Der Bundesgerichtshof hatte das ursprüngliche Urteil des Landgerichts aufgehoben. Nun wird der Fall gegen den 39-Jährigen aufgerollt.
Landgericht BonnMann griff in Mechernich Polizisten mit einem Holzstock an

Vor dem Landgericht in Bonn muss sich erneut ein 39-Jähriger verantworten.
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Die Staatsanwaltschaft hält den Mann für gemeingefährlich und hat, weil er wegen einer krankhaften seelischen Störung nicht in der Lage sei, das Unrecht seiner Taten einzusehen, seine Einweisung in eine psychiatrische Klinik beantragt. Er soll zwischen dem 5. Februar 2023 und dem 18. Juni 2024 in Mechernich und Euskirchen Polizisten angegriffen, Passanten belästigt und beleidigt sowie sich in obszöner Weise gezeigt haben. In einem ersten Unterbringungsverfahren folgte eine Strafkammer des Bonner Landgerichts Ende Januar 2025 dem Antrag und schickte den heute 39-Jährigen in eine psychiatrische Klinik.
Seine Verteidigerin Darlene Cohnen ging für ihren Mandanten in Revision vor den Bundesgerichtshof. Der hob das Urteil auf, weil die Bonner Richter nicht klar dargelegt hätten, ob der Beschuldigte die Taten im Zustand einer paranoiden Schizophrenie begangen oder sich einfach gegen den Zugriff der Polizisten gewehrt habe. Seit Montag rollt die 16. Große Strafkammer des Landgerichts die Sache neu auf.
Anklage spricht von angespitztem Holzstiel, Angeklagter von Schrubber
Am 5. Februar 2023 soll der 39-Jährige, der damals in einer Einrichtung für betreutes Wohnen in Mechernich lebte, nach einem Streit mit einem Stock einen Bilderrahmen im Flur zertrümmert haben. Als zwei Polizisten eintrafen, soll er sie mit einem vorn angespitzten Holzstiel bedroht haben, der laut Anzeige „als Hieb- und Stichwaffe oder als Speer“ hätte eingesetzt werden können.
„Ja, also, das war so“, erklärte der Beschuldigte, sichtlich nach Worten suchend: „Das war ein Schrubber, der war nicht angespitzt.“ Er sei „auf Speed“, also unter Drogen, gewesen und habe sich von den zwei Polizisten bedrängt gefühlt. Aber die Beamten fühlten sich von ihm angegriffen und überwältigten ihn „mit einfacher körperlicher Gewalt“.
39-Jähriger soll Imbissmitarbeiter in Mechernich mit Messer bedroht haben
Am 7. September 2023 soll er in einem Imbiss in Mechernich einen Mitarbeiter mit einem Messer bedroht haben, der ihn aber mit einer Holzlatte vertreiben konnte. Er habe auf der Straße gestanden und nur sein Bierchen trinken wollen, sagte der 39-Jährige. Die Polizei nahm ihn fest, beschlagnahmte das Messer und entsorgte es gegen Quittung. Es fehlt jetzt als Beweismittel.
Gut vier Wochen später, am 6. Oktober 2023, tauchte der Mann spätabends mit entblößtem Oberkörper im Euskirchener Bahnhof auf und sprach zwei damals 14- und 18-jährige Frauen an. Er soll sie vulgär beleidigt haben. Nein, das sei anders gewesen, behauptete er am Montag: Er sei wieder „auf Speed“ gewesen, habe eine Zigarette gefunden und die zwei Frauen um Feuer gebeten. Die fühlten sich jedoch bedroht, zumal auch noch seine Hose heruntergerutscht sei, und riefen um Hilfe.
Festnahme erfolgte an der Gerberstraße in Euskirchen
Die Polizei traf ihn schreiend auf dem Bahnhofsvorplatz an und drohte mit dem Einsatz von Reizspray. Daraufhin legte er sich auf den Boden, machte Liegestütze. Er sei im „Marine Corps und beim CIA“, rief er den Beamten zu, als sie ihn fixierten. Er könne sich nicht erinnern, das so geäußert zu haben, antwortete er auf Nachfrage des Richters.
Bis zum Sommer 2024 war Ruhe, dann tauchte der mittlerweile wohnungslose Mann am 18. Juni in der Gerberstraße in Euskirchen auf. Dort soll er Passanten belästigt und mit Glasflaschen geworfen haben. Als ihn ein Diensthundeführer der Polizei am Arm fasste, soll er sich losgerissen haben. Der Polizist ließ daraufhin den Hund von der Leine, sodass der Flaschenwerfer aufgab.
Er ist mittlerweile in der Forensischen Klinik in Düren untergebracht. Ob er dortbleibt, will das Gericht bis Mitte Januar klären.

