Die Pandemie als WeckrufKritisches und Selbstkritisches von Pfarrer Erik Pühringer

Die neue Altarüberdachung am Georgspütz wurde im Rahmen des Gottesdienstes eingeweiht.
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- In Mechernich wurde Christi Himmelfahrt mit einem Freiluftgottesdienst gefeiert.
- Pfarrer Erik Pühringer zeigte dort seinen „Improvisationsgeist“ und legte einen gelungenen Neustart hin.
- Doch Pühringer zeigte sich auch durchaus selbstkritisch in seiner Predigt.
Mechernich-Kallmuth – Einen gelungenen Start nach der Corona-Pause konnte die Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) St. Barbara Mechernich an Christi Himmelfahrt mit einem Freiluftgottesdienst am Georgspütz feiern. Rund 100 Besucher versammelten sich auf der Wiese, auf der üblicherweise am 1. Mai der Georgsritt mit einem Gottesdienst endet. Pfarrer Erik Pühringer zelebrierte die Messe mit Diakon Manfred Lang und Dr. Innocent Dim.
„Es ist ein Lottospiel, keiner weiß, wie viele kommen“, sagte Pühringer, als sich immer mehr Menschen einfanden. Es sei schön, wieder Gottesdienst zu feiern – aber auch unwirklich. „Vieles passt noch nicht“, sagte er über das Spannungsfeld kirchlicher Tradition und Hygienebestimmungen. „Improvisationsgeist ist gefragt“, so Pühringer.
Corona sorge für Erstarrung
Durchaus selbstkritisch äußerte sich Pühringer in seiner Predigt. Christi Himmelfahrt sei ein Synonym für das, was zurzeit geschehe. Damals hätten die Jünger erstarrt in den Himmel gesehen, heute gebe es durch Corona eine Erstarrung. „Ich habe zur Erstarrung beigetragen“, sagte er.
Steinpferde statt Reiterprozession
Pferde gehören zu den Gottesdiensten am Georgspütz bei Kallmuth irgendwie dazu – vor allem natürlich beim Georgsritt am 1. Mai. Der war in diesem Jahr allerdings den Einschränkungen wegen der Corona-Krise zum Opfer gefallen. Doch auch der Himmelfahrtsgottesdienst fand nicht ohne Pferde statt. Allerdings waren die Vierbeiner nicht physisch vorhanden.
Rund 200 Steine, mit Pferdemotiven bemalt, schmückten in den vergangenen Wochen den Bildstock am Ortseingang von Kallmuth. Nun waren sie auf Tischen ausgelegt, um nach dem Gottesdienst zugunsten der Finanzierung der neuen Altarüberdachung abgegeben zu werden.
„Eigentlich haben meine Kinder die Idee ins Leben gerufen“, sagte Jacqueline Schott aus Kallmuth. Felia und Madeleine hätten die traditionelle Pferdeprozession am 1. Mai derart vermisst, dass sie angefangen hätten, Pferde auf Steine zu malen.
Mit Klarlack bemalt wurden die Steine dann am Bildstock des Heiligen Georg zu einer Schlange ausgelegt. Viele Mitstreiter ließen sich animieren, mitzumachen und steuerten weitere bemalte Steine bei. All diese kleinen, steinernen Pferdebilder lagen nun nach dem Gottesdienst bereit, dazu mit dem kirchlichen Segen durch Diakon Manfred Lang versehen, um gegen eine Spende einen neuen Besitzer zu finden.
Es hatten sich dazu noch weitere gesellt. „Wir haben gestartet mit 120 Steinen, und es haben jetzt noch so viele mitgemacht, dass wir über 200 Stück haben“, freute sich Jacqueline Schott über die Resonanz auf die Idee ihrer Kinder. Rund 500 Euro erbrachte der Verkauf der Pferdesteine am Himmelfahrtstag, so Ortsvorsteher Robert Ohlerth.
Auch in den nächsten Wochen können Interessenten einen Stein erwerben und damit zur Finanzierung der neuen Altarüberdachung am Georgspütz beitragen. „Die Steine werden in der Kirche in Kallmuth ausgelegt“, sagte Ohlerth. Auch die Sponsoren des Projektes sollen einen bemalten Pferdestein erhalten, kündigte er an. (sev)
Teilweise auch bedingt durch den Verlust seines Computers habe er während der Wochen, in denen Gottesdienste nicht möglich waren, keine eigenen digitalen Angebote gemacht und auf das vertraut, was andere realisierten. Auf die Idee, seine Gottesdienstentwürfe der Gemeinde zugänglich zu machen, sei er erst später gekommen.
Pandemie sei vielmehr ein Weckruf
Manche bezeichneten Corona als Strafe Gottes, sagte er. Er sehe die Pandemie vielmehr als Weckruf, nicht auf Kirchenmitarbeiter „mit violetten oder anderen Häuptern“ zu warten, sondern selbst aktiv zu werden.
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„Wir alle sind kirchliche Gemeinschaft“, forderte er zur Rückkehr zur Hauskirche und dem Leben von Religion in Hausgemeinschaften auf. Das hätten einst auch Jesu’ Jünger so gemacht, „und die hatten noch nicht dieses dicke Buch“, sagte Pühringer.



