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Alternative BestattungEuskirchener Friedwald im Hardtwald bei Stotzheim eröffnet

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Das Bild zeigt ein Holzschild, das auf den Andachtsplatz im Friedwald hinweist.

Bereits 2012 gab es erste Überlegungen für einen Friedwald in Euskirchen, nun ist er im Hardtwald bei Stotzheim eröffnet worden.

Der Friedwald bei Stotzheim ist feierlich eröffnet worden. Die Verkehrsführung wurde geändert, ein Generationenbaum kostet rund 3000 Euro.

Mit einer feierlichen Zeremonie ist im Hardtwald bei Stotzheim der Friedwald Euskirchen eröffnet worden. Die naturnahe Bestattungsform ermöglicht es, Abschied inmitten eines gewachsenen Waldes zu nehmen.

Die Stadt Euskirchen sieht in dem neuen Angebot eine wichtige Ergänzung zur klassischen Bestattungskultur. „Der Friedwald soll ein Ort sein, an dem Erinnerung, Natur und Gemeinschaft zusammenfinden – nah bei den Menschen in Euskirchen und der Region“, betonte Bürgermeister Sacha Reichelt. Damit werde den sich wandelnden Bedürfnissen vieler Menschen Rechnung getragen, die sich alternative Formen der letzten Ruhestätte wünschen.

Bestattungswald bei Hardtburg ist rund 82 Hektar groß

Der rund 82 Hektar große Bestattungswald liegt in einem artenreichen Mischwald unweit der historischen Hardtburg. Angehörige und Vorsorgende können hier Bäume verschiedener Arten – darunter Eiche, Buche, Ahorn oder Kiefer – als letzte Ruhestätte auswählen.

Für Trauerfeiern steht ein zentraler Andachtsplatz mit Rednerpult, Kreuz, Urnenstele und Sitzbänken zur Verfügung. Auch die Infrastruktur ist auf Besucher ausgelegt: Ein gut erreichbarer Parkplatz sowie eine barrierefreie Toilette befinden sich direkt am Gelände.

Wir freuen uns, dass wir der Bevölkerung in und um Euskirchen diese Form der Waldbestattung nun anbieten können.
Christoph Böltz, Leiter des zuständigen Forstamts beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW

„Wir freuen uns, dass wir der Bevölkerung in und um Euskirchen diese Form der Waldbestattung nun anbieten können“, erklärte Christoph Böltz, Leiter des zuständigen Forstamts beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW.

Friedwald-Förster Michael Holzwarth hob die Bedeutung des Waldes hervor: „Viele Menschen schätzen ihn als Ort der Ruhe und Erholung. Mit dem Friedwald kommt eine weitere, sehr persönliche Nutzung hinzu, die zugleich das Bewusstsein für den Schutz dieses wichtigen Ökosystems stärkt.“

Das Bild zeigt die Musiker während ihres Auftritts.

Das Jagdhornbläsercorps Bad Münstereifel sorgte für die Musik.

Das Bild zeigt den Baum, der während der Eröffnung gepflanzt worden ist.

Bei Euskirchen-Stotzheim ist der Friedwald eröffnet worden. Bereits 50 Bestattungen haben seit Dezember stattgefunden.

Das Bild zeigt einen Moment während des Gottesdiensts im Friedwald.

Der Friedwald wurde mit einem ökumenischen Gottesdienst eröffnet.

Trägerin des Waldfriedhofs ist die Stadt Euskirchen. Die Friedwald GmbH übernimmt die Organisation und Verwaltung, während der Landesbetrieb Wald und Holz NRW den Wald pflegt und die Betreuung vor Ort sicherstellt. Bundesweit handelt es sich um den 97. Friedwald-Standort, in NRW ist es der 14.

Auch aus Sicht des Betreibers trifft das Konzept einen Nerv der Zeit. „Viele Menschen beschäftigen sich bereits zu Lebzeiten mit ihrer letzten Ruhestätte“, sagte Geschäftsführer Matthias Laufer: „Der Friedwald Euskirchen bietet ihnen einen geschützten Ort in der Natur, der Sicherheit gibt und zugleich Trost spendet.“

Was ist ein Friedwald im Allgemeinen?

