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Wo „Krise“ fast „normal“ ist
Bürgermeister hofft, dass Schleiden nach Flut zur Ruhe kommen kann

Eine Straßenansicht kurz nach der Flut im Burggarten in Schleiden im Juli 2021. Bürgermeister Ingo Pfennings hofft, dass die Gemeinde vor weiteren Krisen in Zukunft verschont bleibt.

2021 war auch Schleiden von der Flutkatastrophe betroffen. Bürgermeister Ingo Pfennings hofft, dass die Gemeinde vor weiteren Krisen in Zukunft verschont bleibt.

Wo „Krise“ fast schon das neue „Normal“ ist: In den letzten Jahren hatte Schleiden viele Rückschläge zu bewältigen. Bürgermeister Ingo Pfennings ist jedoch zuversichtlich und hofft auf eine bessere Zukunft.

Seitdem Ingo Pfennings Bürgermeister ist, ist er auch Krisenmanager. Denn bevor die Welt von Corona, Krieg und Inflation heimgesucht wurde, hatten es die Schleidener bereits mit einer Brandserie zu tun, die große Schäden anrichtete und Ängste schürte.

Dann kam die Flut, die in Schleiden Zerstörungen angerichtet hat wie in kaum einer anderen Kommune des Kreises. Auf rund 200 Millionen Euro werden sie beziffert. Der Wiederaufbauplan, der bald im Rat beraten wird, wird Genaueres liefern.

Bürgermeister Ingo Pfennings: „Größte Herausforderung, die jemals aufs Stadtgebiet zugekommen ist“

„Wir haben eine Schadensachse von Oberhausen bis Gemünd und Malsbenden und darüber hinaus auch in Mauel“, so Pfennings. „Da freut man sich über jeden Straßenzug, der fertiggestellt ist und über jeden Betrieb, der wieder zurückkehrt“, schaut er auf das bisher Geleistete.

Doch es werde sicher noch zehn Jahre dauern, bis die Schäden alle beseitigt sein werden. „Wir sind darauf angewiesen, dass die Menschen Geduld mitbringen“, sagt Pfennings. Da höre man auch schon mal, dass es nach eineinhalb Jahren an der einen Stelle immer noch schlimm aussehe und nichts geschehen sei.

 „Das liegt aber auch daran, dass es an vielen Stellen noch so aussieht“, bittet Pfennings um Verständnis. Es handele sich um die „größte Herausforderung, die jemals aufs Stadtgebiet zugekommen ist“. Und es sei bewundernswert, wie die Schleidener mit all den Krisen umgingen.

Schleiden nach Flutkatastrophe: Was wird aus der Oleftalbahn?

Pfennings Wünsche für 2023? „Es wäre schön, wenn die Sporthallen alle wieder in Betrieb gehen würden.“ Fast alle Hallen in der Talachse seien beschädigt, nur die der Clara-Fey-Schule blieb verschont – dank ihrer Höhenlage.

Das sei heftig für die Sportvereine, die schon unter Corona gelitten hätten, erläutert der Bürgermeister. Die Schulen seien ebenso ein wichtiges Thema, „auch wenn bis Ende 2023 noch nicht alle picobello sein dürften“. Die Stadt hat inzwischen einen Ingenieur eingestellt.

Gerne sähe er es auch, wenn ein großer Schritt in Richtung Hochwasserschutzmaßnahmen gegangen würde, sagt Pfennings. Doch Planungen, Ausschreibungen und Vergaben zögen sich hin. „Wir warten zudem auf die Machbarkeitsstudie des Nahverkehr Rheinland bezüglich der Oleftalbahn.“ Er wisse: Was einmal weg ist, kommt auch nicht wieder. 

„Und dann war’s das mit dem Schienenanschluss fürs gesamte Schleidener Tal. Das sollte man sich gut überlegen.“ Und noch einen Wunsch hat Ingo Pfennigs für die Stadt nach all den Krisen der vergangenen Jahre: Bitte keine neue Krise mehr! „Die Menschen brauchen mal eine Pause.“

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