Überraschende ErkenntnisStadt und Pfarre müssen sich um Pestkapelle in Schleiden kümmern

Lesezeit 3 Minuten
Die Vertreter von Stadt und Pfarre sowie Heinz Vaßen vor der weiß getünchten Pestkapelle in Schleiden.

Wollen sich für den Erhalt der Pestkapelle in Schleiden einsetzen: Pfarrer Philipp Cuck (v.l.), Mechthild Kersting, Heinz Vaßen, Bürgermeister Ingo Pfennings, Doris Geschwind und Marion Schütte.

Die Schleidener Pestkapelle wurde 1897 von der katholischen Pfarre auf einem städtischen Grundstück gebaut. Daher sind Pfarre und Stadt für sie verantwortlich.

Die Begeisterung von Bürgermeister Ingo Pfennings und Pfarrer Philipp Cuck hielt sich in Grenzen, als sie von Anwohner Heinz Vaßen erfuhren, dass die Stadt als Eigentümer des Grundstücks und die Kirchengemeinde als Bauherr für die Unterhaltung der Pestkapelle am Ruppenberg zuständig sind. Beide hatten das Bauwerk nicht auf dem Schirm gehabt.

Vaßen hatte im Auftrag von Pfennings und Cuck alle möglichen Quellen studiert, um herauszufinden, wer sich um das Gotteshaus kümmern muss. Nun wollen Stadt und Pfarrgemeinde nach einer vertraglichen Lösung suchen, um die Zukunft der Kapelle zu sichern, die auch eine Station einer jahrhundertealten Prozession an Christi Himmelfahrt ist.

Schleiden kam bei der im Mittelalter grassierenden Pest glimpflich davon

Die Pestkapelle war 1897 von der katholischen Pfarrgemeinde auf einem städtischen Grundstück errichtet worden. Ihr Bau soll auf ein mittelalterliches Gelübde zurückgehen. Die Schleidener wollten sich dafür bedanken, dass ihre Stadt bei der in Europa grassierenden tödlichen Pest glimpflich davon gekommen war. Das taten sie wohl, indem sie aus einer   schon lange vorher durchgeführten Prozession eine Dankprozession machten und mehrere Jahrhunderte später die Kapelle errichteten.

„Die Prozession muss früher riesig gewesen sein. Heute ist sie klein und beschaulich“, erzählt der Pfarrer. Der Umzug war 1969 eingestellt worden. 1976 forderte Hans Wiertz, dessen Familie den Altar für die Prozession mehr als 100 Jahre vorbereitet hatte, die Tradition wieder aufzunehmen. Auch der Leprakreis setzte sich dafür ein. Cuck ließ die Tradition wieder aufleben.

Zu der Kapelle fand Vaßen in einem Protokoll einen Hinweis auf einen Kaufvertrag von 1896 zwischen der Pfarrei und der Stadt. Gegenstand ist ein Grundstück am Ruppenberg, auf dem eine Kapelle errichtet werden soll. „1931 war das Gotteshaus zu einem Kriegerehrenmal umgestaltet worden.

Die Namen der im Zweiten Weltkrieg Verstorbenen sollen bei einer Renovierung 1948 vom Eifelmaler Albert Larres auf die Wände gemalt worden sein“, berichtet Vaßen. Auch der Name seines Vaters Wilhelm ist dort vermerkt. In der Liste der Baudenkmäler der Stadt Schleiden ist das kleine Gotteshaus auch als Kriegergedächtniskapelle aufgeführt.

Weil der Putz an einigen Stellen abblättert, sind manche Namen kaum noch zu lesen. Hinzu kommen Risse im Mauerwerk. Die Kapelle war 1986 zuletzt von den Anwohnern saniert worden. Dabei erhielten die Fassaden einen weißen Anstrich mit grau abgesetzten Gliederungen. Außerdem wurde auch das Umfeld der Kapelle neu gestaltet.

Die Information, dass die Pfarrgemeinde die Kapelle gebaut hat, war für Cuck neu: „Ich habe in der langen Zeit, in der ich in Schleiden bin, nie das Gefühl gehabt, dass ich mich um die Kapelle kümmern muss.“

 Pfennings ging es ähnlich: „Ich habe noch nie gehört, dass sich eine Stadt um sakrale Bauten kümmert.“ Beide sind sich aber einig, dass nun eine rechtliche Grundlage für die Unterhaltung des Gotteshauses gefunden werden muss. „Ich bin zu allen Schandtaten bereit“, so Cuck. Zuerst soll jetzt der Sanierungsaufwand ermittelt werden.

Zusätzlich wird über die Gründung eines Kapellen- oder Fördervereins nachgedacht. Mit Doris Geschwind, Mechthild Kersting und Marion Schütte hat Vaßen drei Anwohnerinnen gefunden, die sich auch für den Fortbestand der Kapelle einsetzen und dies in der Vergangenheit auch schon getan haben.

KStA abonnieren