Graffitibeseitigung beinhalte diese Vereinbarung zudem die Umsetzung von Kunst-Graffiti an gemeinsam ausgewählten Stationen.
Große Dinge hält man beim Zweckverband unterdessen von den neuen Ticketautomaten. „Seit dem vergangenen Jahr hat go.Rheinland im eigenen Gebiet nach und nach 330 hochmoderne Ticketautomaten aufstellen lassen“, heißt es im Stationsbericht: Diese zeichneten sich durch eine hohe Bedienerfreundlichkeit aus. Gleichzeitig hatte der Verband im vergangenen Jahr Fahrgästen aber auch Schulungen zur Automatennutzung angeboten. „Wir werten gerade aus, wie dieses Angebot angenommen worden ist und ob noch Bedarf für weitere Schulungen besteht“, sagte Pressesprecherin Jessica Buhl. Sollte es in diesem Jahr neue Termine geben, werden diese im Internet angekündigt.

