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SelbstversuchEinfach wunschlos glücklich sein

4 min

Kostete Überwindung und fand auch eher wenig Zuspruch: Laura bot auf dem Euskirchener Weihnachtsmarkt Umarmungen an.

Kreis Euskirchen – Neulich beim Putzen fand ich zufällig unter meinem Bett ein verstaubtes Blatt Papier. „Dinge, die ich in meinem Leben gemacht haben möchte“ stand da in meiner Schrift. In Anbetracht der Tatsache, dass ich in wenigen Wochen volljährig werde, ein guter Zeitpunkt, um einmal Bilanz zu ziehen. Und um das ein oder andere auf der Liste noch abzuarbeiten.

Eine Flaschenpost schreiben

Heutzutage gibt es viele Arten zu kommunizieren, daher wollte ich eine eher veraltete Methode ausprobieren: die Flaschenpost. Eine leere Weinflasche war schnell gefunden, ein Korken ebenso. Bei dem Papier gestaltete sich das Ganze schon etwas schwieriger, denn schließlich sollte alles authentisch aussehen. Den Rand bearbeitete ich mit Feuer, Tee sorgte für die altertümliche gelbe Farbe. Stellte sich die Frage, was für eine Nachricht man per Flaschenpost verschickt? Nach langem Überlegen entschied ich mich für eine Frage: „Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du nicht versagen wirst?“ Noch ein freundlicher Adventsgruß dazu, fertig!

Sofort ging es auf zur Erft, um das kleine Schätzchen auf die Reise zu schicken. Behutsam ließ ich die Flasche zu Wasser und sie schipperte in aller Ruhe davon… bis sie wenige Meter entfernt an einem Ast hängen blieb. Na, hoffentlich findet sie jemand!

Einem Fremden Gutes tun

Warum sollte man zur Weihnachtszeit nicht einfach mal persönlich jemandem eine Freude machen? Ich beschloss, mir ein Schild mit der Aufschrift „Free Hugs“ (kostenlose Umarmungen) zu basteln und mich damit auf den Euskirchener Weihnachtsmarkt zu stellen. Die Reaktion der Leute war überraschend verhalten: einige schienen belustigt, andere schüttelten den Kopf und murmelten: „Die heutige Jugend.“ Viele schauten einfach nur skeptisch auf meine Aufmachung, vielleicht verstanden sie die englischen Worte nicht. Dann gab es aber auch einen, der sich auf die Sache einließ und mich herzlich umarmte. Für einen Moment eine lustige Sache, aber sobald man wieder voneinander lässt, eher unangenehm. Nun ja, am Ende hatte ich zwei Menschen innerhalb von 6,42 Minuten umarmt, einen von ihnen kannte ich persönlich. Vielleicht sah ich doch etwas zu beschämt und unbeholfen aus mit meinem Plakat.

Einen Baum umarmen

Angeblich soll die Beziehung zur Natur dem Menschen Kraft geben. Und angeblich kann man das spüren, wenn man einen Baum umarmt. Nachdem die Umarmungsaktion in der Fußgängerzone eher kläglich verlaufen war, versuchte ich es also im nächstgelegenen Park mit einem Baum. Dabei fiel mir auf, wie wenig ich im Alltag auf die Natur achte – wie viele verschiedene Bäume es gibt! Schließlich hatte ich mir einen Baum ausgesucht und trat mit ausgebreiteten Armen an ihn heran. Was soll ich sagen? Der Volksmund liegt richtig. Ich weiß gar nicht, wie ich es beschreiben soll, aber irgendwie ist so eine Baumumarmung sehr angenehm. Jedenfalls fühlte ich mich danach besser und energieladen. Vielleicht ist ja was dran, an der Kraft der Natur.

In der Öffentlichkeit tanzen

Man kann gar nicht beschreiben, was für Emotionen einen überkommen, wenn man sich mitten auf dem Marktplatz stellt, Musik anschaltet und genau weiß, dass man sich jetzt bis auf die Knochen blamieren wird. Eine ziemlich abartige Mischung aus Scham und Neugier, trotzdem: ein Rückzieher kam nicht in Frage. Ich hoffte einfach, dass die nächsten Minuten so schnell wie möglich vorbei gehen. Offen gestanden habe ich eine ziemliche Abneigung gegenüber dem Tanzen generell, meine Körperteile finden nämlich nie den gleichen Rhythmus wie die Musik. Aber das nützte alles nichts, der Punkt stand auf der Liste.

Im Nachhinein betrachtet, war dieses Erlebnis sicherlich das lustigste und gleichzeitig überraschendste von allen. Zunächst aber kämpfte ich gut und gerne 20 Minuten mit meinem inneren Schweinehund. Ich habe schon viel Peinliches gemacht, aber das sollte alles übertreffen.

Schließlich überwand ich mich und begann „abzuzappeln“ (als tanzen wage ich diese Muskelzuckungen nicht zu bezeichnen). Schon mit den ersten Takten der Musik führten meine Beine und Arme ein Eigenleben. Schlagartig drehten sich alle Köpfe in meine Richtung. Ich stand im Fokus der Aufmerksamkeit aller Passanten. An dieser Stelle hätte ich auch einfach im Boden versinken können, aber unerklärlicher Weise tanzte ich weiter, mein Kopf schien sich ganz verabschiedet zu haben.

Anstatt mich mit Häme und Spott zu überschütten, fingen die Zuschauer an, amüsiert zu lachen, einige Schaulustige klatschten sogar. Selbst Eilige ließen im Vorbeihasten ein kurzes Lächeln über ihre Lippen huschen. Plötzlich machte die Hampelei Spaß! Ich tanzte weiter, jetzt gut gelaunt und voller Lebensfreude. Ein Mann ließ sich anstecken und tanzte ein paar Sekunden neben mir her.

Wunschlos glücklich

Was für ein gelungener Abschluss, der mir vor allem eins klar machte: Es ist egal, was man im Leben schon erreicht hat oder noch machen möchte. Man sollte nur drauf achten, dass man im Hier und Jetzt glücklich ist. Ebenfalls ein Punkt auf der Liste den ich damit abhaken kann: Einmal wunschlos glücklich sein.