Die Einspeisevergütungen für selbst produzierten Strom wurden seit Jahresbeginn im Gebiet der Stadt Mechernich nicht ausgezahlt. Die Stadt fordert eine schnelle Lösung.
EinspeisevergütungWestnetz vertröstet private Strom-Produzenten aus Mechernich erneut

Strom vom eigenen Dach ist eine feine Sache – für die Umwelt und für den eigenen Geldbeutel. Wer seine EEG-Entgelte jedoch über die Firma Westnetz abrechnet, muss sich mitunter in Geduld üben.
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Viele Betreiber einer Photovoltaikanlage, die ihren selbst produzierten Strom ins Netz einspeisen, sind nicht gut auf die Firma Westnetz zu sprechen. Denn dort, wo die in Dortmund beheimatete GmbH – ein Tochterunternehmen der zum E.ON-Konzern gehörenden Westenergie AG – als Verteilnetzbetreiber für die Abrechnung der Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zuständig ist, kommt es zu teils langwierigen Verzögerungen bei der Auszahlung der entsprechenden Entgelte.
Nachdem zum Jahreswechsel 2025/26 Teile des Mechernicher Stadtgebiets, die vorher von der Euskirchener e-regio betreut worden waren, zu Westnetz wechselten, häuften sich auch dort die Beschwerden: Wie bereits im Februar berichtet, warten seitdem viele Einspeiser auf ihr Geld. Thomas Löffelbein aus dem Baugebiet Mechernich-Nord war einer der Ersten, die ihrem Ärger Luft machten.
Was mich am meisten stört, ist die Tatsache, dass ich vollkommen in der Luft hänge. Keiner fühlt sich zuständig.
Damals teilte eine Westnetz-Sprecherin auf Anfrage dieser Zeitung mit, dass die betroffenen Kunden in Kürze eine Einmalzahlung „für die nächsten Monate“ erhalten sollten, damit es nicht „zu einer Unterbrechung der Vergütung“ komme. „Stand heute habe ich weder einen Abschlag, noch eine Einmalzahlung seitens Westnetz erhalten“, sagte hingegen Löffelbein am Dienstag.
Keine Auskunft an der Hotline, keine Antwort auf eine E-Mail an Westnetz
So wie ihm geht es auch vielen weiteren Mechernichern. Eine von ihnen ist Elke Stricker aus Weyer, die bereits seit dem Jahr 2010 eine PV-Anlage auf ihrem Hausdach hat. „Was mich am meisten stört, ist die Tatsache, dass ich vollkommen in der Luft hänge“, so die Versicherungsfachfrau: „Keiner fühlt sich zuständig.“ An der Telefon-Hotline von Westnetz machte sie die gleiche Erfahrung wie Löffelbein: „Meine Adresse war denen unbekannt: Sie gehöre nicht zum Geschäftsgebiet. Auf meine Beschwerde über das Onlineformular auf der Westnetz-Seite habe ich bis heute keine Antwort erhalten.“

Auch Thomas Löffelbein aus Mechernich wartet bislang vergeblich auf Zahlungen für den von ihm ins Netz eingespeisten Solarstrom.
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Stricker ärgert sich auch über die Stadt Mechernich: „Ich weiß gar nicht, warum die Zuständigkeit zu Westnetz gewechselt ist. Mit der e-regio gab es all die Jahre vorher keinerlei Probleme.“
Thomas Hambach, der Erste Beigeordnete der Stadt Mechernich, kann den Unmut gut verstehen. „Uns erreichen derzeit zahlreiche E-Mails, Anfragen und auch Beschwerden von Bürgerinnen und Bürgern, die bei ihren Anliegen mit Westnetz nicht weiterkommen“, sagt Hambach in Bezug auf die verzögerte Auszahlung der EEG-Entgelte: „Wir nehmen diese Rückmeldungen sehr ernst und leiten sie an unsere Ansprechpartner bei Westnetz weiter.“
Mechernicher Stadtverwaltung sieht Westnetz in der Pflicht
Es sei jetzt jedoch Aufgabe von Westnetz, „die bestehenden Probleme umgehend in den Griff zu bekommen und für verlässliche Abläufe zu sorgen“, macht Hambach deutlich. Die Menschen in Mechernich müssten sich darauf verlassen können, „dass ihre Anliegen zügig und korrekt bearbeitet werden“.

