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Polizisten angegriffenLandgericht Bonn stuft 50-Jährigen aus Mechernich als gefährlich ein

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Das Bild zeigt zwei Wohncontainer und ein weißes Zelt des DRK.

Vor diesem Wohncontainer in der Mechernicher Peterheide kam es zu den Geschehnissen, in deren Verlauf die Polizisten Gebrauch von ihren Schusswaffen machen mussten.

Nach einem Messerangriff auf Polizisten in Mechernich wird ein 50-Jähriger dauerhaft in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Die Polizisten schossen in Notwehr auf den Mann.

Mit drei Schüssen haben Polizisten am 28. Mai vergangenen Jahres einen Mann niedergestreckt, der sie an einer Obdachlosenunterkunft in Mechernich mit einem Messer bedroht und trotz mehrfacher Aufforderung die Waffe nicht fallengelassen hatte. „Die Polizisten haben richtig gehandelt“, sagte der Vorsitzende der 10. Großen Strafkammer des Bonner Landgerichts, Marc Eumann: „Sie konnten gar nicht anders.“

Er und seine Kollegen mussten allerdings nicht über den Polizeieinsatz befinden, sondern entscheiden, ob der 50-Jährige in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden muss. Die Staatsanwaltschaft Bonn hatte das beantragt, weil der Beschuldigte eine Gefahr für die Allgemeinheit sei. Die Kammer folgte dem Antrag: Der Mechernicher, der zurzeit in der Landesklinik Düren ist, wird dauerhaft untergebracht.

Psychiater mit Fausthieb krankenhausreif geschlagen

Wenige Stunden vor den Polizeischüssen hatte er nach Erkenntnissen des Gerichts an der Unterkunft einen Psychiater des Gesundheitsamtes, der mit zwei Kolleginnen nach ihm sehen wollte, mit einem Fausthieb auf den Kopf krankenhausreif geschlagen. Das Ordnungsamt leitete daraufhin ein Verfahren zur Zwangseinweisung ein, das zwei Polizisten durchsetzen sollten. Sie klopften an der Containertür, er öffnete aber nicht, sondern beschimpfte die Beamten: „Verpisst euch, lasst mich in Ruhe!“

Er hatte das vor Gericht bestritten. Möglicherweise, so hieß es in der Urteilsbegründung, erinnerte er selbst sich aber an einen Jahre zurückliegenden Vorfall, als er vor Polizisten an seiner Wohnung mit einer Schreckschusspistole herumfuchtelte und ein Spezialkommando anrückte. Damals sprang er aus dem Fenster und brach sich ein Bein.

Pfefferspray ins Innere des Containers gesprüht

Jetzt sprühten die beiden Beamten Pfefferspray ins Innere des Containers, das aber keine Wirkung entfaltete. Inzwischen waren weitere Polizisten an der Unterkunft eingetroffen. Das gesamte Geschehen wurde mit Bodycams der Polizei gefilmt. Auf dem Video ist zu sehen, wie der 50-Jährige, vollgepumpt mit Amphetaminen, die Tür aufschließt und ein Faustmesser mit 8,5 Zentimeter langer Klinge in der Hand hält. „Messer!“, warnt einer der Kommissare seine Kollegen. Ein zweiter ruft: „Tu das Messer weg, dann können wir dir helfen.“

Und noch einmal: „Das Messer weg, sonst müssen wir schießen!“ Der Mann kommt raus, geht vorwärts, dabei schwingen die Arme und damit auch das Messer hin und her. Er nähert sich bis auf knapp drei Meter den schussbereiten Polizisten. Die können nicht zurückweichen, weil der Container am Rand einer Abbruchkante steht. Zwei drücken ab – und treffen den Angreifer dreimal: in Schulter, Bauch und Oberschenkel.

Er wird in der Uni-Klinik Aachen notoperiert und überlebt mit bleibenden Schäden. Eine Kugel steckt noch immer in seinem Körper. Den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, der 50-Jährige sei der gefährlichen Körperverletzung schuldig, sah die Kammer nicht als gegeben, wohl aber einen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Die Attacke auf den Psychiater wurde als einfache Körperverletzung gewertet.

Laut Gericht leidet der Beschuldigte, der nach einer Sonderschule keinen richtigen Beruf ausgeübt, sondern von Gelegenheitsjobs und staatlichen Leistungen gelebt hat, an einer schizophrenen Psychose. Er halte sich für Gottes Sohn, der das Wetter vorherbestimmen könne, und glaube, der Wohncontainer sei „ein Fleischwolf, der ihn umbringen“ wolle. Diese Psychose war, so die Kammer, bisher auch durch hochwirksame Medikamente nicht in den Griff zu bekommen.