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Neuer ChefarztKardiologie im Krankenhaus Mechernich will niedrigschwelligen Zugang bieten

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Prof. Christoph Hammerstingl ist neuer Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Rhythmologie im Kreiskrankenhaus Mechernich. Im Herzkatheterlabor beschreibt er seine Arbeit.

Hightech spielt bei Diagnostik und Behandlung in der Kardiologie von Chefarzt Prof. Christoph Hammerstingl eine große Rolle.

Prof. Christoph Hammerstingl ist neuer Chefarzt der Kardiologie im Kreiskrankenhaus Mechernich. Zertifizierung als Chest Pain Unit ist geplant.

„Ich hatte Mechernich schon immer auf dem Radar“, sagt Prof. Dr. Christoph Hammerstingl. Für den Neuen schließt sich in Mechernich ein Kreis: Am Universitätsklinikum in Bonn hat er seine Karriere begonnen und unter anderem mit dem langjährigen Mechernicher Chefarzt Dr. Peter Wirtz zusammengearbeitet, war danach im Bonner Marienhospital und hat zuletzt als Chefarzt die Kardiologie im Eduardus-Krankenhaus in Köln aufgebaut. Nun ist er Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Rhythmologie am Kreiskrankenhaus in Mechernich. Das pflegt als akademisches Lehrkrankenhaus traditionell enge Beziehungen zur Uni Bonn.

Hammerstingl ist 53 Jahre alt, verheiratet und hat zwei 15 und 17 Jahre alte Kinder. Mit seiner Familie lebt er in Bonn. Er ist nicht nur Facharzt für Kardiologie, sondern auch für Innere Medizin und internistische Intensivmedizin, verfügt über Zusatzqualifikationen in interventioneller Kardiologie, Herzinsuffizienz- und Sportkardiologie.

Nur wenige Patienten müssen von Mechernich in die Uniklinik

Die Vernetzung mit der Uniklinik Bonn will Hammerstingl nutzen und weiter ausbauen. In dieser Woche ist er etwa dort gewesen, um einen Patienten zu operieren. Dieser war einer von weniger als zehn Prozent der Menschen, die laut Hammerstingl kardiologisch nicht komplett in Mechernich behandelt werden können, weil ihre Erkrankungen derart komplex sind, dass sie auf die Ausstattung eines Maximalversorgers – sprich Uniklinik – angewiesen sind.

Die Kardiologie sucht apparativ und in der Infrastruktur ihresgleichen in der Region. Das ist oberstes Regal.
Martin Milde, Geschäftsführer Kreiskrankenhaus

Der Hauptaugenmerk liegt auf Mechernich. „Die Kardiologie sucht apparativ und in der Infrastruktur ihresgleichen in der Region. Das ist oberstes Regal“, sagt Kreiskrankenhaus-Geschäftsführer Martin Milde über sein Haus.

Den Ball nimmt Hammerstingl direkt auf und blickt auf die Notfallversorgung, in der das Kreiskrankenhaus die erste Adresse in der Region sein soll. Wie stark frequentiert Mechernich ist, hat er in seinen ersten Wochen auch bei seinen Diensten erfahren: 80 Prozent der Notfälle seien ohnehin internistisch oder kardiologisch begründet, zwei Patienten mit Herzinfarkt werden im Schnitt täglich nach Mechernich gebracht.

Über 2500 stationäre Patienten werden pro Jahr in Kardiologie behandelt

Die Tür soll immer offen stehen. Aufgrund der Ausrichtung der Kardiologie ist eben dies laut Milde zuletzt nicht der primäre Ansatz gewesen. Vereinzelt habe der Rettungsdienst Patienten nicht nach Mechernich bringen können, weil etwa benötigte Behandlungsplätze in der Kardiologie aufgrund langwieriger Untersuchungen belegt waren. Das soll nicht so bleiben. „Die Antwort an den Notarzt muss immer sein: Kommt her, wir schauen es uns an“, gibt Hammerstingl die Devise für Patienten, Rettungsdienst und zuweisende Ärzte aus – auch mit Blick auf die weiten Wege, die im Kreis Euskirchen zurückzulegen sind.

Jüngst seien drei Männer im Alter von etwa 35 Jahren mit unklarem Brustschmerz behandelt worden, berichtet Hammerstingl. Das vergleichsweise junge Alter erstaunt ihn dabei nicht. Wichtig sei, dass abgeklärt werde, mit welcher Erkrankung man es zu tun habe – und da bewegt er sich in seiner Disziplin auf einem weiten Feld der Möglichkeiten. „Wir Ärzte gehen als Pessimisten heran, um zuerst Lebensbedrohliches auszuschließen“, sagt er.

