In Schuhkartons verpackte Geschenke werden auch im Kreis Euskirchen gesammelt. Anne Meyer sah nun, wo die Pakete ankommen.
Ergebnis der WeihnachtsaktionSchuhkartons bereiten Kindern in Nordmazedonien große Freude

Manche Kinder erhalten zum ersten Mal ein Weihnachtsgeschenk. Die Inhalte der Schuhkartons sind auf die jeweilige Altersgruppe zugeschnitten.
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Seit 30 Jahren gibt es die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ im deutschsprachigen Raum. Die Menschen packen Geschenkpakete für Kinder in prekären Lebensverhältnissen in anderen Ländern und bringen sie zu den Abgabestellen, die auch im Kreis Euskirchen alljährlich im Oktober und November eingerichtet werden. Aber was geschieht mit den Schuhkartons, wenn sie gepackt sind und vom Spediteur abgeholt werden?
Anne Meyer koordiniert seit einigen Jahren die Aktion im Raum Mechernich. Ihre Freundin Dagmar Buchendorfer ist für den Raum Düren zuständig. Das Angebot, zum anderen Ende der Geschenke-Kette zu reisen, ließen sie sich nicht zweimal machen. Und so flogen Sie auf eigene Kosten nach Nordmazedonien. In einem weiten Umfeld um die Hauptstadt Skopje hatten sie die Gelegenheit, die Geschenkübergaben zu beobachten. Was sie erlebten, hat sie motiviert, auch dieses Jahr wieder für die Aktion zu werben.
Manche Kinder erhalten zum ersten Mal ein Geschenk
„Mazedonien ist ein armes Land. Die Häuser sind oft nicht verputzt, der Müll steht rechts und links am Straßenrand. Viele Kinder gehen nicht regelmäßig zur Schule, weil sie etwas zum Einkommen der Familie beitragen müssen. Für manche von ihnen ist Stehlen Teil des Überlebenskampfes. Die Aktion ‚Weihnachten im Schuhkarton‘ lädt vor Ort nur Kinder aus armen Verhältnissen ein“, berichtet Buchendorfer.
Es sind Kinder im Alter zwischen zwei und 14 Jahren, die zuweilen zum ersten Mal in ihrem Leben ein Geschenk erhalten. In der Veranstaltung wird gespielt und ein Heft mit einer Jesus-Geschichte vorgestellt. „Weihnachten im Schuhkarton“ ist eine christliche, überkonfessionelle Initiative des Hilfswerks Samaritan's Purse (Barmherzige Samariter).

Die Geschenkübergabe begleiteten Anne Meyer (l.) aus Stotzheim und Dagmar Buchendorfer aus Düren.
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Die Geschenke sind nicht das einzige Ziel der Aktion. Es werden Anlaufstellen für Kinder entwickelt, wo gespielt und gelacht wird.
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Der Tag der Geschenkübergabe dient auch dazu, Kinder auf Weihnachten aufmerksam zu machen. „Es ist aber auch die Gelegenheit für die Kinder, einmal eine andere Welt kennenzulernen, eine Welt der Wertschätzung“, sagt Buchendorfer: „Die Kinder sind teilweise emotional sehr verwahrlost, und die Mitarbeiter vor Ort wollen ihnen Ansprechpartner für die Zukunft sein.“
Wie erfolgreich das sein kann, ist Meyer und Buchendorfer klar geworden, als sie einen erwachsenen Mitarbeiter treffen, der selbst vor Jahren ein beschenktes Kind war. Heute hat sein Leben Struktur und Halt. „Er hat den Sprung aus der Hoffnungslosigkeit geschafft und gibt nun seine guten Erfahrungen als Mitarbeiter der Kirche in der Roma-Siedlung an die Kinder und Erwachsenen weiter.“ Die ärmsten Kinder stammen überwiegend aus Roma-Familien. Mazedoniens Hauptstadt Skopje habe die größte Roma-Siedlung europaweit, weiß Buchendorfer.
