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Erinnerung an Opfer der NS-ZeitPremiere in Euskirchen: Ein leerer Stuhl erinnert an Euthanasie-Opfer der NS-Zeit

Schülerinnen und Schüler der Marienschule und Menschen der Nordeifel-Werkstätten erinnern mit einem leeren Stuhl an Maria Daniel und 300.000 Opfer.

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Ein Chor sorgte mit dem Lied „Lautsein“ für einen passenden Abschluss der Ausstellungs-Eröffnung.

„Leere Stühle – Bleibende Erinnerungen“, so lautet der Titel einer neuen Wander-Ausstellung, die in der Marienschule Euskirchen eröffnet wurde. Es geht um 300.000 Menschen mit Beeinträchtigung, die in der Zeit des Nationalsozialismus als unwertes Leben kategorisiert und ermordet wurden. An dem vom Regionalen Bildungsbüro des Kreises Euskirchen initiierten Projekt waren außer der Marienschule auch Menschen mit Behinderung der Nordeifel-Werkstätten (NEW) beteiligt. Unterstützt wird die Ausstellung auch von der Kreissparkasse (KSK) Euskirchen, wie das Unternehmen jetzt mitteilte.

Das Schicksal von Maria Daniel

Stellvertretend für die Opfer der Euthanasiemorde haben die Akteure sich dem Schicksal von Maria Daniel gewidmet, die 1914 in Morsbach bei Schleiden geboren wurde. „Sie hatte vier Geschwister und arbeitete als Handelsgehilfin – ehe sie in eine Mordanstalt eingewiesen wurde“, berichtete eine Schülerin. Denn ehemalige Nervenheilanstalten, wie in diesem Falle im hessischen Hadamar, seien in der Nazizeit zu Anstalten systematischen Mordens von Menschen mit Behinderung geworden, oft ohne Wissen der Angehörigen. Sichtlich erschüttert berichtete ein Schüler, wie Angehörige, die sich nach ihren geliebten Verwandten erkundigten, in Briefen beruhigt wurden, ihre Kinder würden „behandelt“ werden.

Nur wenige Tage bis Wochen habe Maria Daniel in Hadamar überlebt, berichtete ein Schüler. Graue Busse wurden dazu eingesetzt, in denen bis zu 60 Menschen durch Abgase oder Kohlenmonoxid qualvoll erstickt wurden. Eine Schülerin: „Spezialfahrzeuge nannten die Nazis die Tötungsbusse. In der Bevölkerung wurden sie bald Höllenwagen genannt.“

Ein leerer Stuhl als Mittelpunkt der Ausstellung

Sichtlich bewegt teilten die Schülerinnen und Schüler der Marienschule ihre Gedanken, versuchten, das nicht Fassbare zu verstehen. Ihre intensive Auseinandersetzung mit dem Thema führte zur künstlerischen Umsetzung, in deren Mittelpunkt ein leerer Stuhl steht. Dieser Stuhl, in offensichtlicher Schieflage, von zahlreichen Nägeln durchbohrt, lädt in der Ausstellung zum Gedenken und gemeinsamen Dialog über erlittenes Unrecht in der Vergangenheit und die heutige Verantwortung der Gesellschaft für ein gelingendes, gutes Miteinander ein.

Schulleiter Michael Mombaur.

Schulleiter Michael Mombaur betonte, wie stolz er auf die Schülerinnen und Schüler sei – nicht nur wegen der informativen und eindringlichen Umsetzung, sondern auch für den Mut und die Menschlichkeit, die sie bewiesen haben. Landrat Markus Ramers gab den Ausstellungsbesuchern mit auf den Weg, genau hinzuhören, wenn Menschen wieder begännen, andere in Kategorien zu packen: „Wie kann eine Gesellschaft sich auf solche Abgründe zubewegen? Hört genau hin, wenn Menschen wieder andere Menschen, den Wert und das Leben anderer Menschen bewerten.“

Wenn wieder Menschen unterschieden, wer „zu uns“ gehöre und wer nicht, wer Anspruch habe – zunächst vielleicht auf den Aufenthalt in diesem Land, später dann vielleicht auf das Leben selbst – müsse man wachsam sein, so Ramers. Damit es für eine Gesellschaft eben nicht normal werde, Menschen zu entrechten und irgendwann so weit abzustumpfen, dass man das Unsagbare, die Untaten, hinnehme.

Schulleiter Mombaur dankte neben den eigentlichen Akteuren auch den weiteren Unterstützern: „Bei Vogelsang IP und der Kreissparkasse kann ich mich bei einem solchen Thema immer auf die Hilfe verlassen, ohne die eine solche Umsetzung nicht möglich wäre.“ Karl-Heinz Daniel, Stiftungsvorstand der KSK Euskirchen, betonte die Wichtigkeit von Erinnerungskultur – und das sei eben auch das Nicht-Vergessen der Gräueltaten: „So sehr ich mich mit unserem schönen Land auch identifiziere, so wichtig ist es auch, das Bewusstsein für dieses Unrecht wachzuhalten.“

Die Ausstellung soll reisen, zunächst nach Vogelsang IP. Für weitere Stationen kann die Ausstellung über die Marienschule Euskirchen angefragt werden.

marienschule-euskirchen.de