Auch die Stadt Mechernich hat auf dem Rathaus und anderen öffentlichen Gebäuden Photovoltaik-Module installiert.
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Der zum Jahresbeginn vollzogene Wechsel geht auf einen Vorgang zurück, der bereits mehr als zehn Jahre zurückliegt: Im Zuge einer Neuvergabe der Stromkonzession für 2014 entschied sich die Stadt damals, die Zuständigkeit künftig in einer Hand zu bündeln und schrieb die Konzession entsprechend aus.
Den Zuschlag erhielt bereits damals die Westnetz GmbH, die damit perspektivisch für das gesamte Stadtgebiet verantwortlich sein sollte. Nach Informationen dieser Zeitung einigten sich die beiden Netzbetreiber in der Folge jedoch darauf, die bisherigen Netzgebiete weiterhin vom bisherigen Konzessionsnehmer betreuen zu lassen.
Aktuell liegen uns jedoch keine offenen Anfragen von Westnetz im Zusammenhang mit der Vergütung von Anlagen in Mechernich vor.
Zum 1. Januar 2026 wurde dies nun aber doch geändert: Die bislang von der e-regio betreuten Netzbereiche in Mechernich gingen an die Westnetz über, im Gegenzug übernahm e-regio die Zuständigkeit im Gebiet der benachbarten Stadt Bad Münstereifel sowie in Euskirchen.
Euskirchener e-regio betont fristgerechte Datenübergabe
Bei der e-regio legt man unterdessen großen Wert auf die Feststellung, dass man im Rahmen des Netzbetreiberwechsels der Firma Westnetz alle Daten zur Abwicklung der Einspeisevergütung „frist- und ordnungsgemäß noch im Jahr 2025“ zur Verfügung gestellt habe: „Dort, wo es von Seiten des Netzbetreibers Nachfragen gab, haben wir an der Klärung mitgewirkt und Details nachgeliefert. Sollte es noch Klärungsbedarf geben, unterstützen wir auch zukünftig gerne“, teilte Unternehmenssprecherin Ilona Schäfer auf Anfrage mit: „Aktuell liegen uns jedoch keine offenen Anfragen von Westnetz im Zusammenhang mit der Vergütung von Anlagen in Mechernich vor.“
Auf die erneute Anfrage der Redaktion teilte eine Westnetz-Sprecherin mit, dass sich der Transfer der Kundendaten als sehr aufwendig erwiesen habe. „Die bei einem Netzbetreiberwechsel übermittelten Daten sind grundsätzlich erstmal für die Abrechnungssysteme des aufnehmenden Netzbetreibers anzupassen. Diese Anpassungen sind mit manuellem Aufwand verbunden“, heißt es dazu aus Dortmund.
Damit die Betroffenen nicht länger auf ihr Geld warten müssen, „bieten wir jetzt eine Einmalzahlung an“, wiederholt die Westnetz-Sprecherin das bereits im Februar gegebene Versprechen. Die entsprechenden Anschreiben seien in Vorbereitung „und gehen den Kundinnen und Kunden nach derzeitiger Planung in der kommenden Woche zu“, so die Unternehmenssprecherin.
