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100. GeburtstagZur Kirmes gab es in Lessenich eine besondere Ehrung für den Dorfältesten

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Hubert Geusen (100) sitzt in Begleitung von zwei kleinen Mädchen und deren Mutter in einer offenen Kutsche, die von einem Mann mit Zylinderhut gelenkt wird.

Hubert Geusen genoss die Kutschfahrt mit seinen Urenkelinnen.

Die Dorfgemeinschaft würdigt den ältesten Lessenicher: Hubert Geusen ist im Juni 100 Jahre alt geworden.

Eigentlich sollte es eine Überraschung werden. aber dann wollte man den alten Herrn doch nicht so überrumpeln. Also erfuhr Hubert Geusen ein paar Tage vor der Kirmes, dass ihm die Dorfgemeinschaft Lessenich eine besondere Ehrung zuteil werden lassen wollte: Der älteste Bürger des Ortes sollte in einer vierspännigen Kutsche zum Ehrenmal gefahren werden, wo traditionell der Toten der Weltkriege gedacht wird.

Geusen, der am 7. Juni 100 Jahre alt geworden ist, wusste sofort, wen er gern mitnehmen wollte auf den Ausflug. Und so saßen die zwei Urenkelinnen Elsa und Leanna neben ihm, außerdem die Schwiegerenkeltochter Fulya.

Matthias Meurer hatte die Idee gehabt, Leo Schäfer aus Elsig die Kutsche und die Ponys. Und so führte der Vierspänner den Zug der rund 80 Lessenicher und Lessenicherinnen zum Ehrenmal am Friedhof an. Ein Weg, auf dem man Hubert Geusen bis heute auch zu Fuß treffen kann, wenn er mit seinem Rollator unterwegs ist.

Geusen ist der letzte lebende Kriegsteilnehmer aus Lessenich

Am Ehrenmal empfing Ortsvorsteher Michael Wolfgarten mit dem Lessenicher Musikverein und Vertretern des Junggesellenvereins den Ehrengast. In seiner Rede erinnerte er an die Opfer der beiden Weltkriege. Wolfgarten schlug den Bogen zu den aktuellen politischen Herausforderungen und der Bedrohung für Freiheit und Demokratie.

Eine offene Kutsche wird von vier Pferden über einen asphaltierten Wirtschaftsweg durch die Feldflur bei Lessenich gezogen.

Leo Schäfer aus Elsig hatte seine Ponys angespannt, um den ältesten Lessenicher zu kutschieren.

Hubert Geusen ist der letzte Lessenicher, der im Zweiten Weltkrieg gekämpft hat. Für das Buch „Lessenich in der Eifel – Ein Dort im Wandel der Zeit“, das vor zwei Jahren erschienen ist, hatte er von seinen Erfahrungen als junger Mann, fast noch als Jugendlicher, erzählt. Bärbel Geusen und Elisabeth Geusen – die eine ist die Tochter des 100-Jährigen, die anderen die Frau seines Neffen –, hatten Interviews zur Dorfgeschichte, aber auch zur Lebensgeschichte der Einwohner geführt.

Jubilar wollte nicht auf seinen gewohnten Mittagsschlaf verzichten

Hubert Geusen hatte mit 14 eine Schreinerlehre begonnen. Sechs Tage Urlaub gab es damals im Jahr, erinnert er sich. Er war gerade mal 17 Jahre alt, als er die Einberufung zum Arbeitsdienst bekam. Noch bevor er 18 wurde, war er Soldat.     Was heute kaum vorstellbar ist, erzählt er unsentimental und ohne jedes Selbstmitleid: „Wir waren jetzt an der Front und schlecht ausgerüstet und hatten nichts zu essen.“

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam er in amerikanische Kriegsgefangenenschaft, mit 20 Jahren war er wieder zu Hause in Lessenich. „Ob ich mich gefreut habe, dass der Krieg vorbei ist, oder ob ich Angst hatte, kann ich nicht mehr sagen. Darüber habe ich nicht nachgedacht“, so wird er in dem Buch zitiert.

Nach der traditionellen Kranzniederlegung am Ehrenmal spielte der Musikverein, dann fuhr die Kutsche über Rissdorf zum Lessenicher Sportplatz. Neben dem Rohbau des neuen Vereinshauses war das Festzelt aufgebaut. Nach einer Ehrenrunde über den Platz empfing der Mechernicher Bürgermeister Michael Fingel den Dorfältesten. Der konnte nach dem ereignisreichen Vormittag danach endlich seinen Mittagsschlaf genießen.