In den Pastoralen Räumen im Bistum Aachen haben sich die Räte konstituiert. Die Mitglieder haben unterschiedliche Motive und gleiche Ziele.
Reform im Bistum AachenEifeler Katholiken starten mit Unsicherheiten in die Ratsarbeit

Konstituierende Sitzung im Stuhlkreis: Im Kloster Steinfeld formierte sich der Rat des Pastoralen Raumes mit Pfarrer Wieslaw Kaczor (r.).
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Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, dichtete einst Hermann Hesse. Ob er dabei den Stuhlhalbkreis inmitten des eher schmucklosen Seminarraums im Kloster Steinfeld gemeint haben könnte, in dem sich die Mitglieder des Rates des Pastoralen Raumes zu ihrer konstituierenden Sitzung trafen?
Ein Anfang war es sicherlich, als die neu gewählten Mitglieder zusammenkamen, genauso wie in den anderen Pastoralen Räumen in der Region. Auch wenn es auf den ersten Blick so aussehen könnte, als seien die einstigen GdG-Räte lediglich mit einem neuen Namen versehen worden, sind die Änderungen doch tiefgreifender. Doch worin die genau bestehen, das ist noch unsicher.
Reform im Bistum Aachen ändert die gewohnte Struktur der Kirche
Was nicht nur für die gilt, die jetzt als gewählte Mitglieder in diesen Gremien sind. „Beim GdG-Rat war bis in die Spiegelstriche genau festgelegt, was seine Aufgabe war“, erklärte Pfarrer Wieslaw Kaczor, Leiter des Pastoralen Raumes Steinfeld, in der konstituierenden Sitzung. Einige Aufgaben hatte Pastoralreferentin Alice Toporowsky zusammengefasst: Er bestätige kirchliche Initiativen, Gruppen oder Einrichtungen als „Orte von Kirche“, nehme den Rechenschaftsbericht der Leitung entgegen, habe ein Anhörungsrecht beim Haushaltsentwurf des Pastoralen Raumes. Das Bistum Aachen formuliert es auf seiner Internetseite offener: Der Rat des Pastoralen Raumes solle über die „grundlegenden Fragen des Pastorals“ informieren, beraten und nach Möglichkeit entscheiden.
Was gerade in der aktuellen Situation so einiges umfasst. Denn der Reformprozess „Heute bei Dir“, der von Bischof Helmut Dieser angestoßen wurde, hat die gewohnte Struktur der Kirche verändert. Aus den Orten mit ihren Pfarrkirchen und Pfarreiräten werden nun „Orte von Kirche“ mit Ortsausschüssen. Der Einfluss der lokalen Akteure droht zu verschwinden – und das nicht immer zur Freude der Betroffenen.
Weniger Katholiken und weniger Priester auch in den Eifel-Gemeinden
Doch die Aussichten für die Zukunft der Katholischen Kirche sind unverkennbar und werden immer wieder vom Bistum deutlich gemacht: Die Zahl der Gläubigen sinkt, genauso die Zahl der Priester. Und: Die finanziellen Mittel schwinden, mit denen Personal, aber auch Kirchen und andere Immobilien unterhalten werden können.
Eine Botschaft, die angekommen ist. Vor allem bei denen, die sich als Kandidaten für den Rat des Pastoralen Raumes haben aufstellen lassen. Gewählt wurde eine bunte Mischung: Alte Hasen und Neulinge, Männer und Frauen, vor allem Vertreter der älteren Semester, aber auch jüngere. So trifft Erfahrung in der Arbeit von Kirchengremien auf neue Ideen und Engagement. Als Vorsitzender des neuen Rates des Pastoralen Raumes wurde Alfred Piehler gewählt, der bereits dem GdG-Rat vorstand, dem Vorläufer des jetzigen Gremiums.
Neues Mitglied des Rates ist Ute Stolz, langjährige Fraktionsvorsitzende der CDU im Kreistag. Sie ist mit einer Aufgabe betraut, die es vor der Reform nicht gab: Sie wurde von Kaczor für die Wahl zum ehrenamtlichen Mitglied der Leitung des Pastoralen Raumes (PR) vorgeschlagen. „Sie hat Fähigkeiten und Ressourcen, die wir nicht haben“, begründete Kaczor seine Auswahl, der der Rat einstimmig folgte.
Ratsmitglieder haben unterschiedliche Motive und die gleichen Ziele
Unbesetzt blieb dagegen der Posten im regionalen Katholikenrat. Und das aus einem einfachen Grund: „Der existiert noch gar nicht, der muss sich noch bilden“, informierte Kaczor. Auch hat der Rat des Pastoralen Raumes noch nicht seine endgültige Form. Denn die Vertreter aus Pesch und Tondorf fehlten noch, während alle anderen Pfarrorte vertreten waren. Doch die werden auch noch zu dem Gremium stoßen, sagte Kaczor.