Kundin aus Weyer hat rechtliche Schritte eingeleitet
In Weyer will sich Elke Stricker nicht auf diese Absichtserklärungen verlassen. Sie hat inzwischen eine Verbraucherbeschwerde nach Paragraf 111 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) gestellt. „Westnetz hat jetzt genau vier Wochen Zeit, darauf zu reagieren.“ Diesen Schritt empfiehlt auch Monika Schiffer, Leiterin der Verbraucherzentrale in Euskirchen, allen Betroffenen. „Wenn man der Firma eine Frist gesetzt hat, kann man im Anschluss einen Mahnbescheid beantragen, wenn es vorher nicht zu einer Zahlung kommt.“
Elke Stricker weiß, dass sie irgendwann an das ihr zustehende Geld kommen wird. Im Energiefinanzierungsgesetz ist geregelt, dass die Einspeisevergütungen bis zur Auszahlung treuhänderisch verwaltet werden. „Es macht mich trotzdem wütend, dass das so lange dauert“, so Stricker.
Ehepaar aus Weilerswist wartete zwei Jahre auf die erste Westnetz-Zahlung
Es handele sich bei den Schwierigkeiten der Firma Westnetz ja auch nicht um ein neues Problem, weiß Stricker: Seit Jahren höre man immer wieder davon, dass die Auszahlungen der EEG-Entgelte im gesamten Westnetz-Unternehmensgebiet nicht reibungslos funktionierten. Das können Ulrike und Michael Sanders aus Weilerswist nur bestätigen: Mehr als zwei Jahre lang musste das Ehepaar nach der Installation einer PV-Anlage auf eine Zahlung der Einspeisevergütung warten, worüber diese Zeitung ebenfalls schon einmal im Herbst des vergangenen Jahres berichtet hat. „Inzwischen haben wir zwei Einmalzahlungen erhalten und uns wurde mitgeteilt, dass eine ordentliche Abrechnung der Erträge voraussichtlich ab Ende des Jahres 2026 möglich sein werde“, berichtet Michael Sanders.
Zurück nach Mechernich. Dort hat der Lorbacher Landwirt Helmut Dahmen, der zwei Windräder in der Nähe seines Hofes und eine große PV-Anlage auf den Dächern seiner Betriebsgebäude betreibt, inzwischen auch eine Einmalzahlung von Westnetz erhalten. Im Gegensatz zu Löffelbein, Stricker und vielen weiteren Betreibern einer „kleinen“ PV-Anlage auf dem eigenen Hausdach gehört Dahmen jedoch zur Gruppe der Individualkunden.
Während sich bei den meisten Privatleuten die monatlichen Erträge für den eingespeisten Sonnenstrom auf niedrige bis mittlere dreistellige Euro-Beträge summieren, geht es bei Dahmen um deutlich größere Summen: „Wir sprechen hier über einen hohen fünfstelligen Eurobetrag, der monatlich als Einspeisevergütung fällig wird“, sagte Dahmen im Februar.
Sonnenstrom ist im Kreis Euskirchen weiter auf dem Vormarsch
Rund um den Bleiberg gibt es nach Daten des Onlineportals solarzubau.de aktuell knapp 3300 Photovoltaikanlagen mit einer installierten Leistung von insgesamt 47,1 Megawatt. Rein rechnerisch reicht diese Menge aus, um etwa 11.750 der rund 16.770 Haushalte im Mechernicher Stadtgebiet komplett mit Strom zu versorgen. Pro Einwohner werden in Mechernich 1,62 kW Solarstrom produziert, was 12 Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegt.
Den stärksten Zuwachs im Photovoltaikbereich verzeichneten im Stadtgebiet innerhalb der vergangenen zwölf Monate die Balkonkraftwerke: Hier kamen 204 Anlagen mit einer Leistung von 291 kW hinzu. Im Heimsegment stieg die Zahl um 162 Anlagen (2 MW), im gewerblichen Bereich kamen drei Anlagen (277 kW) hinzu.
Im Kreis Euskirchen gibt es laut solarzubau.de aktuell 20.256 PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 312,3 Megawatt, was in etwa der Leistung eines Gasturbinenkraftwerks entspricht.