Ein Friedwald ist eine alternative Bestattungsform zum klassischen Friedhof, bei der die Asche Verstorbener in biologisch abbaubaren Urnen unter Bäumen im Wald beigesetzt wird. Eine Namenstafel am Baum kennzeichnet die Grabstätte. Der Friedwald ist überkonfessionell, ermöglicht individuelle Gestaltung und benötigt keine Grabpflege, da diese von der Natur übernommen wird. Viele Menschen wählen ihren Platz bereits zu Lebzeiten aus.

Was hat es mit einem Generationenbaum auf sich?

Ein Generationenbaum dient als gemeinsame letzte Ruhestätte und bietet zunächst zwei Beisetzungsplätze, wobei selbst bestimmt werden kann, wer dort bestattet wird. Weitere Plätze können je nach natürlichen Gegebenheiten hinzugekauft werden, wobei die maximale Anzahl am Baum angegeben ist. Die Ruhezeit beträgt 99 Jahre ab Eröffnung des jeweiligen Friedwald-Standorts. Preise variieren je nach Lage und Beschaffenheit des Baumes und sind entsprechend gekennzeichnet. Freie Generationenbäume erkennt man an einem blauen Band und kosten mindestens 2890 Euro.

Was ist ein Partnerbaum?

Ein Partnerbaum ist als letzte Ruhestätte für eine Einzelperson oder zwei Menschen vorgesehen und umfasst eben zwei Beisetzungsplätze, ohne Möglichkeit zur Erweiterung. Die Ruhezeit beträgt 15 Jahre ab der letzten Beisetzung. Die Preise variieren je nach Lage und Beschaffenheit des Baumes. Freie Partnerbäume sind an einem roten Band erkennbar.

Was ist ein Gemeinschaftsbaum?

Ein Platz am Gemeinschaftsbaum ist eine einzelne Ruhestätte an einem von mehreren Personen genutzten Baum, an dem je nach natürlichen Gegebenheiten bis zu 20 Menschen beigesetzt werden können. Es besteht die Möglichkeit, mehrere benachbarte Plätze zu erwerben. Die Ruhezeit beträgt 15 Jahre. Freie Bäume sind an einem gelben Band erkennbar. Einen Platz unter einem Baum gibt es ab 590 Euro.

Was muss man sonst noch wissen?

Die Grabstelle im Friedwald wird nach der Beisetzung mit einer Baumscheibe verschlossen und im Einklang mit den Jahreszeiten natürlich gestaltet. Die Zeremonien werden von Försterinnen und Förstern begleitet und können individuell, von still bis feierlich, gestaltet werden. Eine Namenstafel am Baum kennzeichnet die Ruhestätte. Klassischer Grabschmuck ist nicht erlaubt, da die Pflege vollständig von der Natur übernommen wird.

Allerdings kann die Urne beispielsweise auf einem Pferd zur letzten Ruhestätte gebracht werden. Auch ein Motorradclub hat laut Friedwald GmbH schon eine Bestattung durchgeführt – natürlich mit zahlreichen Bikes im Wald. Dank erfasster Koordinaten und Baumnummern sind die Grabstätten für Angehörige jederzeit auffindbar.

Was kostet die Bestattung im Friedwald?

Die Bestattung kostet nach Angaben der Friedwald GmbH inklusive einer biologisch abbaubaren Urne 450 Euro.

Wo befindet sich der Friedwald im Hardtwald?

In unmittelbarer Nähe zur Hardtburg. Achtung: Die Verkehrsführung ist geändert worden. Der Eremitageweg kann nur noch als Einbahnstraße in Richtung Hardtburg befahren werden. Für die Ausfahrt aus dem Wald ist ein neuer Weg geschaffen worden, der auch mit Autos befahren werden kann. Er führt auf die Von-Heimbach-Straße.

Seit Dezember hat es im Friedwald Euskirchen 50 Bestattungen gegeben, 20 weitere sind bereits terminiert.