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„Ohne Pestizide und Maschinen“  Genossenschaft für kollektives Projekt wird gegründet

Auf einer Streuobstwiese in Glehn konnten sich zahlreiche Wolkenborn-Mitglieder persönlich treffen.

Auf einer Streuobstwiese in Glehn konnten sich zahlreiche Wolkenborn-Mitglieder persönlich treffen.

Mechernich-Glehn – Was ist ein Kollektiv wert, wenn die meisten Mitglieder sich noch nie begegnet sind? Das fragten sich die Initiatoren des „Kollektivs Wolkenborn“, der Initiative zur Gründung einer genossenschaftlichen Solidarischen Landwirtschaft (Solawi), und beschlossen gleich nach der Lockerung der Corona-Einschränkungen, sich auf einer Streuobstwiese in Glehn persönlich kennenzulernen. Denn auch wenn die Technik digitale Besprechungen möglich machte, wurde doch das menschliche Miteinander schmerzlich vermisst.

Schließlich gab es viel zu erzählen. Seit im November 2020 von Katharina und Romy Linden die Idee zur Gründung einer Solawi vorgestellt wurde, haben sich die Dinge weiterentwickelt. Mittlerweile ist die Gründung der Genossenschaft „Kollektiv Wolkenborn“ für den Herbst geplant und damit in greifbare Nähe gerückt. Rund 25 Aktive arbeiten daran, ihren Traum von genossenschaftlicher Landwirtschaft ohne Pestizide oder große Maschinen zu verwirklichen.

Erster Acker in Belgien

Die ersten Flächen zum Anbau hat man ins Visier genommen. Ende des Jahres soll auf einer Wiese bei Wolfert mit der Anlage von Obstbäumen begonnen werden. Ein erster Acker ist in Belgien bei Hergersberg bereits mit Kartoffeln bestellt worden. Eine Wiese bei Anstois mit rund 30 Bäumen kann bewirtschaftet werden. Auch ist bereits ein Depot in Marmagen eingerichtet.

Die Pläne gehen weiter. „Wir sind auf der Suche nach Flurstücken, die wir pachten können“, sagt Romy Linden. Ackerflächen ab 1,5 Hektar seien von Interesse. Darüber hinaus sei es möglich, einen kompletten Hof zu pachten, eventuell eine Landwirtschaft, bei der die Nachfolge nicht geregelt sei. Dazu soll eine Vollzeitstelle geschaffen werden für einen Gärtner, der den Gemüseanbau leitet.

Eine Genossenschaft zu gründen, sei ein hoher Aufwand, so Linden. Doch nun stehe die Satzung. Über das Netzwerk der Solawis in Deutschland habe es viel Unterstützung gegeben. „Wir wollen die höchste Transparenz bieten“, sagt sie. Risiken und Gewinne sollen geteilt werden. Vor allem soll Gemüse angebaut werden.

Nachhaltigkeit statt herkömmliche Landwirtschaft

Gestartet werden soll mit 50 Ernteteilen pro Anteil, die auf 250 Ernteteile gesteigert werden sollen. Obst, Honig, Hühner- und Schaffleisch sowie Eier könnten über Kooperationen mit anderen Erzeugern beigesteuert werden. Eine erste Zusammenarbeit ist mit Uli Pohl aus Dottel vereinbart, der dort eine Streuobstwiese betreut.

Aus dem Kreis Euskirchen, aber auch aus Wohnorten wie Aachen oder Köln interessieren sich die Menschen für das Projekt. „Es ist toll, dass so viel Fahrt drin ist, obwohl wir uns nie sehen konnten“, sagt Claudia Träger aus Hecken. Die Menschen, die sich für das Projekt engagieren, seien meist alternativ unterwegs, erzählt sie: „Die Leute denken sehr realistisch und sind sehr bodenständig.“ Sie wollten der konventionellen Landwirtschaft etwas entgegensetzen.

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„Dass die kleinen Höfe hier sterben, ist nichts Neues“, so Linden. Das Potenzial, das Land gemeinsam zu bewirtschaften, werde nicht gesehen. „Wir wollen gemeinsam bleiben, statt »wachsen oder weichen«“, zitiert sie das Motto der frühen Landwirtschaftsförderung. Die Menschen erleben, dass dies ihre Heimat sei, die sie schützen. Ein Biosiegel sei nicht wichtig, um nach nachhaltigen Prinzipien zu wirtschaften. „Wir wollen nicht nur dem Gemüse, sondern auch dem Produzenten seinen Wert zurückgeben“, so Träger.