Fünf Meter tief, zwei verletzte Männer und austretendes Chlorgas: Rund 40 Feuerwehrleute aus der Stadt Mechernich haben bei einer Alarmübung am Schwimmbad in Satzvey für den Ernstfall geprobt. Für die Einsatzkräfte zählte jede Minute, denn das Szenario war realistisch angelegt: Zwei Mitarbeiter einer Lieferfirma wollten demnach Chemikalien mit Hausmeister Stefan Münch über einen Schacht in den Technikbereich des Schwimmbads bringen. Sie stürzten mitsamt einem 80-Liter-Fass ab. Einer konnte sich nicht mehr selbst befreien. Neben ihnen lagen umgestürzte Kanister, ist der Mitteilung zu entnehmen.
Alarmierung und erste Maßnahmen
Bei solchen Übungen werden die Kräfte wie bei einem echten Einsatz über ihre Meldeempfänger alarmiert. Die Löschgruppe Wachendorf traf mit sechs Einsatzkräften als Erste ein. Im Ernstfall wäre wohl die Löschgruppe Satzvey zuerst vor Ort gewesen, betont die Feuerwehr. Die Übungsleitung habe die Wachendorfer Wehr bewusst vorgeschickt. Der Grund: Sie gehört nicht fest zu dem Zug, der bei ABC-Einsätzen ausrückt. Also bei Einsätzen bei atomaren, biologischen oder chemischen Gefahrenstoffen. Der Einheitsführer befragte Münch zur Lage, die Wehr sperrte den Bereich im Umkreis von 50 Metern ab. Verstärkung und Spezialkräfte für Gefahrstoffe wurden angefordert.
Menschenrettung ohne Warten auf Spezialkräfte
Dann stellte sich die Frage: Auf die Spezialkräfte warten oder sofort mit der Menschenrettung beginnen? Der Einheitsführer entschied sich für Letzteres und ließ einen Trupp unter Atemschutz vorrücken. Die Herausforderung: Für eine Rettung war der Schacht zu eng. Die Trupps mussten die „Verletzten“ daher durch den Technikbereich und das Schwimmbad nach draußen bringen.
Chemikalienschutzanzüge und Chlorgas im Keller
Danach rüstete der ABC-Zug zwei Trupps mit gasdichten Chemikalienschutzanzügen aus, darunter Atemschutzgeräten. Die Belastung sei hoch, die Einsatzzeit entsprechend kurz, so die Wehr: ohne schwere Last sind es etwa 20 Minuten, mit Last 15 oder weniger. Die Übungsleitung erzeugte vor Ort tatsächlich Chlorgas. Die Trupps stellten sicher, dass aus dem beschädigten Fass nichts mehr auslaufen konnte, und prüften die Luft. Das Ergebnis: Die Hälfte des Wertes, bis zu dem die Kräfte ohne besondere Schutzmaßnahmen arbeiten dürfen. Da Chlorgas laut Feuerwehr etwa zweieinhalbmal schwerer ist als Luft, war der Geruch im Keller deutlich stärker als oben im Schacht.

Die Trupps prüften die Luft.
Copyright: M.Kaudel/FFW Mechernich
Dekontamination, Recherche und beteiligte Einheiten
Die Löschgruppe Satzvey baute eine Notdekontamination auf, in der die Einsatzkräfte gereinigt wurden. Die Koordinierungsstelle der Stadtfeuerwehr recherchierte etwa zu den Gefahrstoffen und kümmerte sich um die Meldungen – im Ernstfall eine Aufgabe für die Leitstelle, heißt es. An der Übung waren die Löschgruppen Kommern, Obergartzem, Satzvey und Wachendorf mit neun Fahrzeugen beteiligt.
Positives Fazit und Verbesserungspotenzial
Das Fazit der Übungsleitung um Winfried Melling und Ralf Eichen fiel positiv aus. Auch die Zusammenarbeit im ABC-Zug sei sehr gut gelaufen. Sie lobten auch die Stoffrecherche. Zugleich benannten sie Punkte, bei denen der ABC-Zug nachschärfen will. Die Übung fand bewusst im Übergang vom Arbeitstag zum Feierabend und in den Herbstferien statt, heißt es. Die Wehr räumt ein, dass das Szenario an einem normalen Abend mit mehr Badegästen, Sportgruppen und deutlich mehr Autos auf dem Parkplatz „ein ganzes Stück schwieriger“ gewesen wäre.
Hintergrund: Mechernich im ABC-Verband
Zum Hintergrund: Mechernich stellt im ABC-Verband des Kreises mit Einsatzkräften aus Zülpich die Abwehrkomponente. Sie fängt etwa ausgetretene Gefahrstoffe auf und liefert mit Fachliteratur und Messtechnik Informationen. (eva)