Reise bringt weitere Motivation für Arbeit im Kreis Euskirchen
Besonders angetan ist Meyer auch von den Mitarbeitern vor Ort: „Man muss sich vorstellen, dass das Menschen sind, die ihre Familie oft nur mit mehreren Jobs über die Runden bringen können. Und dann engagieren sie sich noch ehrenamtlich.“ Die Freundlichkeit und Professionalität habe sie begeistert: „In den Anweisungen der Träger steht, dass vor allem dafür zu sorgen ist, dass die Kinder einen geschützten Raum und Rahmen vorfinden, wenn sie kommen. Nicht wenige Kinder leben unter sehr unsicheren Lebensbedingungen.“ Und, so Meyer: „Die Mitarbeiter müssen über die gesamte Aktion Rechenschaft ablegen.“
Auf die Frage, was sie für sich aus der Reise mitnehmen, antwortet Meyer: „Die kleinen Wunder, wenn Kinder genau das im Karton vorgefunden haben, was sie sich gewünscht haben. Und die Motivation, die örtlichen Mitarbeiter nach Kräften mit Päckchen und Gebeten zu unterstützen.“ Buchendorfer hat sich vorgenommen, auch in ihrer Umgebung Ausschau nach Kindern zu halten, die Nöte haben.
Im Herbst werden erneut die Schuhkartons gepackt
Die Kartons, die von den Kindern meist erst zuhause geöffnet werden, enthalten neben Hygieneartikeln, Spielsachen und Kleidung auch Schulsachen wie Hefte und Stifte. Buchendorfer beobachtete, wie mehrere Kinder auf demselben Blatt malten: „Sie sind eben gewohnt, mit wenig auszukommen.“
Es wird dafür gesorgt, dass jedes Kind einen altersgemäßen Karton erhält. „Wer gerne einen Karton auf die Reise schicken möchte, aber selbst keinen packen kann oder möchte, darf auch an die Organisation spenden. Dann übernehmen andere das Besorgen und Verpacken. Das nennt sich Oskar, Online-Schuhkarton“, so Meyer.
Nur vom 1. Oktober bis zum 15. November nehmen Annahmestellen die gepackten Kartons entgegen. Wo sie sind, ist online abrufbar, ebenso, was in einen Karton darf und was nicht. Buchendorfer und Meyer werden auch in diesem Jahr dafür sorgen, dass die Schuhkartons versandfertig vorbereitet werden. Sie werden Mitte November abgeholt und zu Verteilstellen nach Filderstadt oder Berlin gebracht. Von dort geht es an die Zielorte.
Die Prüfung des Inhalts ist nötig, um nicht gegen Zollbestimmungen zu verstoßen und den Verlust von Päckchen zu riskieren. Meyer ist froh über jeden Helfer, der im Herbst beim Durchsehen und Verpacken hilft, und über Geschäfte, die sich als Annahmestelle zur Verfügung stellen.
Einen Bericht von der Reise zur Übergabe der Schuhkartons samt zahlreicher Bilder und Infos geben Anne Meyer und Dagmar Buchendorfer am Samstag, 14. März, ab 15 Uhr in der Freien evangelischen Gemeinde in Mechernich.
Die Aktion
Weihnachten im Schuhkarton gibt es im deutschsprachigen Raum seit 1996, zunächst war der Träger der Verein Geschenke der Hoffnung. Es ist eine weltweite Aktion, an der sich Menschen in vielen Ländern beteiligen, in Australien und Neuseeland genauso wie in Kanada und Südkorea und mehreren europäischen Ländern.
2025 wurden in Deutschland 275.510 Kartons gepackt, weltweit waren es insgesamt mehr als zwölf Millionen. Empfängerländer 2025 für die Kartons, die in unserer Region von Spendern gepackt wurden, waren Bulgarien, Kroatien, Ungarn, Kosovo, Nordmazedonien und Rumänien. Diese sind nicht jedes Jahr gleich. Nach Nordmazedonien wurde eine Lkw-Ladung mit 7584 Kartons gebracht.
Fünf Regionalleiter koordinieren in Deutschland und Österreich hauptberuflich die Aktion und begleiten die Ehrenamtlichen. Mehr als 8000 sind im deutschsprachigen Raum an mehr als 4000 Abgabeorten für die Aktion im Einsatz, weltweit setzen sich mehr als 500.000 Menschen dafür ein.
Weitere Informationen zu der Aktion gibt's im Internet unter www.die-samariter.org.

