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Nach LeerstandIn ehemaligem Tondorfer Tante-Emma-Laden werden jetzt Waffen verkauft

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Richard Stamm und Lucas Beier stehen im ehemaligen Dorfladen von Tondorf vor einer Vitrine mit Waffen und Munition.

Waffen für die Jagd und den Schießsport sowie Zubehör bieten Lucas Beier (l.) und Richard Stamm in ihrem Geschäft in Tondorf an.

Lucas Beier aus Frohngau und Richard Stamm aus Marmagen haben in Tondorf ein Waffengeschäft eröffnet und müssen hohe Sicherheitsauflagen erfüllen.

Bis vor wenigen Jahren hatten Bürger aus Tondorf und Umgebung noch die Gelegenheit, Lebensmittel und andere typische Artikel des täglichen Bedarfs in einem „Tante-Emma-Supermarkt“ in der Ortsmitte einzukaufen. Seit der Schließung des kleinen Edeka-Geschäfts stand das Ladenlokal jedoch leer.

Jetzt sind neue Mieter in das Gebäude eingezogen: Statt Butter, frischem Obst und Drogerieartikeln bieten Lucas Beier aus Frohngau und Richard Stamm, der in Marmagen wohnt, ihren Kunden jedoch ein ganz anderes Sortiment. „Wir glauben, dass wir eine echte Marktlücke entdeckt haben“, berichtet der 30-jährige Frohngauer: „Denn wer Jagd- und Sportwaffen, die passende Munition und Zubehör kaufen will, musste bislang weite Wege in Kauf nehmen.“

Nachdem Anbieter aus Kall oder Bessenich den Verkauf eingestellt hatten, gab es im Kreis Euskirchen kein Waffengeschäft mehr. „Die nächsten Anbieter gibt es im Kreis Düren, im Erftkreis und in der rheinland-pfälzischen Eifel“, zählt Beier auf.

Wer Waffen verkaufen will, wird von der Polizei unter die Lupe genommen

Wer in Nordrhein-Westfalen ein Waffengeschäft eröffnen will, muss jedoch strenge rechtliche Vorgaben erfüllen: „Für den gewerbsmäßigen Waffenhandel ist eine Erlaubnis nach Paragraf 21 des Waffengesetzes notwendig, die bei der Kreispolizeibehörde in Euskirchen beantragt werden muss“, erklärt Beier. Hauptvoraussetzungen sind die Volljährigkeit, die waffenrechtliche Zuverlässigkeit, die persönliche Eignung sowie der Nachweis der Waffenfachkunde, den man durch eine entsprechende Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) erbringen muss.

Jagdschein, Waffenbesitzkarte und Sprengstoffschein liegen nebeneinander auf einem Holztisch.

Ohne entsprechende Dokumente wie Waffenbesitzkarte, Jagd- oder Sprengstoffschein erhalten Kunden keinen Zutritt in den Verkaufsraum.

„Diese Prüfung kann man jedoch nicht bei jeder IHK ablegen“, berichtet Beier, der dafür nach Thüringen reiste. Unter den Prüflingen aus dem ganzen Bundesgebiet traf der Frohngauer dort auf einen Teilnehmer, der ebenfalls aus der Gemeinde Nettersheim angereist war: Richard Stamm (35) aus Marmagen.

Sportschütze und Jäger taten sich für die Geschäftsgründung zusammen

„Wir kannten uns vorher nicht, hatten aber beide die gleiche Geschäftsidee“, berichtet Stamm: „Deshalb haben wir überlegt, ob wir uns zusammentun und die Geschäftsgründung gemeinsam durchziehen.“ Während Stamm, der gelernter Hufschmied ist und nebenbei auch noch in diesem Beruf arbeitet, als Jäger mit dem Thema Waffen in Berührung kam, ist Beier seit rund zehn Jahren als Sportschütze in verschiedenen Vereinen im Kreis Euskirchen und im Kreis Ahrweiler aktiv.

Die Kernbohrer-Bande käme bei uns nicht rein. In den Wänden wurde außerdem eine spezielle Stahl-Armierung verbaut.
Lucas Beier, Waffenhändler, über die Sicherheitsvorkehrungen in seinem Geschäft

Der Startschuss für die gemeinsame Geschäftstätigkeit fiel dann vor rund einem Jahr in den Privaträumen Beiers in Frohngau. „Dort sind wir allerdings sehr schnell an bauliche Grenzen gestoßen, weshalb wir uns nach einer geeigneten Immobilie in der Umgebung umgesehen haben“, sagt Beier. Das leerstehende Ladenlokal in Tondorf sei ausreichend groß gewesen. „Außerdem liegt der Ort verkehrsgünstig an der A1 und ist auch aus dem Norden von Rheinland-Pfalz gut erreichbar“, zählt Stamm die Standortvorteile auf.

