Im Mechernicher Planungsausschuss kam es zu einer Diskussion über ein Mehrfamilienhaus in Antweiler. Der Entwurf fiel bei der Politik durch.
Entscheidung vertagtMechernicher Politik wollte den „Bau-Turbo“ in Antweiler nicht zünden

Der Entwurf für ein modern gestaltetes Mehrfamilienhaus, das ein privater Investor an der Graf-Schall-Straße bauen möchte, gefiel den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses nicht.
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„Wir haben mit dem Bau-Turbo ein neues und mutiges Instrument, das unser Land voranbringen wird“, sagte Bundesbauministerin Verena Hubertz bei der Vorstellung des im vergangenen Herbst in Kraft getretenen Gesetzes. Es soll zur Beschleunigung des Wohnungsbaus in Deutschland beitragen und das Planungs- und Genehmigungsverfahren durch Sonderregelungen drastisch verkürzen.
Ziel ist die Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum. Der Wohnungsmangel in Deutschland hat nach Einschätzung des Pestel-Instituts bereits Ende 2024 einen Rekordstand von bundesweit 1,4 Millionen fehlenden Wohnungen erreicht. Auch im Kreis Euskirchen, das zeigen die Daten der Studie, bestehen starke Defizite. „Wir verzeichnen seit Jahren einen anhaltend starken Bedarf an modernen Wohnungen“, führte dann auch Architekt Dietmar Strick aus Wißkirchen bei der Vorstellung eines Bauprojekts aus, das er für einen privaten Investor in Antweiler plant.
Entwurf war den Ausschussmitgliedern „zu wuchtig“
In einer Baulücke an der Graf-Schall-Straße soll demnach ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohneinheiten entstehen. Der Vorgängerbau wurde im Jahr 2020 abgerissen, heute befindet sich dort eine große versiegelte Fläche mit mehreren öffentlich zugänglichen Waschmaschinen. „Geplant sind Mietwohnungen, wobei ich heute noch nichts zum Mietpreis sagen kann“, so Strick: „Es haben sich aber auch schon Interessenten aus Antweiler gemeldet, die auf der Suche nach einer Wohnung sind.“
Wir müssen uns gestalterisch weiterentwickeln, wenn wir wollen, dass dort gebaut wird.
Das modern gestaltete Flachdach-Gebäude mit – so Strick – „kleinteiligen Proportionen“ verfügt laut Planung über zwei Vollgeschosse und ein zurückgesetztes Staffelgeschoss. Der Architekt betonte, dass sich der Baukörper harmonisch in die bestehende Bebauung einfügen werde. Auch die Waschmaschinen sollen in den Bau integriert werden.
Doch den eingangs beschriebenen „Turbo“ wollten die Mitglieder des Mechernicher Stadtentwicklungs- und Planungsausschusses in ihrer jüngsten Sitzung nicht so recht zünden: Das Vorhaben fiel bei den Vertretern verschiedener Fraktionen durch. „Wir halten dieses Objekt an der Stelle nicht für passend, weil es sich nicht der Umgebung anpasst“, sagte Dietmar Bornkessel (FDP). Strick konterte, dass man im Jahre 2026 in der Regel keine Fachwerkhäuser mehr baue: „Die Gebäude in der direkten Umgebung sind mehr als 100 Jahre alt. Wir müssen uns aber gestalterisch weiterentwickeln, wenn wir wollen, dass dort gebaut wird.“
Die endgültige Entscheidung über Bauprojekt wurde vertagt
Diesem Argument stimmt Björn Wassong (CDU) grundsätzlich zu. Er betonte auch, dass seine Fraktion im Prinzip für die Nachverdichtung, also die Bebauung von Baulücken oder die Aufstockung bestehender Gebäude, sei. „Wir finden die Kubatur des Entwurfs aber zu wuchtig“, hielt er dem Planer vor.
Außerdem habe man Stimmen aus dem Ort gehört, die der Bebauung kritisch gegenüberstünden. Einige erst kürzlich fertiggestellte Mehrfamilienhäuser seien von Anwohnern in Antweiler ebenfalls als zu wuchtig empfunden worden. Der Architekt hielt entgegen, dass er alles dafür getan habe, den Baukörper bestmöglich in den Bestand einzupassen.
Von dem Vorschlag, seinen Entwurf noch einmal zu überarbeiten, hielt er entsprechend wenig: „Ich weiß nicht, was ich Ihnen vorschlagen könnte, was Ihnen besser gefällt“, so Strick: „Wenn der Investor nicht baut, entstehen eben keine neuen Wohnungen.“ Die Entscheidung über das Projekt wurde vom Ausschuss trotzdem in die nächste Sitzung des Gremiums vertagt.