Vertreter der jungen Generation ist Luca Brod aus Kall.
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Einiges an Erfahrung bringen Wilfried Müller (l.) und Norbert Radermacher in den neuen Rat ein.
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Neu in der Gemeindearbeit ist Hildegard Poth aus Marmagen.
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Ganz unterschiedliche Motive äußerten die Menschen, die zu dieser ersten Ratssitzung zusammenkamen und nun gemeinsam den Reformprozess umsetzen wollen. „Kirche ist wichtig“, sagte Hildegard Poth aus Marmagen, nach ihren Beweggründen befragt, sich für die Wahl aufstellen zu lassen. Sie ist neu in der kirchlichen Gremienarbeit.
Ganz nach vorne will sie zum Start definitiv nicht: „Ich möchte in der zweiten Reihe aktiv werden.“ Kirche müsse dringend mehr auf die Menschen zugehen. Vor allem müssten Jugendliche und Kinder mehr eingebunden werden und durch das Fehlen von Geistlichen neue Formen erarbeitet werden. „Ich möchte auch die Gottesdienstzeiten ändern. Das wurde mir immer wieder zugetragen, dass es schön wäre, wenn auch ab und zu samstags ein Gottesdienst angeboten würde“, sagte sie.
Kirche ist wichtig.
Norbert Radermacher aus Frohngau bringt viel Erfahrung mit: „Ich habe im Jahr 2007 den GdG-Rat mitgegründet.“ Er beobachtet, wie der Kirche die Mitglieder weglaufen: „Auch bei uns, das geht gewaltig runter.“ Die Mitglieder des Rates haben nun die Änderungen umzusetzen. Und die Menschen vor Ort brauchten Ansprechpartner. Reichlich zu tun also. Auch gehe es darum, beispielsweise die kleineren Aktionen zu betrachten, die in vielen Pfarreien angeboten werden. Es müsse geschaut werden, was gebündelt und vernetzt werden könne.
Auch Wilfried Müller aus Steinfeld sieht die Probleme, zum Beispiel bei den Ortsausschüssen, die die Pfarreiräte ersetzen sollen: „Einige tun sich schwer damit. Wir wissen noch nicht, wie es geht.“ Kirche sei immer in Entwicklung und ein stabiles Angebot für die Menschen, die den Glauben suchen: „In meiner Vorstellung geht es um die Sinnfindung von Menschen.“
Es ist immer wichtig, dass die Kirche im Ort bleibt, dass die Sachen vor Ort gemacht werden.
„Es ist immer wichtig, dass die Kirche im Ort bleibt, dass die Sachen vor Ort gemacht werden“, betonte Regina Schruff aus Nettersheim, bislang Mitglied des Pfarreirates, den es nun so nicht mehr gibt. Es sei immer so gewesen: Die Kirche sei vor Ort gewesen und Steinfeld sei die übergeordnete Ebene. Sie sehe sich nun als Bindeglied. „Ich will Vernetzung mit anderen, um Sachen gemeinsam zu machen. Wenn man allein ist, geht es nicht.“ Zwar sei der Pfarreirat offiziell aufgelöst, doch er mache intern weiter. „Ohne geht es nicht“, machte sie deutlich. So sei auch das Weihnachtsfest in der Nettersheimer Kirche noch vom alten Rat organisiert worden.
Ganz spontan hatte sich Luca Brod als ein Vertreter der jüngeren Generation zur Kandidatur für den Rat entschlossen: „Kirche ist ein Teil der Gesellschaft unseres Landes und der Region, der gepflegt werden muss.“ Die Menschen brauchten die Kirche mehr, als vielleicht vielen bewusst sei. „Ich war im Pfarreirat, das hat Spaß gemacht“, so Brod. Er erwarte aber, dass die Arbeit nun anders werde. „Kirche ist nicht nur das Gebäude, wo Menschen hingehen“, betonte er. Notwendig seien Ideen, die Menschen wollen und brauchen. In Kall gebe es ein gutes Angebot, das noch ausgebaut werden könne. „Kirche soll eine Gemeinde werden, in der jeder sein Zuhause findet“, skizzierte er seine Vision.
Neben Personalfragen widmete sich das Gremium in seiner ersten Sitzung direkt einer Sache, die die Menschen vor Ort beschäftigt: die Abschaffung der Pfarreiräte, die nun zu Ortsausschüssen werden sollen. „Die werden nicht mehr gewählt, aber es wäre schön, wenn die Pfarreiräte als Ortsausschüsse weiterlaufen“, so Kaczor. Zum Beispiel sei das in Nettersheim und Kall so. Die Menschen sollten auch offiziell beauftragt werden, kündigte er an. „Sie können auch als ,Ort von Kirche' anerkannt werden, müssen aber nicht“, so Kaczor.