In einem Regal lagert Zubehör zum Wiederbefüllen von Patronenhülsen.

Waffenbesitzer, die aus Kosten- oder Performancegründen die Hülsen ihrer Munition selbst befüllen, finden in Tondorf das notwendige Zubehör.

Bevor im ehemaligen Supermarkt Jagd- und Sportwaffen, Munition und Zubehör angeboten werden durften, mussten die beiden Geschäftsleute jedoch umfangreiche bauliche Veränderungen vornehmen. „Aus Sicherheitsgründen haben wir natürlich kein Schaufenster, wo wir Waffen oder Munition präsentieren“, erklärt Beier: „Unser Sortiment befindet sich komplett in einem begehbaren Tresorraum und ist so bestens gegen Diebstahl gesichert.“

Dreieinhalb Zentner schwere Stahltür sichert den Tresorraum

In diesem Zusammenhang denkt man unweigerlich an die ungebetenen Gäste, die sich Ende Dezember Zutritt zu einem Tresorraum einer Gelsenkirchener Sparkassen-Filiale verschafft haben. „Die Kernbohrer-Bande käme bei uns nicht rein“, ist Beier von den eigenen Sicherheitsvorkehrungen überzeugt: Der Zugang zum Tresorraum ist mit einer knapp zehn Zentimeter dicken, 172 Kilogramm schweren Stahltür mit Betonkern und Zahlenschloss gesichert. „In den Wänden, mit denen wir den Tresorraum vom vorherigen Ladenlokal abgetrennt haben, wurde außerdem eine spezielle Stahl-Armierung verbaut“, ergänzt er.

Und auch zu den üblichen Geschäftszeiten erhalte nicht jeder Kunde ungeprüft Zutritt zum Verkaufsraum. „Wer bei uns einkaufen will, muss zuerst nachweisen, dass er berechtigt ist, Waffen und die dazugehörige Munition zu besitzen“, erklärt Beier die strengen Vorgaben des Waffenrechts. Dafür müssen Kunden entsprechende Unterlagen wie die Waffenbesitzkarte oder den Jagdschein vorlegen. „Darin ist zum Beispiel genau eingetragen, welche Art von Munition für welche Waffe zulässig ist und vom Eigner bezogen werden darf“, so der 30-Jährige.

Kunden-Angaben werden vor Verkauf mit Waffenregister abgeglichen

Alle Angaben in den Dokumenten seien zudem mit einer Identifikationsnummer (ID) versehen. „Vor dem Verkauf prüfen wir die Richtigkeit und Gültigkeit dieser IDs über ein Online-Portal“, erläutert Beier: „So ist sichergestellt, dass die rechtlichen Vorgaben alle eingehalten werden.“ Dieses nationale Waffenregister erleichtere dem Handel die Arbeit ungemein, so Beier: „Auch die Zusammenarbeit mit der Waffenbehörde der Kreispolizei in Euskirchen funktioniert reibungslos“, lobt Beier: „Da haben wir von Kollegen aus anderen Städten schon anderes gehört.“

Wer im Besitz eines „Sprengstoffscheins“ ist, wie die „Erlaubnis nach Paragraf 27 des Sprengstoffgesetzes“ landläufig genannt wird, erhält bei „Eifel-Waffen“ in Tondorf auch Wiederladebedarf wie Schwarz- und Nitropulver, Geschosse und Zündhütchen. „Jäger und Sportschützen greifen aus Kosten- und Performancegründen gerne auf diese Möglichkeit zurück“, berichtet Stamm. Mit Hilfe einer speziellen Wiederladepresse können Hülsen erneut befüllt und wiederverwendet werden.


Munition gibt es mit und ohne Blei

Je nach Herkunft der Kunden unterscheidet sich auch die Art der Munition, die von ihnen verwendet werden darf: „Während Jäger aus NRW aus Gründen des Umweltschutzes auf bleihaltige Munition verzichten müssen, dürfen Kollegen aus Rheinland-Pfalz bleihaltige Geschosse verwenden“, berichtet Stamm, der im Alter von 27 Jahren den Jagdschein gemacht hat, inzwischen aber auch im Schießsport aktiv ist.

Zusätzlich zum Ladengeschäft in Tondorf betreiben die beiden Waffenexperten auch einen Onlineshop. „Auch hier gelten besondere Sicherheitsvorgaben, weshalb man nicht auf einen normalen Versand mit DHL oder einem anderen Dienstleister zurückgreifen kann“, berichtet Beier: „Durch den Einsatz eines speziellen Waffenkuriers steigen die Versandkosten schnell auf mindestens 40 Euro, weshalb viele Kunden lieber persönlich einkaufen kommen.“

Der Onlineshop diene auch als Katalog, in dem gekennzeichnet ist, was in Tondorf vorrätig ist. „Dadurch läuft man nicht Gefahr, den Weg vergebens zu machen.“