Keiner soll zögern, ins Krankenhaus zu kommen. Wir schauen lieber zehnmal zu viel als einmal zu wenig. Den einen Fall, auf den es ankommt, dürfen wir nicht übersehen.
Prof. Christoph Hammerstingl, Chefarzt Kardiologie

Auch die Mentalität der Eifeler, die sich im Zweifel drei Tage mit Beschwerden herumplagen, die auf einen Herzinfarkt hindeuten können, ist ihm schon bekannt. Daher soll das Angebot so niedrigschwellig wie möglich sein. „Keiner soll zögern, ins Krankenhaus zu kommen. Wir schauen lieber zehnmal zu viel als einmal zu wenig. Den einen Fall, auf den es ankommt, dürfen wir nicht übersehen.“ Diesem Ansatz spielt auch die Ausstattung des Kreiskrankenhauses in die Karten: „Dass wir ein Labor im Haus haben, ist eine Bank.“

Die Kardiologie ist eine der großen Abteilungen im Kreiskrankenhaus. 44 Betten hat die Station, zwei Katheterlabore sowie die Ambulanzen stehen für die Behandlungen zur Verfügung. Mehr als 2500 Patienten wurden im vergangenen Jahr laut Milde in der Kardiologie stationär behandelt, um sie kümmern sich rund 15 Ärzte sowie mehrere Dutzend Pflegekräfte und weitere Mitarbeiter. Die ambulant-stationäre Vernetzung und die enge Zusammenarbeit mit der Praxis für Innere Medizin in Euskirchen schätzt Hammerstingl sehr und sieht darin einen deutlichen Unterschied zu seiner bisherigen Wirkungsstätte: „In Köln wäre das so nicht denkbar.“

Mechernich hat erheblich in den Ausbau der Kardiologie investiert

Die Mechernicher wissen nicht nur um das, was sie haben und können. Die Kardiologie ist in den vergangenen Jahren konsequent ausgebaut worden. Dafür wurde auch kräftig investiert: 2022 etwa 1,8 Millionen Euro in den zweiten Linksherzkathetermessplatz.

Sie wollen ihr Leistungsvermögen aber auch objektiv bestätigt haben. Daher will man sich als Chest Pain Unit (CPU) zertifizieren lassen. Diese Zertifikate gibt die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie aus, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Der Katalog umfasst neben der apparativen Ausstattung und der Infrastruktur etwa die Qualifizierungen der Ärzte und des Pflegepersonals sowie klar strukturierte Abläufe ab der Aufnahme eines Patienten in der Notaufnahme.

Es gibt nur wenige Kardiologien, die über solch ein Entwicklungspotenzial verfügen.
Prof. Christoph Hammerstingl, Chefarzt Kardiologie

Ein Zertifikat als Wandschmuck ist indes wahrlich nicht die Hauptmotivation Hammerstingls. Konstant weiterentwickeln mag er die Kardiologie in Mechernich, der er nach den ersten Wochen im Dienst attestiert, top ausgestattet zu sein und über ein sehr motiviertes Team zu verfügen. Und er sagt: „Es gibt nur wenige Kardiologien, die über solch ein Entwicklungspotenzial verfügen.“

Hier geht es in dieser von Hightech-Verfahren geprägten medizinischen Disziplin unter anderem um innovative bildgebende Verfahren oder den Einsatz Künstlicher Intelligenz, um hochauflösenden intravaskulären Ultraschall oder neue Techniken in der Behandlung starker Verkalkungen in den Koronararterien.

Auf der Durchreise sieht Hammerstingl sich daher nicht, eine Übergangslösung soll das Kreiskrankenhaus für ihn nicht sein: „Das ist meine letzte Arbeitsstelle.“ Eine Einschränkung schiebt er mit Blick auf Dinge hinterher, auf die er keinen Einfluss hat: „Wenn nicht die Gesundheitspolitik noch mal eine Kerbe schlägt.“


Klinikplanung beeinflusst Personalie

Für viele Diskussionen hat die NRW-Krankenhausplanung gesorgt und indirekt die Chefarzt-Personalie in Mechernich beeinflusst. Länger als ein Jahr hat es vom ersten Anhörungsverfahren bis zur am Ende von den Verwaltungsrichtern geschaffenen Klarheit gedauert – bis feststand, dass das Kreiskrankenhaus alle Leistungsgruppen behält.

In der ersten Planung hatte Mechernich im Juni 2024 keine Zuweisung für den perinatalen Schwerpunkt zur Versorgung von Frühchen, für die Komplexe Gastroenterologie mit aufwendigen Untersuchungen des Magen- und Darmtrakts sowie die EPU/Ablation und Kardiale Devices als Teilbereiche der Kardiologie erhalten.

Gute Nachrichten gab es im November 2024 infolge des Anhörungsverfahrens aus Düsseldorf: Die Komplexe Gastroenterologie und vor allem die Frühchenversorgungen, deren möglicher Wegfall hohe Wellen Kreis geschlagen hatte, werden im Kreiskrankenhaus auch weiterhin angeboten.

Die Zuteilungsbescheide erhielten die Kliniken im Dezember 2024, für Mechernich waren die beiden Kardiologie-Bereiche nicht dabei. Das Krankenhaus reichte im Februar 2025 dagegen Klage ein. Im Juli gab es die frohe Kunde aus Aachen: Die Richter hatten zugunsten Mechernichs entschieden.

Die lange Unsicherheit war für Kardiologie-Chefarzt Dr. Erol Saygili womöglich zu groß geworden. Anfang 2024 war er als Experte genau für die wenige Monate später infrage stehenden Bereiche aus Köln nach Mechernich gewechselt. Er kündigte und ist nun Chefarzt der Klinik für Rhythmologie am St. Marien-Krankenhaus in Siegen.

Das Eduardus-Krankenhaus in Köln, wo Prof. Christoph Hammerstingl zuvor tätig war, verlor hingegen im Zuge der Klinikplanung die Zuteilung für die Kardiologie – und der Chefarzt wechselte in die Eifel.